Meine kurze Karriere als Zahnfee

Mama Henrike weiß, als Mutter übernimmt man im Laufe der Erziehungsjahre eine Menge Jobs, von denen man vorher nicht wusste, dass sie in dem Erziehungspaket enthalten sind. Und Onboarding? Fehlanzeige!

Zauberei, Magie, Aberglaube: Die Kindheit ist geradezu fantastisch! Da gibt es den Osterhasen, den Nikolaus, das Christkind, den Weihnachtsmann und natürlich die Zahnfee. Die kurzen Jahre, in denen einem Kind alles möglich erscheint, ist auch für Eltern ansteckend.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich ungern verkleide und niemals auf die Idee käme, am Heiligabend mit angeklebtem Bart in einem viel zu warmen Gewand mit verstellter Stimme „Hohoho! Wart ihr auch alle artig?“, zu skandieren. Nein, für diese Anlässe buche ich selbstverständlich professionelle Unterstützung! Außerdem sind die wenigen Termine im Jahr – Ostern, Nikolaus, Weihnachten – auch gut planbar, was ich sehr schätze.

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Auftritt der Zahnfee – das unplanbare Event

Anders verhält es sich mit der Zahnfee. Wann deren Erscheinen vonnöten ist, ist so wenig planbar und individuell wie ein Kindergebiss.

Das Konzept der Zahnfee ist mir ziemlich neu, das war wohl beim Zahnwechsel des Erstgeborenen einfach noch nicht populär. Bei ihm habe ich alle Milchzähne über die Jahre in einem Döschen aufbewahrt, das ich feierlich bei der Hochzeit des Kronsohnes mit tränenverhangenem Blick herumreichen werde. Es wurde kein Tamtam und kein Brimborium veranstaltet, wenn sich ein Milchzahn löste. Zahn raus, auf die Schulter klopfen, du wirst jetzt erwachsen, mein Sohn, sagen und damit hatte es sich. Das eigentliche Brimborium kommt dann eben erst bei der Hochzeit.

Ich wollte an dieser Vorgehensweise auch beim Nächstgeborenen partout nichts ändern.

Es sah gut aus. Im Sommerurlaub, kurz vor dem sechsten Geburtstag des Kindes, löste sich der erste Milchzahn während des genüsslichen Verzehrs eines Apfels und ging seinen letzten Weg gemeinsam mit diesem Apfel. Dass der Zahn fehlte, wurde erst später und auch nur zufällig bemerkt. Es folgte: Auf die Schulter klopfen, „Du wirst jetzt erwachsen, mein Sohn!“, sagen und wieder zur Tagesordnung übergehen.

Dann wackelte der zweite Zahn. Er wackelte und wackelte und wurde schließlich von uns Eltern vergessen.

Eines Morgens triumphierte der kleine Sohn auf einmal beim Zähneputzen. Der Zahn sei raus! Stolz hielt er eine winzige perlmuttfarbene Perle vor mein Gesicht und verkündete, nun käme in der folgenden Nacht die Zahnfee zu ihm! Das hätte er in einem Trickfilm gesehen, jawohl!

Milchzahn gegen Schokotaler

Ich tat das einzig Vernünftige: Ich stellte mich dumm. Doch, versicherte das zahnlose Kind, man müsste nun den Zahn unter das Kopfkissen legen und in der kommenden Nacht käme dann die Zahnfee, um den Milchzahn gegen einen Schokotaler auszutauschen.

Ich moserte noch ein wenig herum, ob das denn stimmen würde und man wüsste ja nicht mal, ob die Zahnfee überhaupt existiere und dass ein Schokotaler sicher nicht die angemessene Währung für einen ausgefallenen Zahn sei. Das aufgeregte fröhliche Gesichtchen meines Sohnes ließ aber keinen Zweifel daran, dass es genauso passieren würde.

