Berufe: Wie wird man … Blogger?

Die einen lieben Mode und Beauty, andere interessieren sich für Technik oder beschäftigen sich mit Rezepten. Darüber in Blogs zu schreiben, ist das eine, damit Geld zu verdienen das andere. Wir haben die Bloggerin Masha Sedgwick getroffen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Wie sie das geschafft hat, verriet sie uns in einem Interview.

Kannst du dich und deinen Blog zum Einstieg kurz vorstellen?

Masha: „Ich bin hauptberufliche Bloggerin, 25 Jahre alt und lebe in Berlin. Auf meinem Blog masha-sedgwick.com blogge ich über Mode, Lifestyle, Beauty und alles, was mein Leben betrifft. Neben dem Blog habe ich auch einen Youtube-Kanal mit Tutorials und bediene andere diverse Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und Co.“

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Du studierst, bist aber nebenbei Bloggerin. Wie bekommt man das unter einen Hut?

Masha: „Ich habe es, ehrlich gesagt, ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr unter einen Hut bekommen und musste mein Wirtschaftsstudium unterbrechen. Beides zu vereinbaren, ist ziemlich schwierig, wenn man vorhat, mit einem Blog auch Geld zu verdienen. Ich blogge Vollzeit und für mich hat es sich zum Hauptberuf entwickelt, der sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.“

Masha Sedgwick beauty

© Masha Sedgwick

Deinen Blog führst du seit 2010. Wie hat alles angefangen und sich bis zur Haupttätigkeit entwickelt?

Masha: „Ich habe damals den Blog unter einem rein textlichen Fokus geführt und über meinen Liebeskummer geschrieben und all das, was mich innerlich beschäftigt hat. Die Entwicklung zum Modeblog hat sich erst später ergeben. Modeblogger zu sein und damit auch Geld zu verdienen, das gab es damals auch noch gar nicht. Hätte man mir damals gesagt, wo ich jetzt stehe, ich hätte es nicht geglaubt, weil ich keine Ahnung hatte, wie das funktionieren soll. Das Ganze hat sich dann einfach so entwickelt und richtig auf den Trichter gekommen bin ich vor ungefähr zwei Jahren mit kleinen Aufträgen, die zunehmend größer und größer wurden. Jetzt, viereinhalb Jahre später, lebe ich davon.“

Seit wann verdienst du damit hauptberuflich Geld und wie gelingt das?

Masha: „Hauptberuflich mache ich das jetzt seit ca. eineinhalb Jahren und es gibt drei Möglichkeiten, sich damit zu finanzieren: Zum einen durch Werbebanner, die man auf seinem Blog oder seiner Seite schaltet. Daneben gibt es noch die Möglichkeit der Affiliates ‒ d. h., wenn ein Produkt über meine Seite verkauft wird, bekomme ich dafür eine Provision. Oder man finanziert sich über sogenannte Advertorials ‒ eine Art Product-Placement. Im Falle dieser Advertorials bekomme ich einen Auftrag zugeteilt, ein bestimmtes Produkt zu tragen bzw. vorzustellen. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass mir dieses Produkt auch persönlich gefällt, denn Authentizität ist das Wichtigste beim Bloggen.“

Masha Sedgwick herbst

© Masha Sedgwick

Wie sieht denn so der Alltag einer Bloggerin aus?

Masha: „Ich habe keinen richtigen Alltag. Es ist eher so, dass ich gewisse Aufgaben zu bewältigen habe, nach denen ich meinen Tag selbst gestalten kann. Zu meinen täglichen Aufgaben gehört es, Blogeinträge zu schreiben, Fotos zu machen, Posts vorzubereiten usw., was tatsächlich aufwändiger ist, als viele denken. Parallel dazu muss ich meine ganzen Social-Media-Kanäle bespielen und up to date halten. Hinzu kommt dann noch das tägliche Beantworten von E-Mails, das Eingehen auf Leserfragen, Interviews geben und professionelle Fotos mit meinem Fotografen machen, mit dem ich mich regelmäßig treffe. Dafür muss einiges vor- und nachbereitet werden, was ich aber zum allgemeinen Erstellen der Blogbeiträge zähle. Obwohl ich gute HTML-Kenntnisse habe, ein Mehrwert, der einem auf jeden Fall beim Bloggen zugutekommt, habe ich insbesondere für das Layout einen Techniker beschäftigt.

Langweiligen Aufgaben muss ich mich natürlich auch stellen, wie die Steuererklärung machen oder mich mit unschönen Dingen wie Kritik auseinandersetzen.
Und nicht zu vergessen: Ich bin häufig auch auf Events und Reisen, was natürlich auch einen großen Teil meiner Arbeit ausmacht. Es gibt Wochen, in denen ich mindestens einmal im Flugzeug sitze und von Event zu Event tingle, gleichzeitig aber auch ganz normal weiterarbeiten muss.“

Du hast bereits auch internationale Bekanntheit erreicht ‒ deinen Blog gibt es auf Englisch und Deutsch und auch deine Einträge auf Facebook und Co. sind zweisprachig. Ist das Voraussetzung, um lang erfolgreich zu sein?

