Berufe: Wie wird man … Schriftsteller? Ein Interview mit Stefan Bachmann

Mit 16 Jahren schrieb Stefan Bachmann den Fantasyroman The Peculiar (Die Seltsamen), der ihn in Amerika zum Bestsellerautor machte. Auch in Deutschland sind seine Romane beliebt. Wir haben den erfolgreichen Nachwuchsautor gefragt, wie man Schriftsteller wird.

Du warst erst 16 Jahre alt, als du Die Seltsamen geschrieben hast. Wie hast du mit dem Buch begonnen? Hast du dich einfach hingesetzt und gesagt „So, ich schreibe jetzt ein Buch!”?

Stefan Bachmann: „Es war schon ein langfristigeres Ziel von mir, ein Buch zu schreiben und es in den Buchhandlungen sehen zu können. Ich wuchs umgeben von vielen Büchern auf, und lesen war immer sehr wichtig in unserem Haus. Es war also nicht wirklich ein Sprung ins kalte Wasser, ein Buch anzufangen. Die Seltsamen war auch nicht mein erstes Buchprojekt, sondern vielleicht das dritte oder vierte.”

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Wie haben deine Freunde und deine Familie reagiert, als du ihnen das erste Mal von deinen Ambitionen erzählt hast? Und wie gehen sie und wie gehst du heute mit deinem Erfolg um?

Stefan Bachmann: „Es hat am Anfang keinen großen Eindruck gemacht. Musste es auch nicht, denn niemand wusste, ob etwas aus meiner Schreiberei werden würde.
Ansonsten versuche ich nicht über Erfolg nachzudenken, zumindest nicht über das, was traditionell als Erfolg bezeichnet wird. Am Anfang dachte ich, dass man Erfolg hat, wenn man gutes Geld verdient und zu Talkshows eingeladen wird, aber jetzt, wo mir beides widerfahren ist, muss ich sagen, dass das nicht so ist. Ob man ein erfolgreicher, glücklicher Mensch ist, hängt von einem selbst ab und nicht von dem, was man materiell erreicht hat. Man kann arm und unbekannt und gleichzeitig erfolgreich sein. Ich denke, die Werte heutzutage sind ein bisschen komisch.”

Wie lange hast du für das erste Manuskript gebraucht und wie sah der weitere Weg bis zum fertigen Buch aus?

Nachwuchsautor Stefan Bachman

Stefan Bachmann © Gerry Nitsch

Stefan Bachmann: „Für die erste Fassung von Die Seltsamen brauchte ich etwa sechs Monate, dann weitere sechs Monate, um es aufzupolieren und es an Literaturagenten zu senden. Und am Ende noch ein paar Monate, in denen ich mit den Notizen der Lektorin an dem Buch gearbeitet habe.”

Wie erklärst du dir, dass du etwas in jungen Jahren geschafft hast, was so viele Menschen versuchen, aber ihr ganzes Leben nicht erreichen?

Stefan Bachmann: „Ich weiß es nicht genau. Ich habe einfach das geschrieben, was ich selber gerne lesen wollte, über Themen, die mich interessierten und nahe am Herzen waren. Und ich hatte Glück. Aber ich musste auch recht lange und fokussiert arbeiten, bis ich dieses Glück bekommen habe.”


Du wurdest zu Hause von deiner Mutter unterrichtet. Glaubst du, dass dieser Unterricht ein wichtiger Beitrag zu deinem jetzigen Erfolg war?

Stefan Bachmann: „Er hat sicher sehr viel zu meiner Persönlichkeit und Arbeitsethik beigetragen, ja. Als Homeschooler muss man sich nicht anpassen, nicht jedem Trend folgen, und sich auch nicht so extrem um das kümmern, was Gleichaltrige von einem halten. Sondern man kann das machen, was einem wichtig ist. Ich denke, diese Dinge lernt man in der Schule oft nicht.”

Woher nimmst du deine Ideen? Gibt es besondere Situationen, z. B. einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Zeit, in der die Ideen nur so aus dir heraussprudeln?

Stefan Bachmann: „Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Kindheitserinnerungen, Büchern und Filmen, die ich irgendwann mal gesehen, erfahren und die im Kopf geblieben sind, aber auch Dingen, die ich gerade erlebe. Ich schreibe am besten am Abend nach der Schule.”

Wie entwickelst du deine Figuren? Ähneln sie Menschen in deiner Umgebung? Oder steckt auch etwas von dir selbst in jeder Figur?

Stefan Bachmann: „Sie sind ein bisschen ein Mix aus Menschen, die ich kenne oder denen ich mal begegnet bin, und aus mir selbst. Ich glaube, man kann nicht gut über Charaktere schreiben, mit denen man rein gar nichts gemeinsam hat.”

Hast du literarische Vorbilder?

