Berufe: Wie wird man … Bühnenbildner?

Hänsel und Gretel haben schon sein Zuckerhäuschen gefunden und Popeye in seiner bunten Welt Spinat vertilgt. Andreas Becker ist Bühnenbildner. Was die Aufgaben eines Bühnenbildners sind und wie die Ausbildung aussieht, hat er uns in einem Interview erzählt.

Herr Becker, Sie üben den Beruf des Bühnenbildners aus. Was genau macht ein Bühnenbildner?

Andreas Becker: „Der Beruf des Bühnenbildners wird oft auch als Ausstatter (wenn er in Kombination mit dem Entwerfen des Kostümbilds ausgeübt wird) oder als Setdesigner bezeichnet. Alle drei Begriffe umschreiben im Prinzip ein identisches Aufgabengebiet, nämlich die visuelle Gestaltung einer Produktion im Theater oder im Film. Alles, was man bei einer Theateraufführung auf der Bühne sehen kann, wurde vom Bühnenbildner erdacht und entworfen. Jedes noch so kleine Detail legt er dabei fest. Nicht nur die Architektur eines Bühnenbildes gehört zu einem solchen Entwurf, sondern auch das Aussehen aller benötigten Requisiten oder das spätere Lichtdesign.”

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Und welche Aufgaben fallen für Sie von der Idee bis zum fertigen Bühnenbild an?


Wie wird man Bühnenbildner?
Macbeth in der Oper Stuttgart © A. Becker

Andreas Becker: „Von der ersten Idee, die man beim gründlichen Lesen des Theaterstücks und der Beschäftigung mit dem Inhalt hervorbringt, bis zum fertigen Bühnenbild ist es ein langer Weg. Für jede Produktion werden zahlreiche Entwürfe gezeichnet, die mit dem kreativen Team einer Theaterproduktion besprochen werden. Zu diesem Team zählen unter anderem der Regisseur und der Dramaturg.
Wenn man sich auf einen Entwurf geeinigt hat, beginnt die Aufgabe, dass man ein Modell in zwanzigfacher Verkleinerung des Bühnebildes bauen muss, damit Optik, Machbarkeit und Größenverhältnisse überprüft werden können. Über präzise Architekturpläne mit Maßangaben, die ein Bühnenbildner von der gesamten Bühnenbildidee erstellen muss, detaillierten Besprechungen mit den Werkstätten eines Theaters, die dann das Bühnenbild bauen, bis hin zur Probenphase begleitet man den Entstehungsprozess und leitet die exakte Umsetzung der Idee bis hin zur ersten Aufführung an.”

Wie verläuft die Ausbildung zum Bühnenbildner?
Andreas Becker: „Im Regelfall studiert man an einer Akademie. In Deutschland gibt es nur eine handvoll Akademien, an denen man diesen Studiengang wählen kann. Dazu zählen z. B. die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die Kunstakademie in München oder die Universität der Künste in Berlin oder Dresden.
Nach einer Studienzeit von fünf Jahren und dem Diplom- bzw. Magisterabschluss beginnt man erst einmal als Assistent an einem Theater zu arbeiten. Dort lernt man die Theorie aus dem Studium mit der Praxis im Theateralltag zu verknüpfen. Hilfreich dabei ist, dass man mit bereits erfahrenen Bühnenbildnern zusammenarbeiten darf und Kontakte zu Regisseuren und Dramaturgen knüpft. Diese Kontakte helfen später im Berufsalltag als selbständiger Bühnenbildner Fuß zu fassen.”

In welchen Schulfächern muss man besonders gut sein, damit man Ihren Beruf ergreifen kann?


Wie wird man Bühnenbildner?

