DFB-Eliteschule: Eine Lerninsel für Sporttalente

Leistungssportler sind hochmotiviert, diszipliniert und zeitlich sehr ausgelastet. Um sie zu unterstützen hat die DFB-Eliteschule KGS Hemmingen ihnen eine Insel gebaut.

Herr Achilles, Sie konnten Anfang Dezember an der KGS Hemmingen eine Lerninsel für 85 Leistungssportlerinnnen und -sportler eröffnen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Sven Achilles: „Dabei handelt es sich um einen top ausgestatteten Raum. In diesem befindet sich alles, was man sich medial wünscht. Wir haben ein digitales Board, sämtliche Lehr- und Lernmittel: Papier, Stifte, Kleber etc. sowie spezielle Tische untergebracht, die sich bei Bedarf zu einem Konferenztisch oder mehreren Kleingruppentischen zusammenstellen lassen. Es gibt sechs bis acht Plätze und die Wände sind mit Fußball-Plakaten und Motivationspostern dekoriert. Als DFB-Eliteschule erhalten wir jährlich Gelder, um pädagogische Angebote für die Spitzenfußballerinnen und -fußballer machen zu können. Diese Lerninsel ist so ein Beispiel.“

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Welche pädagogischen Angebote gibt es in der Lerninsel?
Sven Achilles: „Wir verfolgen das Prinzip der offenen Tür. Die Leistungssportlerinnen und -sportler können sich in Freistunden oder freien Momenten zurückziehen. Selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen ist das Hauptziel aller Angebote in der Lerninsel. Hierzu gehören u. a. die Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Klausurvorbereitungen, Kleingrupennunterricht, Nachführunterricht, Vorbereitungen für Präsentationen und Referate sowie Beratungs- und Perspektivgespräche.

Für die Hauptfächer der Klassen 8 bis 10 haben wir Lehrbücher bereitgestellt. So können die Schülerinnen und Schüler sich auch mit Fächern beschäftigen, für die sie die eigenen Bücher nicht dabei haben. Außerdem geben wir unseren Leistungssportlerinnen und -sportlern zu Beginn des Schuljahres sofatutor-Lizenzen. Wir schulen sie im Umgang mit der Plattform und in der Lerninsel können sie das Board nutzen, um Videos und Übungen abzurufen.“

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Sven Achilles: „Wir haben das Rad nicht neu erfunden, so etwas gibt es auch an anderen Schulen. Aber das Bedürfnis nach Nachhilfe ist bei unseren Leistungssportlerinnen und -sportlern verstärkt aufgetreten. Sie wollten das gern in der Schule machen. Uns fehlten allerdings gute Räume dafür. Also haben wir das ehemalige FSJ-Büro umgebaut und die Ausstattung besorgt.“

Auf welche Aspekte des Lernens haben Sie sich beim Lerninsel-Konzept besonders konzentriert?
Sven Achilles: „Unsere Leistungssportlerinnen und -sportler sind besonders belastet. Während des Schultags – sei es in Freistunden, Ausfallstunden oder im Anschluss an den Unterricht – sollen sie die Möglichkeit haben, eigenverantwortlich und selbstständig zu lernen. Sie bekommen Hilfe durch den FSJler, der ebenfalls durch den DFB ermöglicht wird, sollen aber in erster Linie motiviert arbeiten können. Unsere ersten Erfahrungen zeigen, dass sie den Raum dankend annehmen.“

Wie wird das Angebot nach Ihrer Einschätzung bisher genutzt?
Sven Achilles: „Uns ist aufgefallen, dass viele Schülerinnen und Schüler diesen Ort auch in den Pausen als Rückzugsmöglichkeit nutzen. Wir sind eine riesige Schule mit knapp 1700 Lernenden. Da steht dann der Austausch im Fokus.

Daneben wurden hier schon Nachschreibearbeiten durchgeführt. Viele der Leistungssportlerinnen und -sportler sind unter der Woche unterwegs, verpassen Arbeiten oder Klausuren. Das kann hier nachgeholt werden. Die Kolleginnen und Kollegen sind entlastet, müssen keine Aufsicht führen oder zusätzlich organisieren. Darüber sind sie erleichtert. Die kurze Phase seit Inbetriebnahme stimmt uns sehr zuversichtlich.“

Gibt es Wünsche, die bislang offen geblieben sind?
Sven Achilles: „Als nächstes sollen Tablets angeschafft werden und weitere E-Books, die mit diesen Tablets bearbeitet werden können. Perspektivisch fände ich es wünschenswert, weitere Räume dieser Art in der Schule anzubieten. So können auch andere Schülerinnen und Schülern fernab des klassischen Unterrichts druckfrei lernen und mit medialer Unterstützung lernen. Es wäre mein Wunsch, die mediale Ausstattung der Lerninsel auf dem aktuellen Stand zu halten, um innovative Impulse für den Einsatz digitaler Lehr– und Lernwerkzeuge im „normalen“ Unterricht zu geben. Ich bin sehr interessiert an sinnvollen, digitalen Lehrinhalten, die in der Schule eingesetzt werden. Sie sind Wegbereiter für neue Ideen.“

Wie kam es, dass Frau Heiligenstadt zur Eröffnung erschien?
Sven Achilles: „In der Regionalteamsitzung, in der über das Budget für den Raum entschieden wurde, saß auch das Kultusministerium. Die waren begeistert und wollten die Eröffnung gern begleiten. Ich war mir der Tragweite selbst gar nicht bewusst. Aber da haben wir uns natürlich sehr gefreut!“

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Vielen Dank für das Interview!