Tipps vom Experten: So surfen Kinder sicher im Netz

Thomas-Gabriel Rüdiger ist Kriminologe. Er ist spezialisiert auf kriminelles Verhalten im Internet. Wie Sie die Risiken für Ihre Kinder im Internet minimieren können, verrät Ihnen der Vater von zwei Töchtern.

„Einige Eltern glauben, sie besitzen ausreichend Medienkompetenz, weil sie einen Facebook-Account haben“, erklärt Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger. Ganz so einfach sei es aber nicht. Eltern sollten sich langfristig mit der digitalen Lebenswelt ihrer Kinder auseinandersetzen. Dazu gehöre auch, dass Erwachsene die digitalen Medien aktiv nutzen.

Risiken hinterfragen

Als Kriminologe kennt Rüdiger die Risiken des Internets. Er untersucht Szenarien, in denen z. B. mögliche Sexualtäter ihre Opfer online ansprechen. Ein klares Risiko sind seiner Meinung nach Kinderchats und Online-Spiele. Dabei handelt es sich um Spiele, die man mit anderen Personen virtuell zusammenspielt. Den Tätern kommt zugute, dass es keine Mechanismen gibt, um zu überprüfen, wer oder wie alt sie sind. Darüber hinaus gibt es keine staatlichen Standards oder Lizenzierungen, die z. B. Spielbetreiber zu Schutzmechanismen verpflichten. „Erwachsene können also unkontrolliert mit Kindern spielen“, erklärt der Kriminologe.

Mit Spaß zum Lernerfolg – so geht's
30 Tage kostenlos testen

Es gebe weltweit Strafverfahren, bei denen sich Erwachsene zum Zwecke des Missbrauchs an Kinder in Online-Spielen herangewagt haben. Diese Spiele wirken unscheinbar: Sie besitzen niedliche Grafiken, werden als Gratis-Spiele beworben oder eine Chatfunktion wird erst später im Spiel sichtbar. Auch fällt es Tätern leichter, das Vertrauen von Kindern über die spielerische Interaktion zu gewinnen. In den Chats können Kinder neben sexuellen Belästigungen auf andere unangenehme Situationen treffen: Cybermobbing, extremistische Kommentare oder Beleidigungen. Gerade diese Risiken in den Online-Spielen sind Eltern nicht bewusst.

Keine Überwachung

Was können Eltern also tun? Eine ständige Überwachung aller Online-Aktivitäten sei nicht zielführend, mahnt Rüdiger. Es geht um ein grundlegendes Verständnis für das Verhalten der Kinder im Internet. Medienkompetenz erhalten Eltern nicht nur durch einen Facebook-Account. Viele Kinder und Jugendliche seien längst in anderen sozialen Medien unterwegs und hätten nur einen förmlichen Facebook-Account für ihre Eltern, meint er. Insbesondere Online-Spiele sind für Kinder und Jugendliche relevant. Bei Letzteren kommen weitere Apps wie Instagram, Twitch oder Snapchat hinzu.

Up to date bleiben

Für Eltern gilt, sich frühzeitig mit Spielen, Apps und Messengern vertraut zu machen. „Die aktuelle MIKE-Studie in der Schweiz gibt Aufschluss über das Nutzungsverhalten von Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren. Eine Übersicht der beliebtesten Apps zeigt: Spiele, wie Clash of Clans oder Minecraft, kommen gleich hinter WhatsApp, Instagram und YouTube. Selbst der KIK Messenger und Snapchat sind beliebter als Facebook. Welche Eltern kennen z. B. den KIK Messenger?“, gibt Rüdiger zu bedenken. „Es ist sinnvoll, sich mit der Medienrealität der Kinder auseinanderzusetzen, um zu erfahren, was sie in ihrer Welt gerade bewegt“, schlägt er vor. „Nur so können Gefahren erkannt und mit Kindern besprochen werden“.

Selbst ausprobieren

„Nutzen Ihre Kinder Instagram, Snapchat oder Kik? Dann sollten Sie diese App selbst verwenden“, rät er. Dabei müssen Eltern ihren Kindern nicht auf allen Plattformen folgen. Sie sollten vielmehr versuchen, ein Grundverständnis für diese Form der Interaktionen zu entwickeln. Gleiches gilt für Spiele. „Wenn Eltern plötzlich gemeinsam mit ihren Kindern ein Online-Spiel oder Computerspiel spielen wollen, kann es passieren, dass sich die Kinder zurückziehen. Wenn man sich zuvor nicht für das Spiel interessiert hat, wird das Kind seine Hoheit auf diesem Gebiet nicht an die Eltern abtreten“, so Rüdiger. Eltern sollten sich alleine mit den Online-Spielen und Risiken vertraut machen. Sein Wunsch ist, „dass Eltern im digitalen Raum Ansprechpartner ihrer Kinder werden und nicht Kinder die Ansprechpartner ihrer Eltern sein müssen“.

