Dürfen meine Kinder alles selbst bestimmen?

Kinder haben früh ihren eigenen Kopf. Das können wohl alle Eltern unterschreiben. Doch wo fördern wir die Selbstbestimmung und wann müssen wir Eltern einfach mal eine Entscheidung treffen? Die Antwort ist gar nicht so leicht, findet Mama Katharina von Stadt Land Mama.

Wandertag mit Hindernissen

„Ich will nicht mit in den Zoo, mir tun die Tiere da so leid!“, sagte meine Tochter vor ein paar Wochen, als der Schulwandertag anstand. Sie ist acht Jahre alt und hat zu vielen Themen eine viel stärkere Meinung, als ich sie in ihrem Alter hatte. So auch zu dem geplanten Zoobesuch. Sie könne nicht mit ansehen, wie Wildtiere in Käfigen gehalten werden. Ihrer Meinung nach seien die Gehege alle viel zu klein und überhaupt könne sie gar nicht verstehen, warum Menschen es schön fänden, sich eingesperrte Tiere anzugucken.

Ich gebe zu: Mein Mann und ich waren erst mal baff. Wie versuchten ihr zu erklären, dass viele Tiere ohne Zoohaltung mittlerweile ausgestorben seien, dass sie durch den Besuch auch viel lernen könne und dass es ein Gemeinschaftsausflug sei, an dem sie eben teilnehmen müsse. Unsere Tochter ließ sich aber nicht umstimmen und schlug vor, lieber an dem Tag in die Parallelklasse zu gehen und dort den normalen Schulalltag mitzumachen.

Mit Spaß zum Lernerfolg – So geht's
30 Tage kostenlos testen

Ein Exempel statuieren oder unterstützen?

Wir Eltern machten uns Gedanken: Sollen wir unser Kind unterstützen, das so klar in seinen Überzeugungen war – oder gibt es nun mal Dinge, die gemacht werden müssen, auch wenn man keine Lust darauf hat? Diesen Zwiespalt kennen wohl alle Eltern: Wie viel Selbstbestimmung ist gut und wann müssen Eltern einfach mal entscheiden? Und was heisst Selbstbestimmung überhaupt?

Definition der Selbstbestimmung

Das Recht auf Selbstbestimmung ist bei uns durch Artikel 2 im Grundgesetz geschützt. Jedem Menschen wird darin das Recht auf die „freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ garantiert, also das Recht zu entscheiden, wie und wo man lebt – soweit nicht die Rechte anderer oder die anerkannten Regeln der Gemeinschaft verletzt werden. Warum sollten also nicht schon Kinder vom diesem Recht Gebrauch machen?

Wir haben unsere Tochter in diesem Fall unterstützt, das Gespräch mit der Lehrerin gesucht und eine tolle Lösung gefunden. Unsere Tochter durfte wählen, ob sie tatsächlich an dem Tag in die Schule geht oder ob sie im Zoo eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen anfertigt, die dann an die Zooleitung geschickt würde. Sie entschied sich für die Liste. Für uns alle war diese Situation lehrreich: Wir hatten unser Kind ernst genommen und ihr die Entscheidung überlassen.

Wir brauchen Kinder, die ihren eigenen Kopf haben

Es ist wunderbar zu sehen, wenn Kinder für ihre Überzeugungen einstehen und selbst mitbestimmen wollen. Mitläufer, die zu allem Ja und Amen sagen, gibt es bereits genug. Wir brauchen Kinder, die ihren eigenen Kopf haben und auch mal unbequeme Wege gehen.

Aber: Gibt es auch Situationen, in denen Eltern die Selbstbestimmung der Kinder regulieren müssen? Ich denke, ja. Wenn das Söhnchen meint, bei minus 5 Grad seien kurzärmlige Klamotten okay, zum Beispiel. Oder beim Spiel mit Gegenständen, mit denen Kinder sich selbst oder andere verletzen könnten. Auch beim Thema Hausaufgaben müssen die Eltern darauf achten, dass diese regelmäßig gemacht werden, auch wenn ein Nachmittag mit Freunden so viel schöner wäre. Es gibt eben auch Pflichten, die bereits Kinder erfüllen müssen.

Gerade, wenn es um Dinge geht, die für Kinder gefährlich werden könnten, sollten Eltern entscheiden. Ich denke dabei an ein Nachbarsmädchen, das in der Pubertät keine Lust mehr hatte, einen Fahrradhelm zu tragen, weil der uncool sei. Viele Kinder würden sicher auch gerne entscheiden, wann sie ins Bett gehen, wie viele Süßigkeiten sie essen und wie lange sie fernsehen dürfen. Da liegt es jedoch in der Verantwortung der Eltern, sicherzustellen, dass das Kind gesund und ausgeruht ist.

Bei welchen Dingen dürfen meine Kinder selbst bestimmen?

Kindern Verantwortung für ihr Handeln zu übertragen, lässt sie reifen und gibt ihnen Selbstbewusstsein. Meine Kinder dürfen selbst entscheiden, …

  • wen sie zum Geburtstag einladen: Viele Eltern reden da ja rein, weil sie Angst haben, andere Eltern durch eine Nicht-Einladung vor den Kopf zu stoßen.
  • was sie essen: Natürlich gibt es hin und wieder einen Probierklecks, aber ich zwinge meinen Kindern keine Nahrungsmittel auf und auch das berüchtigte Teller-leer-Essen gibt es nicht.
  • wen sie umarmen und küssen: Ihr Körper, ihre Entscheidung!
  • welchen Hobbys sie nachgehen: Denn nur, wenn sie sich selbst für etwas entscheiden, werden sie es mit Freude machen.
  • ob sie schon bereit sind, woanders zu übernachten: Jeder schafft sowas in seinem eigenen Tempo.
  • mit wem sie befreundet sein wollen.
  • was sie – dem Wetter entsprechend – anziehen wollen.

Mein Fazit: Kinder brauchen ihren Freiraum, um eigene Entscheidungen treffen und sich entwickeln zu können. Wenn jedoch die Sicherheit gefährdet ist oder bestimmte Situationen noch nicht richtig eingeschätzt werden können, sollten Eltern handeln. Dies sollte in Absprache mit dem Kind geschehen, damit klar ist, dass seine Bedürfnisse und Wünsche trotzdem beachtet werden. Eltern sollten Kinder liebevoll begleiten.

Weitere Texte von Stadt Land Mama:

Titelbild: © Demchyna/shutterstock.com

Was Sie jetzt tun sollten ...

  1. Motivation beim Lernen ist der Schlüssel zum Lernerfolg Ihres Kindes. Holen Sie sich die Motivationstipps von Lehrer Giuliano in diesem Video.
  2. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und schauen Sie sich an, was sofatutor für Sie und Ihr Kind anbietet.
  3. Überzeugen Sie sich selbst und testen Sie sofatutor 30 Tage lang kostenlos.