Völlig überrumpelt von der Situation klapperte ich am Nachmittag vergeblich diverse Lebensmittelgeschäfte auf der Suche nach Schokotalern ab. Entweder fielen im Moment zu Hauf die Milchzähne aus oder die Schokotalerwährung war nicht eine saisonale Besonderheit. Es gab weit und breit keine Schokotaler!

Entnervt kaufte ich eine kleine Blechschachtel, gefüllt mit Schokostückchen.

Ein winziges Geschenk für die Zahnfee

Am Abend herrschte dann beim kleinen Sohn große Aufregung beim Zubettgehen. Wohin denn nun der Zahn müsste? Auf diese oder jene Seite des Kissens? Aber was, wenn ihn dann die Zahnfee nicht finden würde? Ob wir den Zahn vielleicht verpacken könnten?

Ich verpackte den Zahn wie ein winziges Zwergengeburtstagsgeschenk und schrieb noch einen Zettel: Für die Zahnfee. Den klebte ich an das winzige Päckchen. Danach wurde wieder über die korrekte Lage unter dem Kopfkissen palavert.

In der folgenden Stunde stapfte ich mehrere Male nach oben in das Kinderzimmer, um auf ausdrücklichen Wunsch die Lage des Zahnpäckchens unter dem Kopfkissen zu korrigieren und Fragen zur Zahnfee zu beantworten. Wie die denn hereinkäme, was, wenn der Papa die Zimmertür zumache und ob die wohl fliegen könne. Ich improvisierte mich durch diesen Abend, denn ich hatte mindestens genauso wenig Ahnung wie der zahnlose Sohn. Ich wurde innerhalb eines Tages zur Zahnfee, „on the fly“ quasi, gänzlich ohne Qualifikation! Irgendwann sagte ich dann dem Kind, es gäbe bestimmt keine Zahnfee und dass jetzt wirklich, wirklich geschlafen werden müsse!

Kein Zutritt für fremde Frauen – Kinderzimmerverbot für die Zahnfee

Ein zartes Wimmern ließ mich zu später Stunde noch einmal im Kinderzimmer erscheinen. Er habe es sich überlegt, sagte der Knopfäugige und sah sehr winzig in seinem großen Bett aus. Er wolle nicht, dass eine fremde Frau nachts in sein Zimmer käme und ob ich wohl den Zahn vor die Tür legen könnte. Ob die Zahnfee ihn auch dort finden würde? Ich versicherte, eine Zahnfee auf der Suche nach Milchzähnen würde den Zahn auch vor der Tür finden und sicherheitshalber hätte ich ja draufgeschrieben: Für die Zahnfee.

Tatsächlich fielen in dieser Nacht alle Menschen meiner Familie irgendwann doch noch in einen kurzen unruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen fand das süße zahnlose Kind eine Blechschachtel mit Schokostückchen und einen Brief der Zahnfee vor seiner Zimmertür.

Zu dieser Zeit weilte ich bereits im Büro und so bekam ich einen Anruf des Sohnes, attestiert vom Papa, dem Ehemann der Zahnfee quasi. „Ich liebe die Zahnfee“, berichtete das Kind. „Ich habe eine Schatztruhe voller Schokolade bekommen, die ich alleine essen darf und dann soll ich meine Zähne da reintun!“ (Ja, damit die Zahnfee am Tag deiner Hochzeit dieses Kästchen bei der Feier herumzeigen kann.)

„Und weißt du, sie hat mir einen Brief geschrieben. Da steht, dass ich immer schön meine Zähne putzen soll und dass sie aber nur einmal zu mir kommen kann, weil sie so viel zu tun hat!“ (cleverer Schachzug)

„Und weißt du, die Zahnfee gibt’s nämlich doch und in echt und du bist ein Lüger!“, sprach’s und drückte den roten Knopf am Telefon.

Soviel Anerkennung und Abwertung am ersten Tag als Zahnfee, das habe ich vorher noch nie in einem Job erlebt. Ein Glück muss ich nicht noch mal ran.

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Titelbild: © Nicoleta Ionescu /shutterstock.com

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