BYOD – was jeder vom Hamburger Pilotprojekt lernen kann

Viele Lehrende haben Berührungsängste mit dem BYOD-Konzept. Das Hamburger Pilotprojekt zeigt, dass es funktioniert. Ein Zwischenstand.

Der Start in die nächste Generation

„Schule soll digital werden“, fordern Politik und Gesellschaft. Aber was sollen die Schulen tun, die nicht für jeden Schüler und jede Schülerin ein mobiles Endgerät zur Verfügung haben? Sie können die privaten Geräte der Lernenden in den Unterricht einbinden. Dieses Konzept nennt sich „Bring your own device“ („Bring dein eigenes Endgerät mit“), kurz: BYOD. Im Hamburg gibt es das Pilotprojekt „Start in die nächste Generation“. Entwickelt wurde es von der Behörde Schule und Berufsbildung (BSB) und der Senatskanzlei. Dabei setzen sechs Hamburger Schulen das BYOD-Konzept in einem Pilotprojekt um. Der Gedanke: Smartphones, Tablets und Laptops sollen zielgerichtet und sinnvoll an den Schulen im Unterricht zum Lernen eingesetzt werden. Damit die Lernenden ihre Geräte optimal nutzen können, wird ihnen ein gesichertes, schulweites WLAN zur Verfügung gestellt. Über die Plattform itslearning können alle Lehrenden und Lernenden auf Inhalte ausgewählter Lernportale wie sofatutor, Scoyo, Bettermarks, Lerneo, Scook sowie digitalen Schulbücher von Cornelsen und Klett jederzeit zugreifen.

Bei dem Halbzeittreffen des Projekts am 7. Oktober 2015 sprachen Projektleiter Michael Vallendor sowie weitere Teilnehmer und Teilnehmerinnen des BYOD-Projekts über aktuelle Entwicklungen im Projekt und zogen eine erste Bilanz:

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Viele Befürchtungen sind unbegründet

Positiv bewertet wird vor allem, dass sich die meisten Befürchtungen vor Projektbeginn nicht bewahrheiteten: So besitzen die meisten Schülerinnen und Schüler eigene, immer funktionstüchtige Geräte, die jederzeit im Unterricht eingesetzt werden können. Fehlten zu Projektbeginn einzelnden Lernenden Endgeräte, wurden diesen Leihgeräte von den Schulen zur Verfügung gestellt. Das funktionierte so gut, dass es an keiner Stelle zu sozialen Ausgrenzungen kam, berichten die Lehrerinnen und Lehrer beim Halbzeittreffen. Auch das zuverlässige WLAN an den Schulen trägt zur Zufriedenheit bei allen Lehrkräften sowie bei den Projektleitenden bei. Besonders überrascht zeigten sich viele beim Thema Ablenkung. War zuvor befürchtet worden, dass die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler unter den Endgeräten leide, so konnten die Lehrerinnen und Lehrer Positives berichten: Es sei sogar einfacher geworden, abgelenkte Schülerinnen und Schüler zu entdecken. Denn das Hantieren mit den Geräten unter dem Tisch falle viel schneller auf.

Hürden sind überwunden

Jedoch hatten die Projektbeteiligten vor Projektbeginn auch mit einigen Hürden zu kämpfen. „Nicht erwartet hatten wir die großen Probleme mit dem Datenschutz“, erzählt Projektleiter Michael Vallendor. „Hier tragfähige Regelungen auszuhandeln, hat sehr viel Zeit gekostet.“ Zukünftig müsse dies aber per Schulgesetzänderung geregelt werden, so der Projektleiter. Einige Lehrerinnen und Lehrer berichteten, dass es eine weitere Schwierigkeit war, die Einverständniserklärung aller Eltern einzuholen. Denn schon bei einer fehlenden Unterschrift muss die gesamte Klasse auf die Benutzung von eigenen Endgeräten verzichten. In einzelnen Fällen äußerten sich Eltern dem Konzept gegenüber skeptisch, da sie Angst wegen möglicher schädlicher Strahlungen hätten. Aber auch diese Hürde konnte überwunden werden, sodass alle Beteiligten beim Halbzeittreffen positiv gestimmt waren: Sie ermutigten ihre Kolleginnen und Kollegen, den Unterricht mit mobilen Endgeräten zu wagen. Nur so könne man Schülerinnen und Schüler für den Umgang mit digitalen Medien fit machen.


Tipps der Lehrenden zur Anwendungen des BYOD-Konzepts

Es gab weitere Erkenntnisse, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Hamburger Pilotprojekts „Start in die nächste Generation“ als Tipps formulierten:

  • Damit keine „verbotenen“ Webseiten angewählt werden, empfehlen Lehrerinnen und Lehrer, eine Filterbox einzurichten.

  • Die unterschiedlichen Projektziele im Unterricht sollten beachtet werden: Smartphones eignen sich für Dokumentationen und Produktionen. Textaufgaben können dann an einem Laptop oder Tablet bearbeitet werden.

  • Die Lehrkräfte empfehlen, Unterrichtseinheiten mit dem BYOD-Konzept in einem Team zu entwickeln. Das sei schneller, leichter und effizienter.




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