Andreas Kasche: „Das digitale Lehren und Lernen wird stärker mitgedacht“

Der Bremer Physik- und Sportlehrer Andreas Kasche unterstützt am Zentrum für Medien (ZfM) Kolleginnen und Kollegen bei der Einführung von itslearning. Über die kostenlose Lernmanagementplattform für Bremer Schulen wird auch sofatutor eingebunden.

Herr Kasche, wie setzen Sie die Plattform itslearning und damit sofatutor bei sich an der Schule ein?

Andreas Kasche: „Der Einsatz von itslearning richtet sich an unserer Schule nach dem Fachbereich. In unseren Sport-Leistungskursen organisieren wir z. B. alles darüber. Es gibt auf der Lernmanagementplattform von uns angelegte Kurse und Vorlagen, die wir fortlaufend ergänzen und wiederverwenden können. In den anderen Fachbereichen teilen die Klassenlehrerinnen und -lehrer die Termine fürs Schuljahr mit den Kindern oder nutzen es als Postfach. Dann braucht man nicht mal mehr eine E-Mail-Adresse herauszugeben.

Ich persönlich bilde meine Unterrichtsstunden weitestgehend in itslearning ab. Dort finden die Schülerinnen und Schüler, die mal nicht am Unterricht teilnehmen können, alle Materialien aus der verpassten Stunde und meist noch weiterführende Hinweise, was dann sofatutor ins Spiel bringt. Damit bereiten sie sich auf Prüfungen vor oder nutzen es zum selbstständigen Lernen.“

Haben Sie schon mal mit sofatutor im Unterricht gearbeitet?

Andreas Kasche: „Ja, in Physik habe ich sofatutor schon als Impuls genutzt. Das heißt, wir schauten uns gemeinsam ein Lernvideo an und die Schülerinnen und Schüler haben dann selbstständig die Materialien bearbeitet.“

Sie sind Lehrer und pädagogischer Mitarbeiter am Zentrum für Medien (ZfM). Welchen Vorteil hat diese Doppelrolle für Ihre Schule?

Andreas Kasche: „Man ist der nervige Kollege, der daran erinnert, dass man ja auch mit itslearning arbeiten kann. (lacht.) Nein, der Vorteil kann sein, dass ich bei Fragen zum digitalen Unterrichten direkt vor Ort bin.

An anderen Schulen unterstützen wir über Fortbildungen, die wir anbieten. So hoffen wir, mehr Multiplikatoren an die Bremer Schulen zu bekommen.“

Was machen Sie in Ihrer Tätigkeit beim Zentrum für Medien konkret?

Andreas Kasche: „Ich helfe in einem Team von acht Menschen bei der Einführung, Fortbildung und Umsetzung von itslearning an Schulen. Teilweise gibt es noch Schulen im Bundesland Bremen, die itslearning nicht nutzen, obwohl es kostenfrei zur Verfügung steht. Da greifen wir unter die Arme und klären Fragen oder Vorbehalte.“

Wie könnte es erreicht werden, dass sich noch mehr Lehrkräfte an den Bremer Oberschulen mit den Vorzügen des digitalen Lernens und Lehrens auseinandersetzen?

Andreas Kasche: „Eine Möglichkeit wäre es, zu den regelmäßig stattfindenden itslearning-Nutzertreffen zu kommen. Hier arbeiten wir derzeit daran, die Themen breiter aufzubereiten, um noch mehr Kolleginnen und Kollegen zu inspirieren, wie sie z. B. Fragen der Inklusion über digitale Werkzeuge lösen können.“

Steckbrief

Name: Andreas Kasche

Schule: Oberschule Ronzelenstraße

Fächer: regulär: Sport/Physik und fachfremd: WAT und Informatik

Die Schülerinnen und Schüler von heute … haben es schwerer als ich damals: Mehr Stunden, weniger Freiräume.

Die Schule von morgen … hat sich vom 45-Minuten-Raster verabschiedet, offenere Klassenraumkonzepte eingeführt und Fächerstrukturen aufgebrochen. Unterricht findet nicht nur unter Aufsicht statt, sondern Lernende gehen raus in die Alltagswelt und können dort mit digitaler Unterstützung das lernen, was sie für ihr zukünftiges Leben als wichtig erachten.