Nutzungsverhalten reflektieren

Das Nutzungsverhalten der Eltern ist für Kinder prägend. Wenn Eltern Fotos der Kinder versenden bzw. hochladen, verstehen die Kinder nicht, warum sie es nicht dürfen. Gleiches gilt für die Dauer und Intensität der Nutzung von Smartphones und Internet. Wenn Eltern ihr Smartphone ständig verwenden, ist es für ihre Kinder nicht nachvollziehbar, warum sie selbst nicht so viel Zeit im Netz verbringen sollten. Eltern sollten auch hier ihren Kindern als gutes Vorbild vorangehen.

Fazit: Um Kinder vor unangenehmen Inhalten im Internet zu schützen, ist es wichtig, sie aufzuklären. Außerdem sollten sich Eltern selbstständig mit der Welt der Online-Spiele vertraut machen. Dann können sich Eltern und Kinder selbstbewusst und sicher im Internet bewegen.

8 Tipps zur Internetnutzung

  1. Wissen schafft Vertrauen: Eltern sollten digitale Medien aktiv nutzen, um Wissen über die Möglichkeiten und Risiken des digitalen Raumes zu erlangen. So werden sie kompetente und vertrauensvolle Ansprechpartner für ihre Kinder und nicht umgekehrt.
  2. Absichten bewusst machen: Nicht jeder, der im Internet ein Smiley verwendet oder ein toller Mitspieler ist, hat nette Absichten. Kinder sollten Fremden gegenüber auch im Internet eine gesunde Skepsis anwenden.
  3. Gratis-Angebote prüfen: Besonders Online-Spiele werden gerne als gratis beworben. Es kann jedoch zu Situationen kommen, in denen mit echtem Geld Spielvorteile gekauft werden können. Lassen Sie auch 0900-Nummern, die in den Apps zum Bezahlen verwendet werden, bei Ihrem Provider sperren!
  4. Vorsicht bei der Veröffentlichung von Bildern: Eltern sollten rechtzeitig besprechen, welche Fotos ihre Kinder im Netz einstellen oder an Freunde senden dürfen. Eltern sollten selbst reflektieren, was sie von ihren Kindern veröffentlichen!
  5. Schutzfiltern nicht blind vertrauen: Technische Schutzsysteme, z. B. Jugendschutzprogramme, -filter oder Eltern-Apps, helfen nur bedingt. Einerseits können Kinder Wege finden, diese Systeme zu umgehen. Andererseits können die Filter nicht vor Kommunikationsrisiken wie Beleidigungen oder sexuelle Belästigungen schützen.
  6. Nicht auf Altersempfehlungen verlassen: Apps und Spiele erhalten häufig Empfehlungen zum Alter der Nutzer. Diese Empfehlungen berücksichtigen aber keine Kommunikationsrisiken. Ein Spiel ab 0 Jahren schützt nicht davor, dass in dem Spiel fremde Personen mit Kindern Kontakt aufnehmen können. Eltern sollten daher prüfen, ob ein Spiel einen Online- und Kommunikationsmodus beinhaltet.
  7. Angemessenes Benehmen gilt auch im Internet: Kinder sollten sich im Internet so verhalten, wie ihre Eltern es auch in der Realität von ihnen erwarten.
  8. Rechtliche Konsequenzen darstellen: Der digitale Raum ist kein rechtsfreier Raum. Strafrechtliche Handlungen, z. B. Beleidigungen oder sexuelle Belästigungen, können zivil- und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Diese gelten auch für Kinder und Jugendliche.

Über Thomas-Gabriel Rüdiger

Thomas-Gabriel Rüdiger

Thomas-Gabriel Rüdiger

Thomas-Gabriel Rüdiger ist Kriminologe an der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Er ist spezialisiert auf kriminelles Verhalten im Internet. Seine Themen sind u. a. die Aufgaben der Polizei im digitalen Raum, Cybercrime und Cyber-Grooming.

Weitere Links:
Über seine Arbeit
Rüdigers Twitter-Account

Titelbild: © Tatyana Vyc/shutterstock.com

Was Sie jetzt tun sollten ...

  1. Motivation beim Lernen ist der Schlüssel zum Lernerfolg Ihres Kindes. Holen Sie sich die Motivationstipps von Lehrer Giuliano in diesem Video.
  2. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und schauen Sie sich an, was sofatutor für Sie und Ihr Kind anbietet.
  3. Überzeugen Sie sich selbst und testen Sie sofatutor 30 Tage lang kostenlos.