Ihr Kind ist in der Pubertät? Dann brauchen Sie … Das Pubertier!

Dieses Buch kittet vielleicht Ihre bereits gerissenen Geduldsfäden wieder zusammen, entspannt Ihre der Resignation aufgeopferten Gesichtszüge oder lässt Sie zumindest wissen, dass Sie nicht allein sind. Wie sich der Autor Jan Weiler der Herausforderung Pubertät als Vater gestellt hat, beschreibt er in 22 witzigen, kurzweiligen und unterhaltsamen Geschichten, die mit viel Wiedererkennungswert für betroffene „Opfer” und „Täter” aufwarten.

Ein Paralleluniversum

Das Pubertier, wie es der Erfolgsautor Jan Weiler in seinem gleichnamigen Buch nennt, lauert überall, begleitet von Stimmbrüchen, Kommunikationsausfällen, Aknelandschaften und den schlechtesten Launen, die je auf die Menschheit losgelassen wurden. Schweren Herzens sehnen sich die meisten Eltern mit einem in der Pubertät befindlichen Kind nach den guten alten Zeiten, als noch zusammen gegessen wurde, es noch nicht todespeinlich war, gemeinsam auf der Straße gesehen zu werden und Eltern nicht nur als Geldgeber, schweigende Kritiker und Lebensmittellieferanten fungierten. Doch plötzlich taucht jeden Morgen ein nicht mehr kleines Monster auf, das die Kommunikation mit elterlichen Mitbewohnern meist zu unterbinden versucht. Wie soll anderweitige Kommunikation neben der inflationär über WhatsApp, Facebook, Twitter und Instagram betriebenen auch funktionieren, wenn das pubertäre Gehirn vorerst „out of order” gestellt und von einem weitaus unterschätzten Sanierungs- und Umstrukturierungsprogramm belastet wird?!

Jan Weiler, dem Vater von Carla und Nick, geht es nicht anders: Auch er erlebt, nicht mehr als Berater gesehen, weiträumig gemieden und durch Jungs ersetzt zu werden und zudem ja soooo uncool zu sein. Dabei hatte er doch eine wirklich hingebungsvolle Einstellung: „Ich wünschte mir diese Phase in Carlas Leben als gemeinsames Abenteuer, bei dem man zusammen auf Konzerte geht”. Doch auch er musste lernen, umzudenken: „Kinder, die du als liebenswürdige Geschöpfe voller Anmut und Charme in Erinnerung hattest, verwandeln sich innerhalb kürzester Zeit in stinkende Monster (Jungs) oder hysterische Amazonen (Mädchen)”.
Und auch die Hoffnung, niemals Sätze zu sagen wie „Ich kann nicht ertragen, wie du deine Zeit sinnlos verplemperst”, oder „Räum endlich diesen Saustall auf” wurden durch einen Freund im Keim erstickt. Dieser wusste bereits wovon er sprach, als seine „verpickelte Silvesterrakete […] grußlos durch den Raum” flog.

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Ja, ein Pubertier zu besitzen, stellt eine große Herausforderung dar. Dem war sich auch der Pubertiervater Weiler schnell bewusst und bringt die Kardinaleinsicht treffend zur Sprache: „Pubertiere sind konservative Geschöpfe, ganz ähnlich wie Zoobewohner. Sie möchten regelmäßig etwas zu essen, was sie nicht selbst jagen müssen, und ansonsten haben sie am liebsten ihre Ruhe.”

Das Pubertier

11. Auflage 2014 ©Rowohlt Verlag

Forschungsergebnisse aus dem Pubertierlabor

Versuchslabore und Repliken würden die meisten nicht in erster Linie mit ihrem Nachwuchs in Verbindung bringen. Nach dem Lesen dieses Buches eventuell aber doch. Bevor Weiler mit der Schilderung seiner Versuchsreihe beginnt, weist er auf das „hohe Gefahrenpotential dieser Studie” hin: „Bei einem Pubertier handelt es sich um ein interessantes aber eben auch lebensgefährliches Versuchsobjekt. Das Pubertier ist in der Lage, heftig zu schimpfen, ziellos zu schlagen oder zu werfen und sogar zu beißen”.
Gleich mehrere der 22 Pubertiergeschichten finden im Rahmen einer Versuchsanordnung statt und tragen den Titel: „Das Pubertierlabor” – mit dem Vater als Versuchsleiter und der Tochter Carla als Versuchsobjekt. Hier wird sich mit Phänomenen auseinandergesetzt, die Eltern mehr als bekannt sein dürften:

