Pubertät – ein Ratgeber für Eltern

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Zwischen Kindheit und Erwachsensein – die Pubertät ist sowohl für Jugendliche als auch für Mütter und Väter eine aufregende Phase. Mit unserem Pubertätsratgeber für Eltern sind Sie bestens auf diese Zeit vorbereitet.

„Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden.“ – zumindest aus Sicht der Jugendlichen. Teenager haben in dieser Zeit plötzlich chronisch schlechte Laune und Erwachsene werden kategorisch als „oberpeinlich“ abgestempelt. Dabei kann es Ihnen als Eltern helfen, zu verstehen, was im Körper Ihres Kindes vor sich geht und welches Verhalten das zur Folge hat.

Was ist die Pubertät?

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©MPH Photos/shutterstock.com

Wissenschaftlich betrachtet ist die Pubertät eine natürliche Entwicklungsphase, die Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 21 Jahren durchleben. Sie ist Teil der sogenannten Adoleszenz, der Phase zwischen Kindheit und Erwachsensein. Der Name „Pubertät“ leitet sich vom lateinischen Begriff pubertas ab, was „Geschlechtsreife“ bedeutet. Die Geschlechtsreifung ist wesentlicher Teil der Pubertät und beinhaltet einige körperliche Veränderungen, wie allgemeines Wachstum, die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale sowie zunehmende geschlechterspezifische Körperbehaarung. Während der Pubertät nabeln sich Jugendliche zunehmend von ihren Eltern ab und entwickeln eigene Wertevorstellungen und Ziele. Das ist meist ein Prozess, der von Konflikten geprägt ist. Gleichzeitig werden aus Kindern im Lauf der Pubertät selbstständige Erwachsene, die ihren eigenen Weg gehen.

Wie verläuft die Pubertät?

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©Sammie Vasquez/unsplash.com

Bei Mädchen beginnt die Pubertät meist zwischen dem achten und 14. Lebensjahr, bei Jungen zwischen dem zehnten und 16. Lebensjahr. Doch es ist schwer, Pauschalisierungen zu treffen. Auch ist die Dauer von drei bis vier Jahren nur eine Orientierung und nicht zu verallgemeinern, da sich die Pubertät bei jedem Jugendlichen unterschiedlich ausprägt. Dennoch kann jener Zeitraum grob in drei Phasen eingeteilt werden:

Die Vorpubertät

Meist gegen Ende der Grundschulzeit beginnt die Vorpubertät. Sie dauert ca. ein bis drei Jahre. In dieser Zeit werden vermehrt Sexualhormone produziert und die Körper- und Schambehaarung beginnt sich zu entwickeln. Damit einhergeht ein verstärktes Schamgefühl, die Jugendlichen schließen z. B. vermehrt die Badezimmertür ab. Außerdem wollen die Heranwachsenden immer mehr selbst entscheiden und bestimmen. Sie hinterfragen zunehmend familiäre Regeln, die bisher als unumstößlich galten. Auch verhaltenstechnisch kann man als Elternteil Veränderungen wahrnehmen: Die Jugendlichen ziehen sich entweder zurück oder reagieren unerwartet gereizt und zornig.

Die Hochphase der Pubertät

Zwischen dem zwölften und 16. Lebensjahr findet die Hochphase der Pubertät statt. In der Zeit verändert sich der jugendliche Körper rasant und auch die psychische und sexuelle Entwicklung beschleunigt sich. Die ersten sexuellen Erfahrungen (Küssen, Petting oder Geschlechtsverkehr) werden gemacht und auch die erste richtige Verliebtheit findet meist in dieser Phase statt. Mit der zunehmenden Abgrenzung von den Eltern geht auch eine große Unsicherheit einher. Die Jugendlichen sind sehr verletzlich und haben mit Selbstwertproblemen zu kämpfen. Eigene Wege zu gehen, ist nicht leicht. Daher probieren viele Mädchen und Jungen in der Pubertät bekannte Rollenmuster aus, wie Machogehabe, sich Schminken oder Alkoholkonsum. Konsequenzen ihrer Handlungen können die Jugendlichen noch nicht gut einschätzen.

