Warum lügen Kinder? Und wie können Eltern damit umgehen?

Jeder lügt mal. Bei Kindern kann das von einer bunt ausgeschmückten Geschichte bis zum absichtlichen Vorenthalten von Informationen reichen. Was sind die Gründe fürs Lügen?

Gastautorin Katja beschreibt anschaulich, in welchen Situationen ihre Kinder die Wirklichkeit zu ihren Gunsten abändern: Es sind wirklich keine Hausaufgaben aufgegeben worden, die anderen dürfen auch so lange auf der Party bleiben und sie sind auf jeden Fall pünktlich ins Bett gegangen. Warum lügen Kinder eigentlich? Und wie sollten sich Eltern verhalten, wenn sie die Lügen enttarnen?

Bei kleineren Vergehen Ruhe bewahren

Vor allem Kinder im Vorschulalter denken sich Fantasiefiguren aus und erzählen aufregende Geschichten, in denen die Realität mit ihrer Traumwelt verschwimmt. Das ist normal und sollte Eltern nicht weiter verunsichern. Oft wollen sich junge Kinder im Grundschulalter auch gegenüber ihren Freunden und Bekannten profilieren. Dann prahlen sie mit tollen Dingen, die sie besitzen oder der Größe des Hauses, in dem sie wohnen. Das sind kleinere Vergehen, bei denen Eltern entspannt bleiben sollten. Entweder überhört man das Gesagte oder nimmt es mit Humor. Es kann die Situation auflockern, die Aussagen der Kinder zu überspitzen. So merken sie, dass ihre Prahlerei vielleicht etwas zu dick aufgetragen war. Wichtig ist, die Kinder nicht vor Freunden bloßzustellen, um sie nicht zu blamieren.

Mit Spaß zum Lernerfolg – so geht's
30 Tage kostenlos testen

Etwa im gleichen Alter lässt sich beobachten, dass sich Kinder über das Geburtstagsgeschenk von ihren Großeltern freuen, obwohl sie es wahrscheinlich nie wieder anschauen werden. Diese Art der Flunkerei geschieht aus Höflichkeit und obwohl die Kinder technisch gesehen lügen, ist es eine gute Sache. Sie haben gelernt, dass eine Lüge helfen kann, eine andere Person nicht zu kränken. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die sie später, z. B. im Umgang mit Autoritätspersonen benötigen werden.

Konkrete Delikte führen zu logischen Konsequenzen

Irgendwann beginnen Kinder zu schwindeln, z. B. um schlechte Schulnoten zu verheimlichen, weil sie keine Lust auf die Hausaufgaben haben oder weil sie den letzten Keks unbeobachtet verdrückt haben. Wenn das Delikt von den Eltern entdeckt wird, sollte man mit offenen Karten spielen und die Kinder darauf ansprechen, dass man bereits wisse, was vorgefallen ist. So haben die Kinder die Gelegenheit, Reue zu zeigen und Eltern können die Entschuldigung ohne Strafe annehmen. Sollte eine Strafe notwendig werden, weil z. B. etwas kaputt ging, raten Kinder- und Jugendpsychologen zu logischen und für die Kinder nachvollziehbaren Konsequenzen. Wurden Hausaufgaben oder Leistungskontrollen verschwiegen, kann man sich für ein paar Wochen das Hausaufgabenheft vorzeigen lassen. Wurde etwas zerstört, wird zur Reparatur ein Teil des Taschengeldes einbehalten. Wurde jemand anderes beleidigt, sollten Kinder sich bei dieser Person entschuldigen. So werden keine als ungerecht empfundenen Strafen verhängt und die Kinder wissen, dass sie sich im Zweifel vertrauensvoll an ihre Eltern wenden können. Gemeinsam findet sich eine Lösung und sie müssen nicht zur Lüge greifen.

Warum lügen?

In jedem Fall sollten Eltern nachvollziehen, warum Kinder lügen:

  • Ist es aus Angst vor einer übermäßigen Strafe? – Dann sollten Eltern über die Konsequenzen offen sprechen, um zu signalisieren, dass Kinder keine Angst haben brauchen. Es wird nichts Schlimmes geschehen.
  • Wollen sie sich ständig gegenüber Anderen profilieren? – Ein geringes Selbstwertgefühl kann die Ursache sein. Wenn man das Selbstvertrauen stärkt und sich auf die Stärken der Kinder stützt, gibt man ihnen ein gutes Gefühl. Die Prahlerei wird langfristig weniger. Wichtig ist, sie nicht in der Öffentlichkeit bloßzustellen.
  • Haben Kinder Angst vor der Überforderung in der Schule oder in der Familie? – Dann sollte der Freiraum vergrößert werden und die Anforderungen im Idealfall heruntergefahren werden.
  • Schämen sie sich für etwas und verheimlichen es deswegen? – Hier ist es wichtig, dass Eltern verständnisvoll reagieren und helfen, Ängste abzubauen.


Eigenes Verhalten reflektieren

Eltern sollten sich selbst beobachten. Kinder ahmen häufig ihre Eltern nach – auch beim Lügen. Wenn man versteht, wann man selbst zu einer „kleinen Notlüge“ greift, kann man beim Nachwuchs erkennen, ob er sich ähnlich verhält. Auch ein „Das erzählen wir dem Papa aber nicht“ kann Kindern signalisieren, dass es manchmal leichter ist, mit einer Lüge durchzukommen, als sich einer unangenehmen Situation zu stellen. Wenn Eltern und Kinder ihre Motivation gemeinsam reflektieren, wird das gegenseitige Vertrauen gestärkt und ein wichtiger Schritt in Richtung Ehrlichkeit getan.

Wann lügen Ihre Kinder? Wie reagieren Sie in so einer Situation? Schreiben Sie uns einen Kommentar.

Weitere spannende Artikel



Titelbild: © Maria Uspenskaya/shutterstock.com

Was Sie jetzt tun sollten ...

  1. Motivation beim Lernen ist der Schlüssel zum Lernerfolg Ihres Kindes. Holen Sie sich die Motivationstipps von Lehrer Giuliano in diesem Video.
  2. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und schauen Sie sich an, was sofatutor für Sie und Ihr Kind anbietet.
  3. Überzeugen Sie sich selbst und testen Sie sofatutor 30 Tage lang kostenlos.