Anerkennung ‒ das schönste Geschenk

Daniela Rommel führte von 103 Abiturienten 48 zum Abitur – im Fach Chemie und war für den Deutschen Lehrerpreis nominiert.
Wie sie es schafft, ihre Schülerinnen und Schüler zu begeistern, hat sie uns im Interview verraten.

Warum, glauben Sie, haben Sie Ihre Schülerinnen und Schüler für den Deutschen Lehrerpreis nominiert?

Daniela Rommel: „Die Schülerin, die mich stellvertretend für den ganzen Jahrgang nach Berlin begleiten durfte, musste diese Begründung in einem Satz wiedergeben. Dieser lautete: ‚Motivation, positive Ausstrahlung, Fairness, Kompetenz, nachhaltige Wissensvermittlung und eine offene, fröhliche Art. Das alles und noch mehr zeichnet unsere Lehrerin Frau Daniela Rommel aus‛.“

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Steckbrief

Name: Daniela Rommel
Schule:
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen
Fächer: Mathematik, Chemie, Sport
Die Schülerinnen und Schüler von heute …
…sind auf keinen Fall schlechter oder dümmer als die Schülerinnen und Schüler von gestern.
Die Schule von morgen …
… sollte nach einem langfristigen Konzept gestaltet werden, was nicht nach jeder Studie oder nach jeder Wahl wieder geändert wird.
Ich werde nie vergessen, als …
… mir die Schülerinnen und Schüler vom Abiturjahrgang 2014 beim Abiball die Nominierung zum Lehrerpreis überreichten.

Wie haben Sie reagiert, als Sie von der Nominierung erfahren haben? Und wie fühlt es sich jetzt an, Preisträgerin zu sein?

Daniela Rommel: „Ich war zu Tränen gerührt! Und es ist für mich immer noch unglaublich, wenn ich sehe, wie sehr sich die Schülerinnen und Schüler des gesamten Jahrgangs für mich reingekniet haben. Das war das schönste Geschenk, das sie mir machen konnten.
Viele der Schülerinnen und Schüler aus diesem Jahrgang haben mich mittlerweile in der Schule besucht, um mir persönlich zu gratulieren. Das freut einen natürlich riesig!

Der Alltag hat einen schnell wieder. Aber diese Auszeichnung kann mir keiner mehr nehmen und ist Motivation pur. Es ist für mich eine Anerkennung meiner Arbeit und meines Engagements, die man im Lehrerberuf leider nicht so oft bekommt.”

Katja Riemann hat bei der Verleihung eine Laudatio gehalten. Sie ist unter anderem aus dem Film Fack ju Göhte bekannt, der durchaus ironisch auf das deutsche Schulsystem und deren Beteiligte blickt. Wie stehen Sie als erfahrene Lehrkraft zu solchen Darstellungen?

Daniela Rommel: „Den Film fand ich sehr unterhaltsam und witzig, genauso wie die Laudatio von Katja Riemann! Etwas Ironie schadet nicht und ein kritischer Blick auf die Bildungslandschaft in Deutschland kann nicht verkehrt sein.”



Fast der halbe Abiturjahrgang belegte Ihren Kurs in Chemie! Ein Fach, das von vielen als schwer empfunden wird. Wie schaffen Sie es, Ihre Schülerinnen und Schüler dafür zu begeistern?

Daniela Rommel: „Hierzu ein paar Antworten der Schülerinnen und Schüler aus ihrem Motivationsschreiben:

‚Nicht nur den normalen Unterricht gestaltet sie abwechslungsreich, mit guter Laune und auf hohem Niveau. Auch unsere Abiturvorbereitung im Fach Chemie meisterte sie großartig und wurde mit den Notenschnitten 10.6, 11.8, 12.3 belohnt. Wenn Sie sich nun wundern, wieso es drei Kursergebnisse gibt, liegt das daran, dass Frau Rommel von den insgesamt 103 Abiturienten 48 Schüler zum Chemie-Abi führte. 56 Schüler, und damit über die Hälfte unserer Stufe, wählten Chemie vierstündig.

Wir kamen gerne in ihren Unterricht, weil sie durch Schülerexperimente, kleine explosive Vorführungen und ihre aufgeschlossene, fröhliche Art immer für einen Höhepunkt im Schulalltag sorgen konnte. Das Lernen auf ihre Klausuren und später auf das Abi entsprach in keinem Fall dem sturen Auswendiglernen.

Trotz ihrer anspruchsvollen Erwartungen an uns, hatten wir nie den Druck, ihr nicht zu genügen. Das lag vor allem daran, dass sie es verstand, uns zu loben und konstruktiv zu kritisieren. Dabei war sie stets fair und ermöglichte den schwachen Schülern zu zeigen, was diese eigentlich alles können.‛

Von meiner Seite kann ich sagen: Wer mit Chemie nur Formeln, Rechnen und nicht funktionierende Experimente verbindet, der hat die Chemie nie richtig kennengelernt.”

Sie sind nicht nur eine gute Chemielehrerin sondern auch Ansprechpartnerin für chronisch-kranke Schülerinnen und Schüler. Für welche Fragen und Anliegen stehen Sie bereit und was wird von Ihnen in dieser Funktion erwartet?

Daniela Rommel: „Als Ansprechpartnerin bin ich neben der Beratungslehrerin, der Schulpsychologin und der Schulsozialarbeiterin Teil eines Beratungsteams am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen. Meine Aufgaben sind u. a. das systematische Sammeln und die vertrauliche Weitergabe von Informationen zu Krankheiten und Lebenssituationen der Schülerinnen und Schüler, die Beratung und Unterstützung bei der Durchsetzung von organisatorischen Erleichterungen im Schulalltag und bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen, die Unterstützung aller Beteiligten im Hinblick auf Nachteilsausgleich, Hausunterricht usw. sowie die Begleitung von Übergängen in und aus dem System Schule in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen.“

Daneben sind Sie auch als Ausbildungslehrerin tätig. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr eigenes Referendariat? Und was können Sie jungen Lehramtsanwärtern für diese Zeit mit auf den Weg geben?

Daniela Rommel: „Das Referendariat war für mich eine sehr schöne Zeit, denn ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich meinen Traumberuf gefunden habe. Es ist aber auch eine anstrengende Zeit, da man sich zunächst nicht vorstellen kann, wie viel Arbeit in einer einzigen Unterrichtsstunde steckt, was alles außer dem Unterrichten zum Beruf gehört und was einen die eine oder andere Situation an Kraft oder Nerven kosten kann.

Entscheidend ist, dass sich ein Lehramtsanwärter bewusst dafür entscheidet, diesen Beruf ausüben zu wollen und vor allem dabei auch Freude hat. Das herauszufinden, ist das Ziel des Praxissemesters, das ich zusammen mit einer Kollegin begleite.”

Würden Sie uns abschließend verraten, was Sie an Ihrem Beruf schätzen und auf was Sie gerne verzichten könnten?

Daniela Rommel: „Die Arbeit mit den Menschen bereitet mir große Freude! Und mein Beruf ist abwechslungsreich: Jede Klasse ist anders, jede Schülerin und jeder Schüler ist anders, jede Kollegin und jeder Kollege ist anders, jede Stunde ist anders.

Verzichten kann ich gerne auf das Erstellen und das Korrigieren von Klassenarbeiten und das Unterrichten zur ersten Stunde um 7.20 Uhr.”


Titelbild: © Daniela Rommel