Die spätpubertäre Phase

Die Pubertät endet mit der spätpubertären Phase, die ungefähr ab dem 16. Lebensjahr beginnt. Hier kehrt nun endlich die „Ruhe nach dem Sturm“ ein. Die Jugendlichen werden zunehmend ausgeglichener und entwickeln ein neues Identitäts- und Selbstwertgefühl. Außerdem beschäftigen sie sich immer mehr mit ihrer Zukunft und werden selbstständiger.

Körperliche Veränderungen in der Pubertät

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© Primorac91/shutterstock.com

Jugendliche erleben in der Pubertät einige körperliche Veränderungen, die durch Hormone im Körper, vor allem durch Östrogen (das weibliche Hormon) und Testosteron (das männliche Hormon), gesteuert werden. Sie geben dem Körper das Zeichen, sich zu verändern:

Wachstum

In der Pubertät werden die Knochen länger, wodurch Jungen und Mädchen einen enormen Wachstumsschub erfahren. Bis zu neun Zentimeter können Jugendliche innerhalb eines Jahres in die Höhe schießen. Das ist für den Körper, vor allem für die Haut, eine ganz schöne Belastung. Es kann zu Dehnungsstreifen, vor allem im Bereich des Rückens und des Bauches kommen. Außerdem klagen viele Teenager in der Pubertät über Schwindel, welcher ebenfalls auf den schnellen Wachstumsschub zurückzuführen ist.

Gewicht

Jugendliche nehmen in der Pubertät meist an Gewicht zu. Das liegt daran, dass die Knochen schwerer werden und sich eine Extraschicht Fett bildet, die das schnelle Wachstum des Körpers unterstützt.

Schwitzen

In der Pubertät wird die Schweißproduktion angekurbelt. Das liegt daran, dass die apokrinen Schweißdrüsen mit der Pubertät aktiviert werden. Diese sondern eine proteinreiche Substanz ab, die an der Hautoberfläche von Bakterien verarbeitet wird. Dadurch entsteht der Körpergeruch. Hier ist es wichtig, dass Jugendliche lernen, ihre Körperhygiene an die neuen Bedingungen anzupassen. Alternativ kann es zu einem unangenehmen Körpergeruch kommen, der Eltern beim Betreten des Teenager-Zimmers bereits in die Nase fährt. Pubertierende Jugendliche scheinen den Geruch nicht so intensiv wahrzunehmen. Daher sollten Sie das Thema möglichst diplomatisch ansprechen.

Pickel

Viele Jungen und Mädchen bekommen in der Pubertät eine unreine Haut mit Pickeln. Die Haut produziert durch das hormonelle Ungleichgewicht eine ölige Substanz, den sogenannten Talg. Der verstopft die Poren und kann in Kombination mit abgestorbenen Hautzellen Pickel bilden.

Behaarung

Die Körperbehaarung nimmt in der Pubertät zu. Speziell Schamhaare, Achselhaare und der Bartwuchs bei Jungen entwickeln sich. Außerdem werden die Haare dunkler und die Haarstruktur dicker.

Geschlechtsorgane

Außerdem entwickeln sich die spezifischen Geschlechtsorgane weiter. Eingeleitet wird das Ganze durch die Aktivierung der Östrogen- bzw. Testosteronproduktion in den Eierstöcken bzw. Hoden. Das bedeutet auch, dass bei Mädchen die Eizellen reifen und sie das erste Mal die Periode bekommen. Bei den Jungen reifen die Samenzellen. Lesen Sie mehr zur spezifischen Entwicklung von Mädchen und Jungen in der Pubertät.

Stimmbruch

Sowohl Mädchen als auch Jungen kommen in der Pubertät in den Stimmbruch. Angetrieben wird diese Veränderung durch das Hormon Testosteron. Es bewirkt, dass sich die Stimmlippen vergrößern. Dadurch wird die Stimme deutlich tiefer. Im weiblichen Körper kommt dies weniger häufig vor, als im männlichen. Daher ist auch der Stimmbruch bei Jungen ausgeprägter als bei Mädchen. Der Stimmbruch findet meist zwischen dem elften und 15. Lebensjahr statt und dauert ca. ein halbes Jahr.