Masha: „Selbstverständlich liegt mein Fokus auf Deutschland und da wird er auch immer bleiben. Ich bin nur irgendwann an einem Punkt in meiner Karriere angelangt, an dem ich schauen musste, wie ich weitermachen und in welche Richtung ich mich entwickeln möchte. Und dann habe ich mich entschieden, mehr Leser aus anderen Ländern abzugreifen, internationaler zu werden und mich dem Anspruch zu stellen, auch dem internationalen Wettbewerb standhalten zu können.“

Du machst bei einer Kampagne der Glamour gegen „Hating“ mit. Welche Erfahrung hast du mit Cybermobbing gemacht und was rätst du Betroffenen?

Masha: „Ich musste leider schon früh Erfahrungen mit Hatern machen. Als Blogger steht man in der Öffentlichkeit, ist leicht angreifbar und ein einfaches Ziel. Viele Leute kennen einfach keine Grenzen im Internet und gerade als Blogger gibst du viel Privates von dir Preis. Manchen Leuten macht es einfach Spaß, Dinge über dich herauszufinden, um dann genau darauf herumzuhacken. Damit muss man tatsächlich erstmal umgehen lernen und es hat auch einige Zeit bei mir gedauert, es weitestgehend zu ignorieren. Das ist aber das, was ich Betroffenen raten kann ‒ einfach löschen und ignorieren, denn wenn sie kein Gehör finden, dann lassen sie es auch irgendwann.
Wenn man Blogger ist und z. B. mit WordPress arbeitet wie ich, dann kann man die IP-Adressen der Leute nachvollziehen und merkt, wie in einigen Fällen bei mir, dass es oft die gleichen Leute sind. Es ist schon gut zu wissen, wenn du glaubst, dass dich fünf verschiedene Leute haten, es aber nur eine Person ist, die dir das Leben schwermachen will.“

Was gefällt dir an deinem Job besonders und was weniger?

Masha: „Ich liebe an meinem Job die Freiheit und dass ich mich mit den Dingen beschäftigen kann und sogar muss, die ich besonders liebe und die mir besonders viel Spaß machen. Ich verdiene im Grunde Geld damit, Ich zu sein.
Nachteile sind natürlich auch da. Ich bin selbstständig, d. h. ich habe kein festes Gehalt und bin stetig davon abhängig, dass ich genügend Aufträge bekomme. Man muss darauf gefasst sein, dass es auch von jetzt auf gleich vorbei sein kann.
Und obwohl man sich mit schönen Dingen beschäftigt, hat man am Ende sehr wenig Freizeit. Ich arbeite jeden Tag von Montag bis Sonntag, da sind Urlaub und Wochenende so gut wie nicht drin. Man muss sich in seinem Privatleben schon sehr zurückschrauben, aber meine Arbeit ist mein Leben, daher läuft es quasi ineinander. Dieser ständigen Verfügbarkeit muss man sich einfach bewusst sein und damit leben können.“

Masha Sedgwick Karl

© Masha Sedgwick

Was sind die größten Vorurteile, mit denen du dich in deinem Beruf herumschlagen musst?

Masha: „In erster Linie denken viele, Bloggen sei kein richtiger Beruf. Natürlich ist es das, ich verdiene mir damit schließlich meinen Lebensunterhalt!
Man wird oftmals belächelt und als dummes modeaffines Mädchen betrachtet, das irgendwie Glück gehabt hat. Manche wollen einfach nicht sehen, wie viel Arbeit dahinter steckt und dass man dafür auch ziemlich clever sein muss. Das ist ärgerlich, aber irgendwann lernt man, damit umzugehen.“

Was rätst du Interessierten, die auch Bloggerin oder Blogger werden wollen? Wie geht man das am besten an?

Masha: „Wenn man wirklich hauptberuflich bloggen möchte, sollte man vielleicht erst gar nicht mit der Intention anfangen, hauptberuflich bloggen zu wollen, denn das zerstört einen Blog, der persönlich sein sollte und mit viel Liebe geführt werden muss.
Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen, weil es meist mehrere Jahre dauert und man sich in einem großen Haifischbecken befindet, wo ein Plan B auf jeden Fall ratsam ist. Daher würde ich jedem ans Herz legen, parallel eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen und zu schauen, in welche Richtung sich der Blog entwickelt. Und wenn man dann merkt, dass es immer mehr Leser werden, die Anfragen wachsen und man bekannter wird, dann kann man immer noch entscheiden, sich nur auf das Bloggen zu konzentrieren, so wie es bei mir der Fall war. Mein Wirtschaftswissenschaftsstudium hat mich, wenn auch nicht abgeschlossen, in vielerlei Hinsicht positiv geprägt. Wichtig ist in jedem Fall immer, geduldig zu sein und am Ball zu bleiben, was für die meisten ja mitunter die größte Herausforderung darstellt.
Zum Abschluss kann ich nur den Rat geben: Sei du selbst und bleib dir treu ‒ das ist das A und O beim Bloggen.“



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Titelbild: ©Masha Sedgwick

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