Bodyshaming – wenn Modetrends zum falschen Selbstbild führen

Kritik am Körper trifft uns alle: Vielleicht ziehen wir uns nicht so an, wie wir gern würden oder trauen uns nicht, ohne Make-up aus dem Haus zu gehen. Woher kommt das Phänomen „Bodyshaming“ und wie kommen wir darüber hinweg?

Bodyshaming ist eine Form von Mobbing

Zu dick, zu dünn, zu wenig Kurven, die falschen Kurven, Röllchen, Behaarung oder ein asymmetrisches Gesicht – irgendetwas haben wir immer an uns auszusetzen. Besonders durch Apps wie Instagram und Co., in denen die Wahrheit gefiltert wird, steigt der Schönheitsdruck quasi täglich: Perfekte Frauen- und Männerkörper bedeuten Tausende von Likes. Wer da nicht mithalten kann, wird schnell von anderen verurteilt. „Bodyshaming“ betrifft Jungen wie Mädchen gleichermaßen. Es kann als eine Form von Mobbing betrachtet werden, bei der Menschen auf ihre Körper reduziert und dafür verurteilt werden. „Schau mal, die mit dem Doppelkinn oder der mit den dürren Armen“, heißt es dann beispielsweise.

Schönheitsideale und Trends führen zu Bodyshaming

Dass wir uns mit anderen Menschen und ihren Körpern vergleichen, ist nichts Neues, denn jedes Jahrzehnt hat seine eigenen Schönheitsideale hervorgebracht. Die Fünfzigerjahre feierten die eher kurvige Marilyn Monroe, ein Jahrzehnt später war das schlanke Supermodel Twiggy en vogue. Was gestern schön galt, kann schon heute als unschön gelten. Da mitzukommen, ist natürlich schwer.
Mythos_Marilyn_Monroe

Das Bedürfnis, dazuzugehören und von einer breiten Masse gemocht zu werden, ist menschlich. Wenn wir zu uns selbst jedoch unmenschlich behandeln, uns Dinge verbieten oder auferlegen, gehen wir im Optimierungswahn zu weit. Das passiert leicht, wenn einem die Werbung und Magazine Tag für Tag einen bestimmten Körpertyp präsentieren, der als nachahmenswert gilt. Hinzu kommen Themen wie Körperbehaarung, die gesellschaftlich mit solcher Scham besetzt sind, dass viele Mädchen sich nicht trauen, sich unrasiert in der Öffentlichkeit zu zeigen. Für einige von uns wird der Druck, schön zu sein, so unerträglich, dass sie bestimmte Kleidungsstücke nicht tragen, aus Angst, dafür gehänselt zu werden. Das kann depressiv und krank machen. Aber Bodyshaming betrifft eben nicht nur einige von uns, sondern alle.

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Der Kampf gegen Bodyshaming

Seit einiger Zeit sind die Stimmen gegen das Bodyshaming und der Wunsch nach alternativen Körperbildern glücklicherweise lauter geworden. Der Pflegeprodukthersteller Dove lichtete für eine Werbekampagne schon vor einigen Jahren fülligere Frauen ab.

Zu den schlanken Models kamen dann noch sogenannte „curvy models“ auf den Laufsteg. Das US-amerikanische Model Ashley Graham war 2016 das erste „curvy model“, das es auf das Cover der Sports Illustrated geschafft hat. Über den Begriff „Plus-Size-Model“ kann man jedoch debattieren, schließlich sind die vermeintlichen Plus-Size-Models oft normalgewichtige Frauen, die den Modelstandards nicht entsprechen, aber gesund und gut proportioniert sind.

Gearing up for the weekend!!!👙👙👙

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Auf Instagram gibt es nun auch immer mehr Menschen, die sich gegen den Körperwahn und für ein positives Selbstverständnis einsetzen. Die beiden Freundinnen Kate und Georgia von Any.Body_co sind hierfür ein Beispiel. Sie zelebrieren ihre Körper regelmäßig auf der Plattform. Auch Ashley Graham selbst postet oft Fotos von sich ohne Photoshop und Filter.

How are you feeling today? Tag your best friend and tell her she's beautiful 💗🐥 Love you @katewas_ #LoveAnyBODY

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Aktueller Film zum Thema Bodyshaming: „Embrace“

Dass schlank nicht sofort gesund und dicker nicht immer ungesund heißt, weiß auch Nora Tschirner. Die Schauspielerin hat kürzlich einige Interviews zum Thema Bodyshaming gegeben. Sie produzierte den Film „Embrace – Du bist schön“ mit.

Der Kinofilm der australischen Fotografin Taryn Brumfitt dreht sich um längst überholte Körperbilder, denen wir nacheifern, nur um dabei unglücklich werden. Das kennt Nora auch von sich selbst, die in einem Interview davon erzählte, wie sie vor Jahren zwar ein paar Kilo weniger gewogen hat, aber eben auch starke Raucherin und sehr unglücklich war. Taryn und Nora sagen mit dem Film: „Warum tun wir uns das eigentlich an? Lasst uns doch alle uns selbst, so wie wir jetzt gerade sind, akzeptieren.“

„Liebe dich, wie du bist“ – Gegen das Bodyshaming

Das klingt erstmal leichter gesagt als getan, da das Problem nicht in irgendwelchen Bauchröllchen, sondern in unserem Kopf und der Seele sitzt. Sich freizumachen und zu akzeptieren, kann etwas dauern. Aber es lohnt sich: Denn vielleicht ist es okay, im wahren Leben nicht so auszusehen, wie es der Snapchat-Filter zulässt. Vielleicht brauchen wir gar keine Perfektion. Vielleicht sind wir echt schön, so wie wir sind – sehr wahrscheinlich sogar. Denn wir sind nicht alle Fitnessblogger oder sehen aus wie Ariane Grande. Wir haben krumme Nasen, schiefe Zähne, Bauchröllchen, Cellulite und behaarte Arme – kurz gesagt: Wir sind wunderschön. Egal, was andere sagen. Und perfekt zu sein, ist langweilig.

Sei rücksichtsvoll zu dir und anderen

Klassenkameraden bzw. -kameradinnen und andere Mitmenschen auf ihr Äußeres zu reduzieren, tut keinem gut, auch dir nicht. Es ist wichtig, dass wir mit jedem Menschen respektvoll umgehen, ungeachtet des Äußeren. Auf verletzende Kommentare sollten wir daher verzichten und lieber rücksichtsvoll zueinander sein. Ein verurteilendes Wort kann einen Menschen ein Leben lang begleiten. Wir sind alle unterschiedlich und haben es verdient, akzeptiert zu werden. Und zwar uneingeschränkt und ganz ohne Filter.

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Über die Autorin

Yasmin P.

Yasmin P. ist in Berlin geboren und aufgewachsen, hat Islamwissenschaft studiert, arbeitet als freie Autorin und Journalistin. Neben Sprachen interessiert sie sich vor allem für Kultur, Musik und alles, was den Menschen noch so bewegt. Bild: © Alicia Kassebohm





Titelbild: © ronstik/shutterstock.com

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