Hormonparty im Hypothalamus – das passiert während der Pubertät im Gehirn

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© Aziz Acharki/unsplash.com

In der Pubertät erfährt das jugendliche Gehirn eine große Umstrukturierung. Das kann man sich wie eine Art Großbaustelle vorstellen, bei der Konstruktionen abgerissen und neue aufgebaut werden. Deshalb funktioniert alles nicht mehr so wie gewohnt: Wo sonst Handlungen geplant, Emotionen kontrolliert und Folgen kalkuliert werden, herrscht in der Pubertät ein Rauschzustand und Kontrollverluste sind keine Seltenheit. So haben Jugendliche es häufig schwer, ihre Impulse oder Gefühle zu kontrollieren. Hier erklären wir Ihnen, was im Gehirn von pubertierenden Jugendlichen biologisch vor sich geht:

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Zentrale an Körper

Der ganze Prozess beginnt im Hypothalamus, einer wichtigen Steuerzentrale im Zwischenhirn. Diese kleine Drüse stellt den Hauptschalter zum Start der Pubertät dar. Dort wird der Botenstoff Gonadoliberin gebildet, der zu Beginn der Pubertät stoßweise freigesetzt wird. Er sendet die Signale was, wann und wo passiert und aktiviert weitere Hormone, die alle möglichen Prozesse im Körper in Gang setzen.

Gefühlsachterbahn

Für die Entstehung von Emotionen sind die Neuronen im Bereich der Mandelkerne zuständig. Diese sind während der Pubertät überaktiv. Das führt dazu, dass Stimmungsschwankungen und extreme Emotionen bei pubertierenden Jugendlichen an der Tagesordnung sind.

Adrenalinjunkies

Der unreife Botenstoff Dopamin gibt die Antwort auf die Frage, warum manche Jugendliche das Risiko so herausfordern: Bei der Umstrukturierung gehen im Gehirn vorübergehend ca. 30 Prozent der Rezeptoren für den Glücksbotenstoff Dopamin verloren. Das hat zur Folge, dass alles, was bisher aufregend war, plötzlich langweilig ist. Deshalb werden Jugendliche in der Pubertät zu kleinen Adrenalinjunkies, um dieselben Glücksgefühle wie früher erzeugen zu können. Das erklärt die zunehmende Risikobereitschaft, die eigentlich dazu dient, die Jugendlichen bei ihrem Abgrenzungsprozess von den Eltern zu unterstützen.

Voll ungeschickt!

„Hoppla!“ – Durch den enormen Wachstumsschub, den Jugendliche in der Pubertät erfahren, hat das Gehirn Schwierigkeiten, mit der Koordination hinterherzukommen. Es muss erst lernen, mit den längeren Armen und Beinen umzugehen. Das führt dazu, dass pubertierende Jugendliche ziemlich ungeschickt sind, Sachen umstoßen, stolpern oder irgendwo gegen laufen.

Morgens immer müde

Mit Beginn der Pubertät wird im Gehirn das Hormon Melatonin, ein physiologischer Müdemacher, täglich zwei Stunden später ausgeschüttet, sodass sich der Tagesrhythmus nach hinten verschiebt. Deshalb wollen Jugendliche länger aufbleiben und kommen unter der Woche schwer aus dem Bett. Denn neun Stunden Schlaf sind eigentlich ein Muss für den jugendlichen Körper. Schulzeiten sind daher leider so gar nicht mit dem neuen Schlafrhythmus zu vereinbaren.

Wenn das Frontalhirn Spaß an Kontrollverlusten bekommt

Das Teenagergehirn unterliegt einer wahnsinnigen Sanierung und Umstrukturierung. Und dass so viel Chaos in den Köpfen Pubertierender herrscht, ist vielleicht eine kleine Entschuldigung für so manchen Fehltritt. Schließlich können sie nichts dafür, wenn ihr Belohnungssystem auf Entzug gesetzt wird, ihr Hypothalamus ständig Hormonpartys feiern will und das Frontalhirn Spaß an Kontrollverlusten hat.

Steckt mein Kind in der Hochphase der Pubertät?

