Der gefährliche Wunsch nach Aufmerksamkeit

Seit Wochen ist der Streaming-Dienst YouNow Trend bei Kindern und Jungendlichen. Minderjährige senden Livevideos aus ihren Kinderzimmern und lassen sich von Fremden beobachten. Um Ruhm zu erlangen, verraten sie intimste Details.

Livestream aus dem Kinderzimmer

Die amerikanische Streaming-Plattform YouNow ermöglicht es jedem, sich im Internet per Video zu präsentieren – ob über PC oder Laptop mit Webcam oder Smartphone. Und: Das Ganze ist kinderleicht. Einfach per Facebook, Google oder Twitter anmelden und los geht’s. Die Regeln von YouNow geben zwar, wie bei Facebook auch, eine Altersbeschränkung von 13 Jahren vor, die Abfrage kann aber mit einem Klick umgangen werden. Wer nur zuschauen möchte, braucht sich nicht einmal anzumelden.

Schneller und einfacher als Youtube werden hier die Videos in Echtzeit übertragen, ob aus Kinderzimmern, der Schule oder von Partys. Drogen, Gewalt und nackte Haut verstoßen zwar gegen die Nutzungsbedingungen, doch die Kontrollen lassen auch hier zu wünschen übrig.

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Je mehr Zuschauer man hat, desto besser platziert man sich im direkten Ranking und steigert seinen Bekanntheitsgrad. Aufmerksamkeit und Ruhm kann hier schnell erworben werden. „Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?“. Gräbt man sich etwas tiefer in das Portal, wird einem schnell klar, dass das kein harmloser Streaming-Dienst ist.

Nährboden für Stalking, sexuelle Belästigung und Mobbing

Wildfremde fragen Minderjährige private Dinge, die z. T. leichtgläubig beantwortet werden oder entsprechende Taten folgen lassen, um so die Erwartungen der Zuschauer zu erfüllen. Anzüglichkeiten sind keine Seltenheit und auch Adressen werden preisgegeben. Viele junge Nutzer melden sich auch mit ihrem richtigen Namen an, damit sie schneller gefunden werden und mehr Zuschauer und Likes generieren können. Meldet man sich über Facebook an, sind weiteren Informationen Tür und Tor geöffnet.

Der Drang etwas Neues auszuprobieren, sich zu messen und herauszufinden, wie man ankommt, hat im digitalen Zeitalter völlig neue Dimensionen erlangt. Das Besondere was YouNow dabei auszeichnet, ist die Gleichzeitigkeit. Man filmt sich und simultan dazu wird das Video abgespielt. Gleichzeitig können über einen Chat an der Seite Kommentare und Likes vergeben werden.

Das Problem sind dabei insbesondere die Auswirkungen: In Zeiten, in denen Mobbing noch eine Erweiterung durch Cybermobbing erfährt, weiß man nie, welche Folgen solche Darstellungen haben können. Meint nur einer, sich darüber lustig machen zu müssen, verbreitet sich die Häme wie ein Lauffeuer.

Doch Kinder sind sich der Gefahren nicht bewusst. Sie schwimmen im Strom der Schnelllebigkeit mit, der ihnen ermöglicht, plötzlich im „Rampenlicht” zu stehen und die ersehnte Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie an ihren Youtube-Vorbildern so bewundern.

Was können Eltern tun?

Wichtig ist es, bei seinem Kind das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche gravierenden Folgen ein leichtfertiger Umgang mit Plattformen wie Younow haben kann. Internetverbot ist dabei keine Lösung, denn Verbote wirken bekanntlich noch anziehender.

Es gilt also, ruhig und sachlich über solche Phänomene aufzuklären. Machen Sie Ihrem Kind bewusst, wie wichtig es ist, im Internet seine Anonymität zu wahren. Einem Fremden auf der Straße würde es schließlich auch nicht erzählen, wo es wohnt oder wie die Handynummer lautet.

Reden Sie mit Ihrem Kind zusätzlich über das Thema Anerkennung und welche falschen Auswüchse diese Sehnsucht im Internet nehmen kann. Auch ist es wichtig, das Selbstvertrauen Ihres Kindes zu stärken: „Nein” sagen zu können und sich gegen falsche Freunde und Aufforderungen zu positionieren.

Verantwortung der Betreiber

Es ist Aufgabe der Betreiber, die Kontrollen und die Altersverifizierung zu verschärfen und mehr Moderatoren einzusetzen, die das Geschehen zum Schutz der Jugendlichen überwachen und entsprechend eingreifen können. Verpflichtet sind die Betreiber dazu jedoch nicht und können somit auch nicht für eventuelle Verstöße auf der Plattform belangt werden. Bei direkten Beschwerden muss jedoch von Seiten der YouNow-Betreiber eingegriffen werden.



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Titelbild: ©Bignai/shutterstock.com

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