„Pubertierlabor 1: Weckdienst”

Pubertierende zu wecken, ist kein Kinderspiel, bedarf ihr verchillter Alltag doch unendlich viel Erholung. Weiler widmet diesem Szenario eine Langzeitstudie und stellt seine Forschungsergebnisse zum Themenkreis „Wie man eine Vierzehnjährige weckt” vor und greift dabei zu den unterschiedlichsten Weckmethoden: „Deutliche Aufhellung des Labors”, „kitzeln‟, „kraueln im Nackenbreich”, „mündliche Drohungen”, „Waschlappen mit kaltem Wasser”. Erst letzterer Versuch gelingt: „Das Pubertier hat offene Augen und verbreitet schlechte Laune. Es ist wach.” Doch die Anstrengungen scheinen vergebens, da sich das Pubertier bereits wenige Minuten später wieder im Bett befindet. Was den Versuchsleiter aber erstaunen lässt: „Komischerweise hat es noch nie den Bus verpasst, was wohl einer weiteren Forschungreihe bedarf”.

„Pubertierlabor 3: Zeitverbleib”

Für sein weibliches Pubertier stellt Vater Weiler die fundamentale Formal „Zeit = Föhn x Haar” auf, mit der Feststellung, dass ein Zeitbegriff für Teenager nicht existent ist. Weiler begründet das wie folgt: „Es kann sein, dass das Schmieren einer Scheibe Mischbrot mit Butter und Marmelade bis zu sieben Minuten dauert […]. Die Anfertigung von Hausaufgaben oder die Beantwortung elterlicher Anfragen sind hingegen häufig in Sekundenbruchteilen erledigt. […] eine Meisterleistung der Reduktion”.
Wenn Pubertiere für etwas ein hohes Zeitinvest beanschlagen, dann für’s Chillen:
„Carla ist sehr gut im Chillen, Relaxen, Entspannen, Ausruhen, Runterkommen, Zeittotschlagen und einfach mal nix machen”.

„Ordnung ist das halbe Leben …

… dieser Leitsatz wird vom Pubertier nicht nur grob missachtet, sondern auch widerlegt. […]. Das Pubertier ist recht gut dazu in der Lage, über unterschiedliche Chaosabstufungen die Stimmung des Versuchsleiters zu manipulieren“. Aufräumen, wohl eines der leidigsten Themen, nicht nur bei Kindern im pubertären Alter – nimmt es hier aber ungeahnte Ausmaße an – die auch Weiler im Kapitel „Ordungshalber” unter die Lupe nimmt.

„Auf dem Schreibtisch hat sich allerhand angesammelt […] darunter die Zuckerdose aus der Küche, eine Bürste, eine Apple-Fernbedienung, der Tesaroller, das Bürotelefon und zahlreiche Teller- und Dessertschälchen mit nicht mehr identifizierbarem Inhalt”. Weilers Ordnungsintermezzo endet damit, dass Carlas Zimmer oberflächlich einer Reinigung unterzogen wurde, sich das übliche Chaos aber zusammengeballt unter dem Bett befindet. Vielleicht schafft es das Gehirn in diesem Alter einfach nicht, dafür entsprechend logische Leistungen aufzubringen.

Weiler fasst die beeinträchtigte Grundhaltung Pubertierender in Bezug auf Ordnung, Verantwortung und Ehrgeiz so zusammen: „Unser Pubertier kann nicht aufräumen, weil es keinen Bock auf den Stress hat. Sie kann nicht ans Telefon gehen, weil sie das Klingeln unter Leistungsdruck setzt. Sie hätte gern Salz in der Soße, akzeptiert diese aber auch ungesalzen, wenn sie das Salz selbst holen muss.”