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©Andre Hunter/unsplash.com

Wie sehr bestimmte Prozesse und Hormonausschüttungen im Gehirn die Stimmungslage der Jugendlichen beeinflussen, haben Sie im vorherigen Abschnitt erfahren. Als Orientierung für Sie haben wir hier noch einmal die klassischen Verhaltensweisen von pubertierenden Jugendlichen in der Hochphase der Pubertät zusammengefasst:

  • starke Stimmungsschwankungen
  • Wutausbrüche
  • Risikobereitschaft ohne über Konsequenzen nachzudenken
  • Eltern werden zunehmend peinlich
  • Ungeschicktes Verhalten
  • Gleichaltrige werden als Vertraute immer wichtiger
  • Rückzug von familiären Aktivitäten
  • viel Zeit wird im Zimmer mit verschlossener Tür verbracht
  • zunehmendes Schamgefühl
  • geringes Selbstbewusstsein
  • erhöhte und vor allem kritische Wahrnehmung des eigenen Körpers und Aussehens
  • Nachdenken über Identität und Persönlichkeit
  • Streitlust (vor allem mit den Eltern)
  • Werte werden über Bord geworfen und eigene Ansichten entwickelt

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Was ist noch normal? – Probleme in der Pubertät

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© polya_olya /shutterstock.com

Und trotzdem stellt man sich als Eltern häufig die Frage: „Ist es noch normal, wie sich mein Kind verhält?“ Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Denn was ist schon „normal“? Ob Ihr Kind Unterstützung oder professionelle Hilfe braucht, können Sie am besten entscheiden. Manche Jugendlichen haben zwar ihre Launen, kommen aber ansonsten gut zurecht. Andere sind eher still, aber in ihrem Innern tobt ein Kampf der Gefühle. Bei diesen Anzeichen sollten Sie als Eltern dringend das Gespräch mit dem Kind suchen oder sich professionelle Hilfe suchen:

  • Schwänzt Ihr Kind die Schule oder will sie sogar ganz abbrechen?
  • Hat Ihr Kind eine Essstörung, isst also kaum/ sehr viel oder geht nach dem Essen immer zur Toilette?
  • Zeigt Ihr Kind Suchtverhalten oder gibt es Anzeichen eines Alkohol- und Drogenmissbrauchs?
  • Zieht Ihr Kind sich von Freundinnen und Freunden zurück und isoliert sich?
  • Ist Ihr Kind schon mal von zu Hause weggelaufen?
  • Hat sich Ihr Kind bereits selbst verletzt?
  • Zeigt Ihr Kind kriminelles Verhalten? Wurde es schon einmal beim Klauen erwischt oder hat das Eigentum anderer zerstört?
  • Hat Ihr Kind plötzlich so schlechte Noten, dass die Versetzung gefährdet ist?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind eine depressive Phase durchlebt?

Professionelle Hilfe

Oft ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen und sich den Rat Ihrer Hausärztin oder Ihres Hausarztes, einer Kinder- und Jugendärztin oder eines -arztes oder Hilfe bei einer Familienberatungsstelle zu holen. Sollten die zu dem Ergebnis kommen, dass Ihr Kind keine altersuntypischen Auffälligkeiten zeigt, können Sie ganz beruhigt sein.

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Pubertät und Schule – wie motiviert man Jugendliche zum Lernen?

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©Dejan Dundjerski/shutterstock.com

Mit der Pubertät sinkt bei allen Schülerinnen und Schülern das Bestreben, gute Leistungen in der Schule zu bringen und die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Das wurde Ende 2017 in einer Studie des Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation wissenschaftlich bewiesen. Jungs sind davon stärker betroffen als Mädchen, ermittelte die Studie außerdem.

Neben den ganzen neuen Interessen, den veränderten Partnerschaften, Freundschaften und dem sozialen Gefüge bleibt meistens wenig Zeit für die Schule und das Lernen am Nachmittag. Dabei ist die Mittelstufe besonders wichtig, da hier die Grundlagen für einen guten Schulabschluss gelegt werden. Hier ein paar Tipps, wie Teenagereltern Anreize zum Lernen geben können:

Interessen und Stärken fördern

Leider neigt man dazu, die Schwächen und negativen Seiten des Lernens zu sehen. Das, was nicht so gut klappt. Um jedoch den Spaß und das Selbstbewusstsein beim Lernen zu steigern, sollten Sie die Stärken und Talente Ihres Kindes fördern. Durch eine positive Haltung beim Lernen bleibt das erworbene Wissen besser im Gedächtnis hängen.

