Keine Watte: Kinder brauchen das Risiko

Kinder testen Grenzen aus. Sie klettern auf Bäume, kämpfen mit Stöcken, schnitzen und toben. Warum Eltern das zulassen sollten, ohne sie mit ihrer Angst zu konfrontieren.

Die absolute Sicherheit gibt es nicht – in keinem Bereich. Umso wichtiger ist es, dass Kinder selbstsicher werden und Selbstvertrauen entwickeln. Sie müssen lernen, auf unbekannte oder riskante Situationen reagieren zu können. Das geht nur, wenn sie eigene Erfahrungen machen.

Ängstliche Eltern – ängstliche Kinder

Eltern wollen ihre Kinder beschützen – vor dem Scheitern, vor Verletzungen, vor negativen Erfahrungen, vor allem, was ihnen schaden könnte. Mit Sätzen wie „Kletter nicht so hoch, du könntest herunterfallen!“ und „Achtung, nicht, dass du dich schneidest!“ wollen sie jedes Risiko für ihre Kinder aus einer Situation nehmen. In der Entwicklungspsychologie ist man jedoch der Meinung, dass Kinder, deren Eltern immer ängstlich reagieren, ängstlich werden. Angst hingegen führt zu Unsicherheit und beeinträchtigt die Entwicklung von Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen.

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Kinder brauchen das Abenteuer

Langfristig seien höhere Risiken zu erwarten, wenn Kinder nicht die Möglichkeit bekämen, eigene Erfahrungen zu machen. Das ist das Ergebnis einer Studie der University of British Columbia, die 2015 mit der Analyse des Spielverhaltens von 50.000 Kindern den Zusammenhang zwischen dem riskanten Spielen im Freien und kindlicher Gesundheit erforschte. „Wir haben festgestellt, dass Kinder in Spielumgebungen, in denen sie Risiken ausgesetzt sind, ihre soziale Interaktion, Kreativität und Widerstandsfähigkeit steigern können“ (übersetzt von der Redaktion), so die Studienleiterin Dr. Mariana Brussoni. Sie ist der Meinung, dass Kinder nur durch das wilde und damit manchmal riskante Spielen im Freien die Chance bekämen, Gefahren und ihre eigenen Grenzen einschätzen zu lernen. Andernfalls könne es zu psychischen Problemen wie Depressionen oder auch physischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzproblemen kommen.

Altersgerechtes Verhalten

Das bedeutet nicht, dass Eltern ihre Kinder ständig sich selbst überlassen oder gar Gefahren aussetzen sollen, die sie altersbedingt noch nicht einschätzen können. In der Entwicklungspsychologie geht man davon aus, dass Kinder im Alter zwischen fünf und sechs Jahren akute Gefahrensituationen erkennen und ab ca. acht Jahren ein vorausschauendes Bewusstsein entwickeln. Zwischen neun und zehn Jahren handeln Kinder bewusst, um eine Gefahrensituation zu verhindern oder Eventualitäten vorzubeugen. Dr. Brussoni rät Eltern, besonders jüngere Kinder beim Spiel zu beobachten, jedoch erst einzugreifen, wenn diese wirklich Hilfe brauchen.

Mit Kindern über Gefahren sprechen

Wichtig ist, dass Eltern ihren Kindern Vertrauen entgegenbringen und sie nicht ständig mit ihrer eigenen Angst konfrontieren. Klettern Kinder z. B. ohne Angst auf einen Baum und werden oben angekommen mit der Angst ihrer Eltern konfrontiert, werden sie den Abstieg unsicherer hinter sich bringen als den Aufstieg. Experten raten, hinterher in Ruhe mit ihnen über die Risiken zu sprechen. Das sollte ein sachliches Gespräch sein, in dem Grenzen aufgezeigt, jedoch keine Ängste geschürt werden. Denn Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, um in riskanten Situationen angemessen reagieren zu können – und dazu gehört auch mal ein aufgeschlagenes Knie.

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Titelbild: © Bildagentur Zoonar GmbH/shutterstock.com

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