Investigative Recherche

Im Kapitel „Moritz unter Druck” schildert der Vater seine Erlebnisse mit der langsamen Anbahnung seiner Tochter an das andere Geschlecht. Er ist wahnsinnig neugierig und diese Neugierde treibt ihn zu Handlungen, die eventuell den Bogen elterlichen Vertändnisses überspannen, aber durchaus erheiternd sind. Er lauscht nicht nur den Telefongesprächen seiner Tochter, sondern betreibt auch investigative Recherche auf Facebook. Natürlich fliegt Weilers Spionage auf. Lassen kann er es dennoch nicht und beurteilt es als „endlaser peinlich“, als es um die Beziehung seiner Tochter zu Moritz mal wieder nicht so gut steht. „[…] Moritz war offenbar bis gestern endlaser. Mir würde sie sowas natürlich nicht erzählen, weil ich nun einmal nicht endlaser bin. Aber ihren Kumpelinen erzählt sie alles. Und wer ist mit den jungen Damen befreundet? Genau: ich. Bei Facebook.”

Yolo mit Papa

Im Kapitel „Yolo mit Carla” beschreibt Weiler seine Defizite auf dem Gebiet der flukturierenden Jugendsprache im Rahmen einer Shoppingtour mit seiner Tochter:
„Sie saß neben mir im Auto und hielt ihre Freundin Franzi per WhatsApp auf dem Laufenden. Ich sah auf ihr Handy und las: ‚[…] mit meinem Vater. SWAG‛.” Im Laufe des Tages stellte sich dann heraus, dass Zara ein „epic fail” war und es echt „Yolo” sei, mit seinem Vater einen Smoothie zu trinken. „Während sie einen Becher sauteurer Beerenpampe verputzte, googelte ich ‚swag‛, ‚epic fail‛ und ‚Yolo‛. Auf diese Weise erfuhr ich, dass sie erstens den Ausflug mit mir lässig fand und zweitens den Besuch bei Zara für einen schweren Fehler hielt. Und das ‚Yolo‛ für ‚Du lebst nur einmal‛ steht.” Anschließend fand das Pubertier die Klamotten im nächsten Laden voll „wrack” und „Hollister = ROFL”. Während seine Tochter unzählige Hosen probiert, macht sich der Vater wieder an’s Googeln. „Spätabends schickte mir Carla eine SMS […]. Darin stand: ‚Knubu Danke Papa Xo.‛ Ich googelte. Sie teilte mir mit, dass sie mich knuddelte, küsste und umarmte. Ich war gerührt und schickte ihr eine SMS zurück. Darin stand ‚EWESNMD‛. Sie simste sechs Fragezeichen zurück. […] Also schickte ich noch mal die Langform: ‚Es war ein schöner Nachmittag mit dir‛”.

Alles hat ein Ende…

Der Kampf beim Wecken, das Verständnis von Zeit, die erste Liebe, sowie Ordnungs-, Sprach- und Shoppingerfahrungen sind nur ein Teil aus Weilers Forschungswelt der Pubertiere. Daneben greift er andere hinlänglich bekannte Themen auf, die man aber gerne liest, wenn nicht in dieser locker leichten Aufmachung wie Weiler sie präsentiert, sogar verschlingt. Das Thema Alkohol, Spickzettel oder väterliche Duschtraumata, wenn man sich mit den „gesellschaftlichen Zwang völliger Haarlosigkeit” konfrontiert sieht, mit denen sich insbesondere die weibliche Riege Pubertierender auseinanderzusetzen hat. Nicht resignierend aber durchaus erschöpft, bekundet Weiler abschließend: „Ich kann nur hoffen, dass Carla komplett fertig ist, bevor es bei Nick richtig los geht. Sonst stehe ich das hier nicht durch.”

Über den Autor:

  • Bekannt geworden ist der Schriftsteller, Kolumnist und ehemaliger Chefredakteur des Süddeutsche Zeitung-Magazins Jan Weiler durch seinen Bestseller Maria, ihm schmeckt’s nicht.
  • Auswahl weiterer Romane: Antonio im Wunderland, Drachensaat, Mein Leben als Mensch, Berichte aus dem Christstollen, sowie zwei Kinderbücher Hier kommt Max, Max im Schnee.
  • Neben Romanen schreibt Weiler Hörspiele, Drehbücher und Kolumnen.
  • Die Geschichten, die in Das Pubertier erzählt werden, erschienen zuerst als Kolumnen in der Welt am Sonntag unter dem Titel Mein Leben als Mensch.
  • Zusätzliche Aufwertung erfährt das Buch durch treffende Illustrationen des Berliner Künstlers Till Hafenbrak.

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Titelbild: ©sofatutor.com

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