Lehrerkolleg: Durch Erfahrungsaustausch und Feedback mit und von den Besten lernen

Lehrerkolleg ist eine Initiative, die Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleiterinnen und Schulleiter dabei unterstützt, den Schulalltag durch strukturierten Erfahrungsaustausch besser zu meistern. Wir haben mit dem Gründer und Geschäftsführer Max Maendler über die Ansätze, Angebotsformen und Ziele von Lehrerkolleg gesprochen.

Ihr Ansatz ist die Überzeugung, dass Lehrkräfte der Schlüssel zum Bildungserfolg sind, aber auch jene Berufsgruppe darstellt, die oft wenig Unterstützung erfährt. Können Sie diesen Ansatz näher ausführen?

Max Maendler: „Es wird ganz viel im Bildungsbereich gemacht, es gibt zahlreiche pädagogische Debatten in Deutschland zu allen möglichen Themen, die zwar auch wichtig sind, aber am eigentlichen Kern vorbei gehen – denn der Kern ist die Qualität der Lehrkräfte. Doch diese werden leider mit ihrer komplexen Aufgabe sträflich allein gelassen. An diesem Defizit setzt Lehrerkolleg an: Wir wollen Wege finden, Lehrkräften zu helfen, damit sie das, was sie aus Berufung tun, noch besser machen.”

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Sie setzten auf strukturierten Erfahrungsaustausch als Instrument bei der Arbeitserleichterung. Dazu dient Ihr Angebot des Zirkels. Was genau ist darunter zu verstehen? Wie ist dieser Zirkel aufgebaut? Wie läuft er ab?

Max Maendler: „Die logische Antwort auf die Situation, in der jemand mit einer komplexen Aufgabe allein gelassen wird, ist, ihn mit anderen zusammenzubringen, mit denen er sich austauschen kann. Der Zirkel ist eines von zwei Formaten, das Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützt, sich selbst zu reflektieren, sich von anderen inspirieren zu lassen und auf den Erfahrungsschatz Dritter zurückzugreifen. In unseren Zirkeln geschieht dies auf eine ganz besondere Art : Es treffen dort zum einen acht Lehrkräfte aus unterschiedlichen Schulen zusammen, was einen freien und vertraulichen Austausch ermöglicht. Zum anderen folgt dieser Zirkel einem strikten Ablauf – sowohl zeitlich, als auch in der Art des Erfahrungsaustausches. So ist er nicht als gegenseitige Beratung zu verstehen sondern als reiner Erfahrungsaustausch.

Der Zirkel ist als monatliches Treffen angesetzt und jedes dieser Treffen dauert vier Stunden. Zwei der Teilnehmer haben dann jeweils eine Präsentation zu einer Herausforderung vorzubereiten, vor der sie momentan stehen. Diese Präsentationen werden vorher gecoacht, damit sie wirklich auf den Punkt vorgestellt werden. Anschließend erzählt jeder von seinen eigenen Erfahrungen, die zu dem Thema des Vortragenden eine emotionale Verknüpfung haben. Ein sehr bewährter Ablauf, der auch unter dem Terminus ‚Gestaltprotokoll‛ bekannt ist.”

Weiterhin haben Sie ein Peer-to-Peer Netzwerk aufgebaut, das einen stetigen Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen im ganzen Bundesgebiet ermöglicht. Können Sie zu diesem Ansatz Näheres erläutern?

Max Maendler: „Diesen digitalen Austausch nennen wir Pool. Dieser Pool funktioniert letztlich ähnlich wie der bereits vorgestellte Zirkel, nur in digitaler Ausführung. Stehe ich als Lehrkraft vor einer Herausforderung, gibt es in den meisten Fällen ‚dort draußen‛ jemanden, der diese Herausforderung bereits gemeistert hat. Und der Pool ermöglicht ein Matching zwischen meiner Herausforderung und der Erfahrung von jemand anderem. Über einen komplexen Algorithmus wird diese Verbindung errechnet und funktioniert quasi wie ein immer wieder abrufbarer Telefonjoker.

Hauptaugenmerk liegt hier auf dem direkten telefonischen Austausch, da Erfahrungen nicht per Wissensmanagement zu teilen sind. In dem Moment, in dem es um wirklich große Herausforderungen geht, muss ich mich austauschen und mit jemanden reden können. Und unser Beitrag ist letztlich die Vermittlung dieses Austausches. Zurzeit befinden wir uns damit in einer geschlossenen Testphase und werden den Pool Anfang nächsten Jahres für die breite Masse öffnen.”

Einer der Ansätze von Lehrerkolleg ist es auch, Lehrkräfte sowie Schulleiterinnen und Schulleiter zu animieren, Kompetenzen weiter auszubilden und zu evaluieren? Wie erfolgt die Umsetzung dessen?

Max Maendler: „Hier setzen wir die Feedback- und Wirksamkeitsmessung an. Auch noch in der Testphase befindlich, haben wir ein Tool entwickelt, mit dem sich Lehrerinnen und Lehrer ganz einfach und innerhalb von drei Minuten eine Rückmeldung aus der Klasse einholen können. Denn ein weiterer Punkt, der Lehrkräften neben dem Erfahrungsaustausch eklatant fehlt, ist eine strukturierte Rückmeldung zur Wirksamkeit ihres Unterrichtens. Natürlich bekommen sie stetig Rückmeldungen, allein durch den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und jede Lehrkraft besitzt ja auch ein ‚Bauchgefühl‛. Aber wenn man eine detaillierte Rückmeldung jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin mit acht einfachen Fragen misst, dann kann man deutlicher erkennen, wo und bei wem der Schülerinnen und Schüler was funktioniert und was man noch besser machen könnte. Das sind dann nicht nur zusätzliche Erkenntnisse, sondern eine Feedback- und Wirksamkeitskultur kann Lehrkräfte ebenso dabei unterstützen, Zweifel auszuräumen und den Unterricht noch besser zu machen.”

Weitere Informationen

  • Anmeldung zum Zirkel unter office@lehrerkolleg.de.
  • Das erste Zirkeltraining ist kostenfrei. Jede weitere Teilnahme beträgt 48 Euro/Monat.
  • Die Teilnahme an den Digitalprodukten ist kostenfrei und unabhängig vom Zirkel ab 2015 abrufbar.

Wie sind die Rückmeldungen auf Ihr Angebot?

Max Maendler: „Es ist erstaunlich zu sehen, wie schnell sich die Lehrkräfte und Schulleiterinnen und Schulleiter öffnen und in die Tiefe gehen, wenn sie sich in einem strukturierten und sicheren Umfeld befinden und vor den Meinungen anderer nichts zu befürchten haben. In der Regel haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber zunächst etwas Respekt, insbesondere vor dem Zeitinvest.
Dann ist es aber toll zu sehen, was wertschätzendes Feedback auslösen, welche Energieschübe das freisetzen kann. Und nicht zu vergessen, die oft abhanden gehende Erkenntnis: ‚Ich bin mit meinen Problemen und Sorgen nicht allein‛.
Speziell die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Zirkel sind im ersten Schritt erleichtert, dann inspiriert und Monat für Monat treten dann die Verbesserungen ein. Von jenen Lehrkräften, die es einmal probiert haben, bekundeten bisher 90 Prozent, dass sie unbedingt weitermachen wollen.”


Titelbild: ©Monkey Business Images/shutterstock.com