„Digitale Angebote müssen alltagstauglich für die Schulen sein.“

Interview über Digitalisierung, die Zusammenarbeit mit sofatutor und den Wandel von Schule mit Andre Gülzow, Mitarbeiter der Abteilung IT und Medien im Geschäftsbereich Schule der Stadt Wolfsburg

Die Stadt Wolfsburg arbeitet seit 2023 mit sofatutor SCHULE zusammen und ermöglicht den 35 Schulen in ihrer Trägerschaft das Unterrichten mit der sofatutor Schullizenz. Dadurch stehen den circa 1.500 Lehrkräften der Wolfsburger Schulen sämtliche sofatutor SCHULE Inhalte für alle Klassenstufen zur Verfügung. Aktuell nutzen drei Viertel aller Schulen die digitalen Lehr- und Lerninhalte von sofatutor SCHULE und jede zweite Lehrkraft setzt diese aktiv im Unterricht ein.  

Herr Gülzow, was ist Ihre Aufgabe bei der Stadt Wolfsburg und wie viele Schulen betreuen Sie?

Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Anwendenden und Technik und bin mitverantwortlich für die Schul-IT und Medienentwicklungsplanung, sowie deren Umsetzung in der Stadt Wolfsburg. Als Schulträger betreuen wir aktuell 35 Schulen mit insgesamt 48 Standorten. Unsere zentrale Aufgabe ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten eine funktionierende, zukunftsfähige und insbesondere anwenderfreundliche Schul-IT bereitzustellen.

Wie sieht Ihr Alltag in diesem Bereich konkret aus?

Unsere Arbeit basiert auf einem Medienentwicklungsplan, der mit der Stadt abgestimmt und politisch beschlossen wurde. Wir entwickeln digitale Infrastruktur nicht für einzelne Schulen, sondern denken immer schulübergreifend. Ganz wichtig dabei: Die Abstimmung mit allen Stakeholdern. Dazu zählen nicht nur Lehrkräfte, sondern auch Eltern, Schüler:innen, Politik und Verwaltung. Sie alle bringen ihre Perspektiven mit ein. Das ist wertvoll, aber gleichzeitig natürlich auch eine große Herausforderung.

Wie digital sind die Schulen in Wolfsburg aufgestellt?

Ich würde sagen, sehr gut. Die Erkenntnis, dass Schule digital werden muss, kam schon sehr früh. Bereits 2007 sind wir mit einem ersten Medienentwicklungsplan gestartet. Damals ging es noch um Computerräume und Präsentationstechnik. Heute sprechen wir über WLAN in jedem Klassenraum, mobile Endgeräte für Schüler:innen und Lehrkräfte, einheitliche Plattformen und Single Sign-On-Lösungen. Wir haben gelernt: Digitalisierung ist kein Projekt für einzelne Schulen – wir brauchen eine Gesamtstrategie.

Welche Hürden begegnen Ihnen im Alltag?

Die größte Herausforderung ist der Ausbau und Erhalt der Infrastruktur – und ihre Finanzierung. Gleichzeitig sehen wir, dass es mehr als Technik braucht: Es geht um Fortbildung und um die Frage, wie digitale Tools sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden. Was bringt ein Tool, wenn Lehrkräfte nicht wissen, wie sie es in Ihrem Unterricht einsetzen können? Deshalb fordern wir, dass Fortbildungen verbindlich und systematisch verankert werden. Aktuell wollen viele Lehrkräfte sich fortbilden – können es aber oft nicht. Das ist eine Katastrophe.

Was würden Sie anderen Schulträgern raten, die eine digitale Lernplattform einführen möchten?

Absolut zentral ist ein gemeinsamer Medienentwicklungsplan, der von allen Akteuren mitgetragen wird – Schulen, Schulträger, Verwaltung und Politik. Bei uns hat dieser Prozess ein Jahr gedauert und anschließend hat der Rat der Stadt Wolfsburg den Plan verabschiedet. Das ist eine wichtige Grundlage, um nachhaltig arbeiten zu können. Und: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler – digitale Angebote müssen alltagstauglich für die Schulen sein.

Wie sind Sie auf sofatutor aufmerksam geworden?

Das erste Gespräch fand auf der didacta statt – das war 2022. Direkt nach Corona haben natürlich alle nochmal mehr verstanden, wie wichtig digitale Lerninhalte für Schulen sind und auch die Notwendigkeit erkannt, dass diese Inhalte in den Schulalltag integriert werden müssen – eine Art Goldgräberstimmung. Was uns direkt überzeugt hat: sofatutor war das einzige Angebot, das Inhalte für alle Klassenstufen und Schulformen bereitstellte – eine riesige Stärke.