Ich werde nie vergessen, wie … ich als Zivildienstleistender im Lehrerzimmer meiner alten Schule an der Weihnachtsfeier teilgenommen habe und feststellen durfte, dass meine alten Lehrerinnen und Lehrer alle normale Menschen sind 😉

Worin sehen Sie die größten Chancen beim Digitalpakt Schule für die Zukunft?

Andreas Kasche: „Ich merke jetzt schon, dass digitales Lehren und Lernen mehr mitgedacht wird, sei es von der Schulleitung oder dem Kollegium. Die Diskussion auf Gesamtlehrerkonferenzen über neue Methoden und didaktische Zugänge ist mittlerweile offener, was digitale Optionen angeht. Es geht in diesen Diskussionen um mehr, als sich dafür zu entscheiden, ob man Beamer und digitale Whiteboards anschaffen möchte. Die Frage ist, wie man den Unterricht zeitgemäßer denken kann.

Die Bremer Schulleitungen legen einfach Wert darauf, dass die hohen Summen, die durch den Digitalpakt an die Schule kommen, sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden.“

Gibt es auch Herausforderungen?

Andreas Kasche: „Die große Herausforderung wird sein, sich auf einen technischen Standard zu einigen, der alle Fachbereiche und alle Bedürfnisse zusammenfasst. Es ist dabei gar nicht erforderlich, alle Bedürfnisse gleich zu Beginn hundertprozentig zu befriedigen. Aber ein grundlegender Standard sollte in jedem Klassenraum existieren, damit man Inhalte visualisieren und mit itslearning arbeiten kann. Es wird spannend, diesen Standard zu definieren. Selbst bei mir persönlich hat sich die Vorstellung davon, was unbedingt enthalten sein sollte, im letzten halben Jahr immer wieder gewandelt.“

Über das Pilotprojekt:

sofatutor_Bremen
sofatutor für alle in Bremen! Zusammen mit der Senatorin für Kinder und Bildung und mit Unterstützung des Landesinstituts für Schule in Bremen (LIS) bietet die Lernplattform sofatutor den vollen Zugriff auf ihre Inhalte an. Das sind über 12.000 Lernvideos, 40.000 Übungen und 30.000 Arbeitsblätter von der Grundschule bis zum Abitur. Bremer Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte können sich über die Lernplattform itslearning anmelden: hb.itslearning.com

Haben Sie noch Fragen? Melden Sie sich gern bei uns: kooperationen@sofatutor.com

Was sind Ihre Lieblingstools im Unterricht?

Andreas Kasche: „Aktuell bin ich ein großer Padlet-Fan. Ich nutze es zur Organisation und Wissensspeicherung, z. B. in der Schülerfirma, die ich derzeit betreue. Die einzelnen Teams, sprich die Marketing-Abteilung, der Vorstand usw., nutzen das Tool, um ihre Tagesordnungen zu protokollieren. So sind alle teamübergreifend auf dem aktuellen Stand.

In den letzten Physik-Stunden habe ich Tracker eingesetzt, um Videoanalysen zu betreiben. Damit können Schülerinnen und Schüler lernen, Bewegungen zu visualisieren und Messwerte aus Videos zu ziehen, mit denen sie weiterarbeiten möchten.

Oncoo benutze ich außerdem gern, um kollaborativ zu brainstormen und Karteikarten mit Ideen zu füllen. “

Wie bleiben Sie auf dem Laufenden?

Andreas Kasche:Twitter ist ein großes Hilfsmittel, vor allen Dingen das Twitterlehrerzimmer bietet viele Informationen. Es gibt außerdem den Newsletter eduMail, der alle 14 Tage verschickt wird.

Ich besuche auch viele Barcamps, zuletzt war ich beim Digital Education Day in Köln. Auf solchen Veranstaltungen gibt’s viel Input über Tools und Ideen.

Zuletzt würde ich noch meine Kolleginnen und Kollegen beim ZfM nennen, die ähnlich wie ich gestrickt sind. Einige sind eher technisch engagiert, andere richten ihren Fokus auf die Einsatzmöglichkeiten mit den Schülerinnen und Schülern. Wir tauschen uns einfach gern aus. Egal, welche Ausrichtung man persönlich hat. “