Loben und herausfordern: ESBZ

Wer nur Fächer wie Mathe, Englisch und Sport langweilig findet, ist in der Evangelischen Schule Berlin Zentrum genau richtig. Dort gibt es Fächer wie „Verantwortung”, eine Tradition des Lobens und das Highlight – „die Herausforderung”.

Loben

„Das hast du toll gemacht.”, „Danke, dass du mir bei dem Projekt geholfen hast. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.” oder „Ihr habt ganze Arbeit geleistet.” So ein Lob geht doch runter wie Öl. Man wird gleich 20 cm größer. Innerlich zumindest.
Diesen Effekt nutzt die Evangelische Schule Berlin Zentrum – und hat für den perfekten Wochenabschluss Raum geschaffen, damit sich Schüler und Lehrer gegenseitig loben können. Das Ganze findet immer freitags für alle Klassen in der Aula statt.
Jede Woche ist eine andere Klasse mit der Vorbereitung dran. Es wird gemeinsam gesungen, Ankündigungen gemacht und Organisatorisches besprochen – und dann gibt es eine Zeit voller Lob.

Schüler und Lehrer kommen freiwillig nach vorne, um bestimmte Personen für etwas zu loben. Das kommt bei Allen gut an und fördert die Gemeinschaft. Die „Gelobten” fühlen sich wertgeschätzt und schüchterne Schüler werden motiviert, selbst mal auf die Bühne zu kommen und jemanden zu loben. Es wird keiner ausgelacht, der Prozess wird sehr ernst genommen.

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Verantwortung

Jeder muss früher oder später Verantwortung übernehmen. Für sein Handeln, die Familie oder im Beruf. Je eher man das lernt, desto besser.
Die Schüler der Evangelischen Schule Berlin Zentrum lernen das innerhalb des Schulalltags. Sie sollen aber nicht nur Verantwortung für sich selbst übernehmen – sondern auch für andere. Dazu gehen die Schüler der siebten und achten Klasse an einem Tag in der Woche in soziale Einrichtungen und engagieren sich dort.

Loben, Verantwortung, Herausforderung 2

Wöchentlicher Besuch © ESBZ

Sie helfen Erziehern im Kindergarten, nehmen sich Zeit für ältere Menschen oder Kranke. Sie übernehmen Verantwortung für einzelne Personen, die sich darauf freuen, die Schüler Woche für Woche zu sehen. Diese Aktion tut beiden Seiten gut – brauchen und gebraucht werden gehen hier Hand in Hand.

Die Herausforderung

An der Evangelischen Schule Berlin Zentrum gibt es keine Klassenfahrten. Dafür gibt es etwas ganz Spezielles – die Herausforderung. Alle Schüler der achten, neunten und zehnten Klassen nehmen daran teil.

Die Planung beginnt jeweils ein Jahr vorher. Die Schüler sollen sich überlegen, was sie persönlich herausfordert. Das kann z. B. das Besteigen eines hohen Berges sein oder auch die eigenständige Selbstversorgung irgendwo im Nirgendwo. Einige Schüler machen ihre Herausforderung in Brandenburg und bestreiten den Weg von Berlin dorthin mit Zug und Fahrrad.

Die Herausforderung an sich dauert drei Wochen innerhalb der Schulzeit. Lehrer, Eltern und Coaches begleiten die Schüler dabei vor, während und nach der Herausforderung. Die Coaches sind oft Studenten, die mit der Schule zusammenarbeiten.

Loben, Verantwortung, Herausforderung 1

Unterwegs mit dem Rad © ESBZ

Insgesamt gibt es jedes Jahr ca. 50 Gruppen, die an unterschiedlichen Herausforderungen teilnehmen. Die Anzahl der Teilnehmer innerhalb einer Gruppe variiert von Einzelpersonen bis hin zu 20 Schülern. Jeder Schüler hat für die drei Wochen 150 Euro zur Verfügung. Den Betrag zahlen die Eltern – kein Mehraufwand, da das Geld für Klassenfahrten entfällt.
Wenn die Herausforderung vorbei ist, gibt es einen Nachmittag, an dem die einzelnen Gruppen ihre Herausforderungen vorstellen, Videos zeigen und Anekdoten zum Besten geben.

Auch dieses Jahr gab es einige Highlights. Vier Jungs sind zusammen mit ihrem Betreuer mit dem Bus in die Slowakei gefahren und dann über die hohe Tatra nach Polen gewandert. Unterwegs haben sie in Höhlen oder im Freien geschlafen und sich selbst versorgt. Am Anfang der drei Wochen haben sie auf dem Grundstück einer Familie gewohnt und mussten deren Schafe hüten. Dieses Naturerlebnis war für die Schüler sehr spannend.
Eine andere Gruppe war in Halle aktiv und hat den Kreuzworträtselmord neu aufgerollt. Dafür haben sie verschiedene Leute zu dem Fall interviewt und die Antworten in einem Kurzfilm zusammengeschnitten.

Die Schule lebt zum Einen von ihren Projekten, die Schüler und Lehrer sehr zusammenschweißen – und bei denen die Schüler ganz besondere Erfahrungen in ihrer Schulzeit sammeln können. Zum Anderen ist aber auch der Schulalltag geprägt von selbstständigem Lernen mit wenig Druck, da die Schüler bis zur zehnten Klasse keine Noten bekommen. Trotzdem lernen alle Schüler sehr viel und gewissenhaft. Neben der Wissensvermittlung, die für einen Schulabschluss notwendig ist, steht bei der Evangelischen Schule Berlin Zentrum die persönliche Entwicklung der Schüler im Mittelpunkt.

Titelbild: Herausforderung geschafft © ESBZ