Warum haben Sie sich entschieden, sofatutor für alle Schulen bereitzustellen?

Wenn wir etwas einkaufen, dann muss es für alle funktionieren. sofatutor lässt sich sehr gut mit Wobila, unserem Wolfsburger Bildungsportal verbinden. Und: Wir halten es für das beste Angebot auf dem Markt. Deshalb haben wir es flächendeckend für alle Schulen lizenziert. In Zukunft wollen wir noch stärker auf die konkreten Bedarfe einzelner Schulen eingehen, gemeinsam mit ihnen Anforderungsprofile entwickeln und gezielt unterstützen, wie sich das Angebot sinnvoll im jeweiligen Schulkontext einsetzen lässt. Dabei behalten wir auch die technische Weiterentwicklung im Blick, insbesondere im Zusammenspiel mit Wobila, um eine möglichst reibungslose Nutzung im Schulalltag zu gewährleisten.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit sofatutor?

Sehr positiv. Besonders hilfreich ist, dass die technische Integration mit unseren bestehenden Systemen reibungslos läuft. Und das Team von sofatutor hat uns von Anfang an gut unterstützt. Wir haben direkte Ansprechpartner bei sofatutor, treffen uns auf Messen, Events – und besonders auch im Rahmen unseres Fortbildungsangebotes „Ideenpool für digitale Angebote in Schule“ (IdAS), wo ebenfalls immer jemand von sofatutor mit anwesend ist. Es ist schön zu sehen, wie sich diese Kooperation entwickelt hat.

Welche Funktionen oder Weiterentwicklungen wünschen Sie sich?

Im Moment nutzen nicht alle Schulen sofatutor in gleichem Maß. Wir sehen hier noch Potenzial – gerade in der gezielten Fortbildung. Vielleicht können noch mehr praxisnahe Schulungen oder konkrete Anwendungsszenarien angeboten werden, um Lehrkräfte in der Nutzung zu stärken.

Wie nehmen Sie die Haltung von Lehrkräften und Eltern zur digitalen Bildung wahr?

Die Eltern in Wolfsburg zeigen ein großes Engagement – auch weil sie zum Teil selbst Geräte für ihre Kinder finanzieren. Wer sich das nicht leisten kann, bekommt von uns ein Leihgerät. Wir binden Eltern und Schüler:innen auch aktiv in unsere Gremien ein. Bei den Schulen sehen wir: Die Bereitschaft zur Digitalisierung ist grundsätzlich da, aber es gibt auch Überforderung. Einige Schulen brauchen eine intensivere, mehrjährige Begleitung – auch dabei wollen wir als Schulträger unterstützen.

Welche politischen Weichenstellungen wünschen Sie sich?

Ein Digitalpakt ∞ – also eine auf Dauer angelegte Unterstützung für die Schulträger. Denn es geht nicht nur um Technik, sondern auch um Strukturen: Fortbildungen für Lehrkräfte brauchen klare Vorgaben, und das Thema Support ist entscheidend. Wir sprechen hier über First-Level-Support für tausende Geräte, digitale Klassenbücher, Zeugnisschreiben, ID-Management. Das alles muss funktionieren. Aktuell gelingt das nur, weil engagierte Menschen sich über das normale Maß hinaus einsetzen. Aber so können wir keine zukunftsfeste Schul-IT betreiben.

Wie haben Sie sofatutor technisch integriert?

sofatutor ist an unsere zentrale Plattform Wobila angebunden und funktioniert mit Single Sign-On. Das senkt die Hürden für die Nutzung deutlich – gerade für Lehrkräfte und Schüler:innen, die täglich mit mehreren Tools arbeiten.

Was ist Ihr Bild der idealen digitalen Schule?

Digitale Schule ist keine technologische Frage allein. Wir brauchen ein neues Verständnis von Lernen. Aktuell lernen viele Schüler:innen für das System – nicht für sich selbst. Das muss sich ändern. Lernen sollte flexibler, individueller, gerechter und partizipativer sein. Wir haben jetzt die Grundlagen gelegt – aber die eigentliche Veränderung muss an jeder einzelnen Schule passieren. Und da wollen wir als Schulträger einen wichtigen Beitrag leisten.