Neben den Schulaufgaben könnte Ihr Kind sich also Beschäftigungen suchen, in denen es sich ausprobieren will, z. B. einen Workshop zum Roboterbauen oder eine eigene Band. Das baut Stress ab und Ihr Kind merkt, selbst wenn es in der Schule mal eine schlechte Note bekommt, dass es einige Dinge besonders gut kann. Das stärkt das Selbstvertrauen. Das ist für eine gute Lernmotivation wichtig.

Ein Praktikum kann helfen

Häufig hören Sie von Ihrem Kind die Aussage, dass Schule doch sowieso nichts bringe und man das Gelernte eh nie wieder brauchen würde. Um Ihrem Kind einen Grund zu geben, sich in der Schule anzustrengen, können Sie ihm oder ihr ein Praktikum ermöglichen. So findet Ihr Kind heraus, wo die eigenen Ziele im Leben liegen, welche Wege es dorthin gibt und was man dafür braucht. Im Praktikum lernt es außerdem, wie es Probleme im Alltag dank des Schulwissens lösen kann.

Hilfe zur Selbsthilfe

Damit Ihr Kind aus eigenem Antrieb heraus lernt, sollte es merken, dass es überhaupt eigenständig lernen kann. Es ist selbst dafür verantwortlich, ob es in der Schule erfolgreich ist oder nicht. Deshalb sollten Sie Ihrem Kind den Freiraum geben, Fehler zu machen. Selbst wenn es mal eine schlechte Note kassiert, geht die Welt nicht unter. Ihr Kind lernt, sein Verhalten zu reflektieren und im besten Fall, sich beim nächsten Mal besser auf eine Prüfung vorzubereiten. Als Eltern sollten Sie nur unterstützend handeln und es vermeiden, Ihrem Kind die Arbeit abnehmen zu wollen – auch wenn es schwerfällt.

Veränderungen akzeptieren

Ihr Kind schläft in der Pubertät länger als Sie. Es benötigt viel mehr Ruhe und kann Stunden damit verbringen, nichts zu tun. Da das Gehirn und der gesamte Körper in dieser Zeit wachsen und sich neu ausrichten, wird viel Energie für diese Veränderungen benötigt. So können Jugendliche sich z. B. schlechter entscheiden, planen oder organisieren. Um Ihrem Kind eine Orientierung zu bieten, sollten Sie also Ihre Leistungserwartungen klar kommunizieren. Dennoch sollten Sie sich nicht dazu hinreißen lassen, Ihrem Kind die Planung des Lernstoffs abzunehmen. Die zunehmende Selbstständigkeit im Teenageralter ist wichtig, damit das Selbstbewusstsein Ihres Kindes im Erwachsenenalter gesund ausgeprägt ist.

Lernanreize anbieten

Mit der bisherigen Lernmethode klappt es bei Ihrem Kind nicht mehr so richtig? Geben Sie Ihrem Kind neue Werkzeuge und Lerntechniken an die Hand, mit denen es besser arbeiten kann. Das können Podcasts, Lernvideos, Online-Übungen oder Apps sein. Außerdem kann es verschiedene Lerntechniken ausprobieren, die helfen, den Lernprozess zu strukturieren und für Klarheit sorgen. Es gibt nicht den einen richtigen Lernweg.

Schule schwänzen – was tun?

In der Pubertät testen Jugendliche ihre Grenzen aus – das beinhaltet auch, dem Unterricht fernzubleiben, um zu erfahren, was für Konsequenzen das hat. Aber nicht nur jugendliche Rebellion ist ein Grund fürs Schule schwänzen. Auch Leistungsdruck, Stress mit Gleichaltrigen, Mobbing, Depression oder familiäre Probleme können den Schulalltag zur Tortur werden lassen. Meist werden dann Entschuldigungen erfunden, wie Kopf- oder Bauchschmerzen, nur um nicht zur Schule gehen zu müssen. Dann ist es an Ihnen als Eltern, aufmerksam zu sein und den eigentlichen Grund für das Fehlen herauszufinden. Erfahren Sie mehr zum Thema Schule schwänzen – was tun, wenn mein Kind dem Unterricht fernbleibt?

Was sollten Eltern beachten, wenn das Kind in die Pubertät ist?