Stefan Bachmann: „Nicht wirklich Vorbilder, aber Autoren, die ich toll finde und die Großes geleistet haben. JRR Tolkien zum Beispiel, oder Emily Bronte.”

Was würdest du Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben, die mit dem Gedanken spielen, Schriftsteller oder Schriftstellerin zu werden?

Stefan Bachmann: „Egal, was du sein möchtest, finde heraus, was dich interessiert, was du spannend findest, was dich inspiriert, und finde dann einen Weg, es zu tun. Und warte nicht, bis du älter bist. Da wird es nicht einfacher.”

In Deutschland sind von dir bereits Die Seltsamen und jüngst die Fortsetzung Die Wedernoch erschienen. Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen?

Stefan Bachmann: „Mein nächstes Buch kommt Anfang 2016 in den USA heraus. Ich weiß nicht, wann die Übersetzung vorliegt, aber das ist immer noch recht weit weg. Es wird aber ganz anders sein als Die Seltsamen, und hängt nicht damit zusammen.”

Damit wünschen wir dir viel Erfolg!



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Auf der nächsten Seite stellen wir dir die Bücher von Stefan Bachmann vor.

Die Seltsamen

von Stefan Bachmann

Die Seltsamen von Stefan Bachmann

© Diogenes Verlag

„Hübsch war sie wirklich, die vornehme Dame, aber sie hatte etwas Merkwürdiges an sich. Etwas Düsteres und Unberechenbares.” Und diese Dame taucht plötzlich einfach in ein pflaumenfarbendes Kleid gehüllt im Elendsviertel der Feenwesen der englischen Stadt Bath auf. Der 13-jährige Bartholomew Kettle beobachtet diese merkwürdige Frau heimlich. Vielleicht hat sie etwas mit dem mysteriösen Verschwinden der Mischlingskinder zu tun!? Auch Barthy ist so ein verachteter Mischling. Er ist halb Mensch und halb Feenwesen und hässlich noch dazu, findet er. Er ist ein Seltsamer. Dabei wäre er so gerne ein ganz normaler Junge. Als Barthy dann bemerkt, wie diese vornehme Dame mit einem weiteren Mischlingsjungen verschwindet, wird er auf seinem Beobachtungsposten entdeckt: In diesem Augenblick wird ihm klar, dass er der Nächste sein wird. Und dann verschwindet seine kleine Schwester Hettie. Er macht sich auf die gefährliche Suche, um sie zurück nach Hause zu holen. Zu seinem Glück begegnet er dabei einem Freund.

Mit seinem geradlinigen aber auch atmosphärischen Erzählstil und seiner klaren, flüssigen Sprache erschafft Stefan Bachmann eine düstere Welt voller ungewöhnlicher Wesen und fremder Orte. Die spannungsgeladene Geschichte sprudelt nur so vor Ideen und gekonnt kreativ vereint Bachmann Streampunk- und Fantasyelemente in ihr.

Roman. Aus dem Englischen von Hannes Riffel.
Diogenes Verlag, Zürich 2014.
Format: 368 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-257-06888-7
[D] 16,90 € / [A] 17,40 €

Die Wedernoch

von Stefan Bachmann

Die Wedernoch von Stefan Bachmann

© Diogenes Verlag

Seit der Straßenjunge Pikey ein umwölktes Auge besitzt, was ihm eine Fee nachts für sein richtiges Auge eingesetzt hat, kann er in eine andere Welt blicken, in die Welt der Feenwesen. Durch das seltsame Auge sieht er zeitweise auch Bartholomews Schwester Hettie, die sich durch eine beängstigende und grausame Welt kämpfen muss, in der nichts ist, wie es scheint. Bartholomew hofft mit der Hilfe von Pikey endlich seine Schwester zurück nach Hause holen zu können, was er schon seit sehr langer Zeit versucht. Er befreit zusammen mit Mr. Jelliby den Straßenjungen aus seinem Gefängnis, um sich mit diesem ins Feenland zu bewegen. Doch stattdessen geraten sie in einen schrecklichen Krieg zwischen Feen und Menschen.

Auch in diesem Roman gelingt es Stefan Bachmann mit einer unaufgeregten und ruhigen Sprache, gewaltige aber auch gewaltsame und furchteinflößende Bilder zu erzeugen. Der Ideenreichtum des Autors scheint kein Ende zu nehmen: Wie im ersten Buch trifft der Leser auf merkwürdige Ort, fremde Wesen und überraschende Situationen, die in keinem Moment vorhersehbar waren.

Roman. Aus dem Englischen von Hannes Riffel.
Diogenes Verlag, Zürich 2014.
Format: 416 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-257-06906-8
[D] 16,90 € / [A] 17,40 €

Titelbild: © ollyy/shutterstock.com

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