„Digitale Bildung beginnt mit Haltung – nicht mit Technik“
Ein Gespräch mit Sebastian, Lehrkraft und Berater für digitale Bildung in in Bayern. Sebastian ist Lehrkraft an einer Grund- und Mittelschule in Bayern – und zugleich Berater für digitale Bildung in seinem Landkreis. Im Interview mit sofatutor spricht er über seine Erfahrungen mit der Lernplattform im Schulalltag, über strukturelle Hürden und warum es manchmal Mut braucht, um neue Wege zu gehen.
Wie wird sofatutor an Ihrer Schule eingesetzt?
Wir haben eine Schullizenz für unsere Grund- und Mittelschule, mit der wir sofatutor in allen Jahrgangsstufen einsetzen können. Besonders intensiv nutzen wir die Plattform aktuell in der Grundschule – vor allem in den Jahrgangsstufen 3 und 4. Da bringen die Kinder schon eine gewisse Medienkompetenz mit, können also mit Tablets umgehen, sich selbständig einloggen und auch eigenständig Lerninhalte bearbeiten. In der Mittelschule wird es selektiver genutzt, auch weil wir dort leider seit ein paar Jahren immer weniger Klassen haben.
Wie binden Sie persönlich sofatutor in Ihre Unterrichtsorganisation ein?
Besonders gut funktioniert sofatutor in meiner Wochenplanarbeit. Die Kinder arbeiten dabei in ihrem eigenen Rhythmus an klar definierten Lernzielen und können selbst entscheiden, ob sie sich den Stoff zunächst über ein Video erarbeiten oder gleich mit Übungen starten. Mir ist wichtig, dass sie nicht einfach nur Aufgaben abhaken, sondern verstehen, was sie am Ende können sollen. Sofatutor unterstützt das, weil die Inhalte klar strukturiert sind und sich flexibel in individuelle Lernwege einbauen lassen.
Gibt es bestimmte Fächer oder Themen, für die sich sofatutor besonders gut eignet?
Ja, ganz klar: Deutsch und Mathematik. Die Plattform eignet sich dort gut, weil sie viele passgenaue Inhalte bietet – sowohl zur Einführung neuer Themen als auch zur gezielten Übung. Ich selbst unterrichte Deutsch und nutze sofatutor zum Beispiel für klassische Rechtschreibfälle, zur Wiederholung der Zeitformen oder beim Thema „Adjektive steigern“. Auch die Einführungsvideos zu Themen wie „Wie schreibe ich eine E-Mail?“ oder „Was gehört in einen Brief?“ haben sich im Unterricht als sehr hilfreich erwiesen.
Wie erleben Ihre Schüler*innen den Einsatz von sofatutor? Gibt es Rückmeldungen?
Die Kinder sind meist mit großer Begeisterung dabei. Sie freuen sich, wenn digitale Tools zum Einsatz kommen und diese Motivation bleibt auch über längere Zeit hinweg stabil. Das zeigt sich nicht nur in der aktiven Mitarbeit, sondern auch darin, dass sie mit wachsender Sicherheit und Selbstständigkeit arbeiten. Bei den Eltern gibt es zum Teil Skepsis – gerade mit Blick auf die Bildschirmzeit. Das ist nachvollziehbar, und deshalb ist mir eine offene Kommunikation besonders wichtig. Ich sage zum Beispiel am Elternabend ganz klar, wie und wozu wir sofatutor im Unterricht einsetzen: nicht ständig, nicht flächendeckend – sondern da, wo es einen Mehrwert bringt. Wenn Eltern verstehen, dass digitale Angebote eine sinnvolle Ergänzung sind und gezielt eingesetzt werden, lässt sich viel Vertrauen aufbauen.
Wie nehmen Sie die Haltung Ihrer Kolleg*innen gegenüber digitalen Angeboten wie sofatutor wahr?