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© Rawpixel.com/shutterstock.com

Konflikte sind gut für die Ablösung

Was Sie nach einem der unzähligen Streits mit ihrem pubertierenden Kind sicher nicht direkt trösten, aber vielleicht doch beruhigen wird: Laut Familientherapeutin Bettina Brockmann ist es okay, dass Jugendliche ihre Eltern in der Pubertät furchtbar finden. Nur so könne eine Abgrenzung gelingen, die letztlich dazu führe, dass das Kind selbstständig werde. Konflikte seien gut für die Ablösung, so Brockmann, und bedeuten nicht, dass Sie Ihr Kind nicht mehr liebhat. Es ist (leider) ein natürlicher Entwicklungsprozess, den alle Menschen auf dem Weg zum Erwachsensein durchleben.

Ihre Werte gehen nicht verloren

Viele Eltern hadern mit sich, wenn ihre Kinder in der Pubertät alle Werte und Vorstellungen, die ihnen beigebracht wurden, komplett über Bord werfen. Auch hier sind Bettina Brockmanns Einschätzungen beruhigend: Die Werte, die Eltern ihren Kindern vermittelt haben, gehen keineswegs verloren. Jugendliche hinterfragen und kritisieren gern die Regeln und Ansichten, die sie aus ihrer Kindheit kennen. Und doch ist Ihre Erziehung nicht umsonst gewesen: Eltern seien weiterhin Vorbilder für ihre Kinder, auch wenn diese es niemals zugeben würden, so Brockmann.

Auch Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Eva-Maria Schevel hat zehn Ratschläge, was Eltern von pubertierenden Jugendlichen tun bzw. lassen sollten:

  1. Nehmen Sie Ihre Kinder ernst. Sie fühlen es gerade genau so, wie sie es Ihnen zeigen. Auch wenn Ihnen ihre Gründe lächerlich vorkommen, für sie ist es gerade wichtig. Hören Sie Ihnen zu!
  2. Stellen Sie sich den Konflikten, setzen Sie sich mit Ihrem Kind auseinander. Machen Sie sich klar, dass Sie das Übungsfeld für Ihr Kind sind, um sich auseinanderzusetzen und eine eigene Identität und Sichtweise zu entwickeln. Und Sie sind das Übungsfeld, weil Ihr Kind Ihnen vertraut und sich deshalb diese Konflikte „leisten kann“ bzw. sich traut, diese Konflikte auszutragen.
  3. Bleiben Sie (möglichst von Anfang an) im Kontakt mit Ihrem Kind, das heißt, bieten Sie immer wieder Kontakt an und seien Sie interessiert. Drängen Sie sich nicht auf, aber stehen Sie zur Verfügung. Ihr Kind soll wissen, dass Sie da sind. Es müssen nicht immer Gespräche sein, auch gemeinsame Aktivitäten sind wichtig.
  4. Seien sie nicht grenzüberschreitend: Ihr Kind hat ein Recht auf seine eigene Meinung (die in dieser Phase fast schon zwangsläufig immer wieder mit Ihrer kollidieren wird) und auf seine Privatsphäre.
  5. Kontrollieren Sie Ihr Kind so wenig wie möglich, geben Sie einen Vertrauensvorschuss und trauen Sie Ihrem Kind etwas zu.
  6. Leben Sie das vor, was Ihnen wichtig ist.
  7. Verhandeln Sie zeitlich begrenzte, faire Regeln und Lösungen und halten Sie sie ein. Seien sie konsequent.
  8. Ihr Kind braucht jetzt viel Zeit für sich und mit Freundinnen und Freunden. Arrangieren Sie sich damit!
  9. Ungebetene Kommentare (zum Beispiel zum Outfit/der Frisur) und unerwünschte Ratschläge sollten Sie sich möglichst verkneifen.
  10. Bleiben Sie offen für Ihr Kind und versuchen Sie, verbale Spitzfindigkeiten nicht persönlich zu nehmen.

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Deko für Jugendzimmer – Inspiration und Einrichtungstipps

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© Alena Ozerova/shutterstock.com

In der Pubertät entwickeln Jugendliche häufig einen ganz anderen Geschmack. Das betrifft meist auch das eigene Zimmer. Daher sollten Sie als Eltern offen dafür sein, das einstige Kinderzimmer zusammen mit Ihrem Kind in ein Jugendzimmer zu verwandeln. Diese Einrichtungstipps für Jugendzimmer können Ihnen dabei als Inspiration dienen:

Titelbild: ©Daniil Kuželev/unsplash.com