Filme im Geschichtsunterricht – Unser Experte gibt Tipps

„Wann schauen wir mal wieder einen Film?“ – jeder Geschichtslehrer und jede -lehrerin kennt diese Frage. Unser Lernexperte bei sofatutor erklärt, worauf man achten sollte.

Einfach mal einen Film schauen, das klingt super. Sich in entspannter Kino-Atmosphäre zurücklehnen und abschalten. Dabei ist der Ertrag für Lehrende wie Lernende meistens gering. Aus didaktischer Sicht ist es ein worst case scenario, wenn Filme unkritisch rezipiert werden und nicht als Quelle betrachtet werden. Als solche sind sie mit Vorsicht zu genießen. Wenn Videos nur als „Informationslieferant“ genutzt und die filmischen Mittel, Inhalte und die Gestaltung nicht ausgewertet werden, bleiben Schüler und Schülerinnen unweigerlich mit der Vorstellung zurück: „So wie im Film war es wirklich“. Das Medium Film wirkt so überzeugend wie kaum ein anderes. Fiktion und Realität sind schon für erwachsene Betrachter oft schwer zu unterscheiden, ganz zu schweigen von Schülerinnen und Schülern.

Filme machen historische Figuren lebendig

Das Medium Film hat aber ein großes Plus: Seine Anschaulichkeit. Filme machen es möglich, sich in vergangene Zeiten hineinzuversetzen. Abstrakte Figuren werden lebendig, Geschichte wird emotional erlebbar. Aus einem Thema wie der Reformation oder Aufklärung wird durch die richtige Inszenierung ein mitreißendes Spektakel, das Schülerinnen und Schüler motiviert, sich mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen. Filme bedienen dabei mehrerer Lernkanäle, wie Hören und Sehen und arbeiten gezielt mit Reizen. Das kann zum Problem werden, wenn Inhalte sachlich falsch oder bewusst überzeichnet sind. Gerade letzteres ist bei Historienfilmen und -serien fast immer der Fall.

Der richtige Umgang: Filmvokabular verwenden

Medienkompetenz entwickelt sich nicht von allein. Schülerinnen und Schüler brauchen Anleitung und konkrete Hinweise, was sie analysieren und hinterfragen sollen. Erst dann sind sie in der Lage, filmische Medien kritisch auszuwerten. Gerade die Reizüberflutung in der Freizeit durch Geschichtsdokumentationen und Historienfilme macht die Beschäftigung mit Filmen in der Schule umso wichtiger. Oft sagen Dokumentationen und Spielfilme mehr über die Zeit ihrer Entstehung aus als über die dargestellte Epoche. Prägnantes Beispiel dafür sind die blond toupierten Helden der Sandalenfilme aus den 1950er Jahren, deren anachronistisches Erscheinungsbild heute jedem ins Auge sticht. Auch aktuelle Produktionen wie die Dokumentationen von Guido Knopp sind voller inszenatorischer Kunstgriffe, die eine bestimmte Wirkung beim Zuschauer erzeugen sollen. Sie vermitteln ein Geschichtsbild, das es mit den Schülerinnen und Schülern herauszuarbeiten gilt. Dabei hilft es, sich gemeinsam mit ihnen ein Grundvokabular zur Analyse von Filmen anzueignen: Um einen Propagandafilm oder eine Dokumentation kritisch auszuwerten, sollten sie beschreiben können, wie der Regisseur mit Kamera, Schnitt, Musik und Sprechertext umgeht. Begriffe wie Einstellung, Perspektive oder Szenengestaltung sind nützlich, um die Machart eines Films zu analysieren. Nur so können die Schülerinnen und Schüler die Absicht der Filmemacher nachvollziehen. Schon kurze Abschnitte aus Filmen erfordern eine hohe Konzentration. Soll der Schüler oder die Schülerin auf alles gleichzeitig achten, also Bild, Musik und Text einer ganzen Szene erfassen, wird das schnell zu viel.



Didaktische Fragen vorab klären

Der didaktisch sinnvolle Einsatz von Filmen im Geschichtsunterricht ist mit vielen Fragen verbunden: Welche Kompetenzen will man fördern und wie? In welcher Phase des Unterrichts setzt man den Film ein – als Einstieg, als Material in der Erarbeitungsphase, zur Problematisierung oder als Überblick am Ende? Davon hängt ab, was für einen Film man auswählt: eine filmische Quelle wie einen Spielfilm, eine Werbung oder Wochenschau, einen Lehrfilm oder eine Doku. Welche Ausschnitte zeigt man? Welche Arbeits- und Beobachtungsaufträge gibt man? Wie gestaltet man eine anschließende Diskussion? Welche Möglichkeiten gibt es, die Schülerinnen und Schüler aktiv und kreativ werden zu lassen? Diese Fragen sollte man vorab klären.

Der Aufwand lohnt sich

In Zeiten von YouTube und Co. prasselt noch mehr Filmmaterial ungefiltert auf die Jugendlichen ein als früher. Der Geschichtsunterricht kann hier einen Beitrag leisten, damit die Schülerinnen und Schüler für Misstöne und Verzerrungen sensibilisiert werden und kritisch mit dem Gesehenen umgehen.

Lernvideos einsetzen

Auf sofatutor gibt es eine breite Auswahl an Geschichtsvideos, die sich im Unterricht einsetzen lassen. Das Videomaterial reicht vom kurzen History-Clip über Zeitzeugenbefragungen und biografische Schlaglichter bis hin zum klassischen Lehrfilm. Videos zu speziellen Jahrestagen oder Orten der Geschichte lassen sich gut für Gruppen- oder Stationenarbeit nutzen. Daneben gibt es Humorvolles und Spannendes, aber auch Videos, die sich kritisch auswerten lassen.

Beispiel: KZ-Außenlager Mühldorfer Hart

Ein schönes Beispiel für einen aufwendig produzierten Schulfilm ist die Reihe zum KZ-Außenlager Mühldorfer Hart. Die Serie umfasst drei Videos und thematisiert NS-Verbrechen und Gedenken an einem regionalen Beispiel aus Bayern. Neben einer Fülle von Bildmaterial wie historischen Fotografien, Schaubildern und Karten gibt es auch kurze Spielszenen aus heutiger Zeit. Zeitzeugen kommen zu Wort, genauso wie Verantwortliche, die Einblicke in die Errichtung der Gedenkstätte geben. Er bietet Ansätze für Diskussionen und regt dazu an, mit den Schülerinnen und Schülern in der eigenen Umgebung nach ähnlichen Orten zu suchen.

Lernvideos zu Mühldorfer Hart

Teil 1: Lagerleben und Sterben im Außenlager Mühldorfer Hart (08:52 min)

Teil 2: Zeitzeugen des Außenlagers Mühldorfer Hart (07:49 min)

Teil 3: Errichtung einer Gedenkstätte am Außenlager Mühldorfer Hart (10:59 min)

Über den Autor

Matthias_Redaktion

Matthias studierte 2006 – 2011 Geschichte und Latein auf Lehramt. Er absolvierte danach sein Referendariat und schloss mit dem 2. Staatsexamen ab. Er ist seit Oktober 2013 bei sofatutor Fachmanager für Latein.

Titelbild: ©Everett Collection/shutterstock.com