Der Name der Rose Theater Naumburg © A. Becker

Andreas Becker: „Der Beruf des Bühnenbildners ist relativ komplex, sodass man im Prinzip von jedem Unterrichtsfach etwas gebrauchen kann. Da man als Ausstatter in großen Teilen die Arbeit eines Architekten ausübt, sind mathematische Kenntnisse ziemlich brauchbar. Geht es an das Design von Licht, Handhabung von Technik wie Nebelmaschinen und Drehbühnen hat man es einfacher, wenn man in physikalischen Dingen bewandert ist. Dagegen helfen in der Auseinandersetzung mit Theaterstücken und theatergeschichtlichen Hintergründen Grundlagen, die man in erster Linie im Deutschunterricht erlernt. Und da im Theater meist alle möglichen Nationen und Nationalitäten vertreten sind, ist Englisch in vielen Fällen wichtiges Kommunikationsmittel.

Wer also breitgefächert interessiert ist ‒ ohne ein Universalgenie in allen Unterrichtsfächern sein zu müssen ‒ der bringt gute Voraussetzungen für diesen Beruf mit. Handwerkliche Dinge, wie Zeichnen oder Modellbau, erlernt man im Studium. Allerdings sind die Aufnahmeprüfungen hierfür so angelegt, dass man schon ein gewisses Maß an Talent mitbringen muss, damit man zum Studiengang zugelassen wird.”

Was sind neben Kreativität, handwerklicher Fertigkeit, mathematischem und physikalischem Verständnis weitere wichtige Eigenschaften, die ein Bühnenbildner unbedingt mitbringen muss?

Andreas Becker: „Vor allem das Interesse am Theater, angefangen von der Begeisterung für die technischen Möglichkeiten bis hin zum Wunsch in einem kreativen Beruf arbeiten zu wollen. Denn was von vielen als absoluter Traumberuf angesehen wird, hat ‒ so wie jeder andere Beruf auch ‒ manchmal leider auch ein paar Schattenseiten. Von Zeit zu Zeit braucht man schon eine gehörige Portion Idealismus und Freude an kreativer Arbeit, um mit Zeitdruck, Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung eines Bühnenbildes oder extrem langen Arbeitszeiten klarzukommen. Wer sich davon aber nicht beirren lässt, den erwartet in diesem Beruf täglich aufs Neue ein spannendes Abenteuer.”

Und was lieben Sie am meisten an Ihrem Beruf?


Wie wird man Bühnenbildner?

Hänsel und Gretel im Theater Freiburg © A. Becker

Andreas Becker: „Am meisten liebe ich es, komplett frei mit meiner Kreativität spielen zu können und dadurch dem Theaterzuschauer über meine Ideen und den visuellen Rahmen, den ich vorgebe, eine sehr persönliche und ganz individuelle Sichtweise eines Theaterstücks zu vermitteln. Im besten Fall lernt er ein Stück, das er vielleicht schon kennt, auf eine andere Weise zu sehen, vielleicht sogar anders zu verstehen. Da der Mensch von der Natur so angelegt ist, dass er emotional auf optische Eindrücke reagiert und das Gehirn diese Informationen benutzt, Interesse für oder gegen eine Sache aufzubauen, hat der Bühnenbildner zudem einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Gelingen und den Erfolg einer Theateraufführung oder eines Films. Diese Verantwortung und das Gefühl das Publikum durch meine Arbeit verblüfft, irritiert, erfreut oder zum Nachdenken angeregt zu haben, macht den Beruf für mich so einzigartig und spannend.”

Was würden Sie Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben, die mit der Idee spielen, Bühnenbildnerin oder Bühnenbildner zu werden?

Andreas Becker: „Um wirklich zu erkennen, ob man an der Arbeit als Bühnenbildner – oder irgendeinem anderen kreativen Beruf im Theater – wirklich Freude hat, rate ich jedem, der Interesse in dieser Berufsrichtung verspürt, ein Praktikum in einem Theater zu machen. Vor einem beeindruckenden Endergebnis auf der Bühne gibt es viele Hürden, die man als Bühnenbilder meistern muss. Diese sollte man zuvor unverbindlich kennenlernen, um sich ganz sicher zu sein, dass man auch den richtigen Weg einschlägt. Wer sich dann für diesen Beruf entscheidet, tut das bewusst und wird ihn als immerwährendes Abenteuer mit Herausforderungen zu schätzen wissen.”


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