Lehrerbildung: Gemischtes Interesse an digitaler Kompetenz

Der aktuelle Monitor Lehrerbildung prüft das Lehramtsstudium bezüglich digitaler Themen und Inhalte. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus.

Vorhaben vs. Vorgaben

Dass Bildung und Digitalisierung zusammengehören, findet auch die Kultusministerkonferenz (KMK). Daher hat sie 2016 die gemeinsame Strategie der „Bildung in der digitalen Welt“ veröffentlicht. Darin sollen Kinder und Jugendliche im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung zu einer erfolgreichen Teilhabe an der digital geprägten Gesellschaft befähigt werden.

Von der Webseite der KMK ist auch zu entnehmen, dass „[e]ine grundlegende Voraussetzung für die Umsetzung der Strategie in der Kompetenz der Lehrkräfte [liegt], die in der Lage sein müssen, digitale Lernumgebungen professionell und didaktisch sinnvoll in ihrem jeweiligen Fachunterricht zu nutzen. Daher wird die Förderung der Kompetenzbildung bei Lehrkräften für die pädagogische Arbeit in der digitalen Welt als integrale Aufgabe der Ausbildung in allen Unterrichtsfächern sowie in den Bildungswissenschaften über alle Phasen der Lehrerbildung benannt.“

Da dieses Strategiepapier von den Kultusministerinnen und -ministern aller 16 Bundesländer unterzeichnet wurde, ist anzunehmen, dass mittlerweile auch alle daran arbeiten, auf Landes- bzw. Hochschulebene einheitliche Standards festzulegen. Immerhin soll so ermöglicht werden, den Lehramtsstudierenden diese „grundlegende Voraussetzung“ zu geben, digitale Lernumgebungen didaktisch sinnvoll einzusetzen. Das untersuchte jetzt der Monitor Lehrerbildung mit Stand vom Wintersemester 2017/2018.

Ziele einer gelungenen Lehrausbildung

Um einen sinnvollen und gewinnbringenden Unterricht in der digitalen Welt zu ermöglichen, sollten wichtige weiche Kompetenzen, wie eine offene Haltung oder Experimentierfreude, von den angehenden Lehrkräften bereits im Studium erprobt werden. Daneben müssen sie natürlich auch die nötige eigene Medienkompetenz erwerben. Einige Grundkompetenzen beim pädagogisch-didaktischen Einsatz digitaler Medien sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Das Ziel der Ausbildung sei es dann auch, dass der einzelne Schüler bzw. die einzelne Schülerin und deren individuelle Förderung im Mittelpunkt einer zukünftigen Lernkultur stehen sollten, finden auch die Macher des Monitors Lehrerbildung, namentlich die Bertelsmann Stiftung, CHE – das Zentrum für Hochschulentwicklung, die Deutsche Telekom Stiftung sowie der Stifterverband.

Neben der Strategie der KMK führt sie dann auch den Digitalpakt der Bundesregierung sowie die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des Bundesministeriums für Bildung an, um die Notwendigkeit und erklärte Bereitschaft von Länder- und Bundesseite zu untermauern, die Digitalisierung endlich in die Lehrausbildung einzubringen.

Aufbau des Monitors Lehrerbildung

Im Monitor Lehrerbildung „Lehramtsstudium in der digitalen Welt“ wurden Länder und Hochschulen im Wintersemester 2017/2018 erstmals dazu befragt, wie das Lehramtsstudium derzeit in Bezug auf den Kompetenzerwerb für digitale Medien geregelt ist und welche Rahmenbedingungen bestehen. An der Erhebung beteiligten sich 63 lehrerbildende Hochschulen und alle Bundesländer. Es wurden zwei Schwerpunkte innerhalb der Befragung gewählt.

Schwerpunkt 1: Eigene digitale Medienkompetenz der Lehrkräfte

Die Länder wurden befragt, ob es für das Lehramtsstudium landesweit einheitliche Vorgaben für Lehrveranstaltungen gibt, die den professionellen Umgang mit digitalen Medien fokussieren. In der Mehrheit der Länder existieren keine entsprechenden Vorgaben. Die Bundesländer Sachsen und Hamburg verzichten für alle Lehramtstypen auf Vorgaben dieser Art. Es gibt in einigen Bundesländern konkrete Pläne bzw. Umsetzungen, so etwa in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Für die Studiengänge der beruflichen Schulen existieren in Bayern, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen keine Vorgaben.

Monitor_Lehrerbildung_2019

Schwerpunkt 2: Sinnvoller methodischer und didaktischer Einsatz von digitalen Medien im Fachunterricht

Auch nach dem landeseinheitlichen Erwerb von methodisch-didaktischen Kompetenzen zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht fragte der Monitor Lehrerbildung. Bayern, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern verzichten hier derzeit komplett auf entsprechende Vorgaben. Für die Primarstufe/Grundschule und die SEK II für die allgemeinbildenden Fächer haben Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Saarland und Sachsen-Anhalt konkrete Pläne. Hamburg verzichtet als einziges Bundesland sowohl auf Vorgaben zum Erwerb von Medienkompetenzen als auch auf solche für mediendidaktische Kompetenzen.

Fazit der Macher des Monitors Lehrerbildung

Das Lehramtsstudium ist in allen Bundesländern laut den Umfrage-Herausgebern „noch weit davon entfernt, Inhalte zum Umgang mit digitalen Medien in allen Fächern und allen Teildisziplinen des Studiums, wie es von der KMK angestrebt wird, verbindlich festzuschreiben.“ Der Monitor Lehrerausbildung kommt zum Schluss, dass die strategische Steuerung durch die Länder aktuell noch unzureichend ist. Da die Länder bislang zu wenig einheitliche Vorgaben machten, könnten sich auch die Hochschulen nicht im Rahmen dieser Ziele, Schwerpunkte und Standards sicher bewegen. Bislang gebe es kaum Steuerungsmaßnahmen, wie Zielvereinbarungen zwischen Land und Hochschule oder Hochschulverträge zur Einbindung von digitalen Medien in der Lehrausbildung, konstatiert der Monitor Lehrerbildung. Bislang fehle es weitestgehend an eigenen Förderlinien der Länder, um die Digitalisierung gezielt und systematisch umzusetzen.

Damit bleibt die Lehrausbildung hinter ihren Erwartungen und Möglichkeiten zurück. Dr. Ekkehard Winter von der Deutschen Telekom Stiftung empfiehlt daher auch, dass sich die Hochschulen und Fachdidaktiken in den Fragen der Digitalisierung durch „Verbundarbeit und professionelle Lerngemeinschaften“ zusammentun sollten, um die Lehrerbildung zu „kooperativen Umsetzungsformen“ zu bringen.

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