Ich nehme schon wahr, dass der Einstieg für viele Kolleg*innen, die gerade aus dem Referendariat kommen, leichter ist. Sie haben im Studium oft schon mit digitalen Tools gearbeitet und bringen viel Selbstverständlichkeit im Umgang mit. Letztlich ist aber nicht das Alter entscheidend, sondern die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Digitale Bildung beginnt mit Haltung – nicht mit Technik. Und die erlebe ich bei uns im Kollegium immer wieder – auch an Stellen, wo ich es vielleicht nicht erwartet hätte. Da kommen dann Kolleg*innen auf mich zu und sagen: „Coole Sache – wann kann ich mir den iPad-Koffer wieder ausleihen? Ich will wieder etwas mit sofatutor machen.“ Solche Erfahrungen motivieren natürlich – und zeigen, dass es oft nur einen gelungenen Impuls braucht, damit etwas ins Rollen kommt.
Sie sind auch Berater für digitale Bildung in Ihrem Landkreis. Wie bringen Sie diese Rolle in Ihrer Schule und Ihrer Region ein?
Ich unterstütze vor allem bei strategischen Entscheidungen: etwa, wenn es um die Anschaffung digitaler Ausstattung geht. Mein Ziel ist es, zu vermeiden, dass Technik ungenutzt bleibt – sei es, weil die Infrastruktur fehlt oder weil das Kollegium nicht eingebunden wurde. Deshalb berate ich auch zu Fortbildungsbedarf und begleite Prozesse längerfristig. Wichtig ist mir dabei: Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss im Unterricht einen konkreten Mehrwert bringen – sonst bringt auch die beste Ausstattung nichts. Ich sehe meine Rolle auch darin, Vorbehalte abzubauen und Schulen dabei zu unterstützen, ihren eigenen, passenden Weg zu finden. Manchmal reicht es schon, wenn jemand regelmäßig da ist, Fragen beantwortet und Orientierung gibt.
Welche Rolle spielen Fortbildungen bei der Integration digitaler Lernmittel?
Eine ganz zentrale. Ohne Fortbildung bleibt jede Plattform nur eine technische Lösung ohne Wirkung. Es braucht Zeit und Raum, um sich mit neuen Werkzeugen vertraut zu machen. Was mir besonders wichtig ist: Fortbildung darf keine Pflichtübung sein, sondern muss anschlussfähig an den Alltag der Lehrkräfte sein. In der Praxis ist das aber nicht so einfach. Es gibt zwar verpflichtende Formate – etwa über Dienstbesprechungen oder festgelegte Module –, aber vieles läuft auf Freiwilligkeit. Und genau da liegt die Herausforderung: Wenn etwas als „Maßnahme von oben“ empfunden wird, ist die Ablehnung oft groß. Gleichzeitig erreicht man mit freiwilligen Angeboten oft genau die, die ohnehin schon offen sind. Ich versuche deshalb, niedrigschwellige Impulse zu setzen – keine fertigen Konzepte, sondern konkrete Beispiele: Wie kann ein digitales Tool den Unterricht entlasten? Wo bringt es Schüler*innen wirklich weiter? Viele Kolleg*innen sehen den Mehrwert erst, wenn sie ihn selbst erlebt haben.
Was würden Sie anderen Schulen raten, die überlegen, mit einer digitalen Lernplattform wie sofatutor zu starten?
Ich würde sagen: Nicht zu lange zögern – einfach anfangen. Aber nicht mit dem Anspruch, alles sofort perfekt zu machen. Lieber klein starten – mit einer Jahrgangsstufe oder einem Projektteam – und Erfahrungen sammeln. Digitalisierung ist ein Prozess, kein Zustand. Es bringt nichts, wenn man denkt: „Jetzt sind wir digital.“ Sondern: Wir gehen diesen Weg – und wir lernen dabei ständig dazu. Ich denke mir oft: Wenn Kolleg*innen wüssten, wie viel sie sich durch digitale Werkzeuge an Arbeit ersparen könnten – und wie gut viele Schüler*innen damit lernen –, dann wäre das für beide Seiten ein Gewinn. Aber um dahin zu kommen, braucht es den ersten Schritt. Und manchmal eben auch den Mut, sich auf Neues einzulassen und am Anfang vielleicht auch einmal Fehler zu machen. Wichtig ist, dass im Kollegium mindestens zwei, drei Menschen gemeinsam losgehen. Allein läuft man schnell ins Leere. Aber wenn sich Kolleg*innen gegenseitig unterstützen, Erfahrungen teilen und kleine Erfolge sichtbar machen, entsteht etwas im System.
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