Über das Vergnügen, Menschen beim Lernen zuzusehen

Herr Rau ist eine Institution unter den Lehrerbloggern in Deutschland. Er lehrt Deutsch, Englisch und Informatik in Bayern und ist unser „Lehrer der Woche“.

Herr Rau, Sie sind mittlerweile seit zehn Jahren mit Ihrem Blog, Lehrerzimmer, in der Blogosphäre unterwegs. Was haben Sie während dieser Zeit über sich selbst gelernt?

Thomas Rau: „Ich habe während der Zeit sehr viel in der Schule gelernt. Habe ich mehr gelernt, dadurch dass ich einen Blog führe? – Ich vermute auf jeden Fall, dass ich die gelernten Dinge besser festigen konnte. Vieles von dem, was sonst verloren gegangen wäre, habe ich durch den Blog noch: Sachen, die mir peinlich waren und Sachen, die mir gefallen haben.“

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Steckbrief

Name: Herr Thomas Rau
Schule: Graf-Rasso-Gymnasium, Fürstenfeldbruck
Fächer: Deutsch, Englisch, Infomatik
Die Schülerinnen und Schüler von heute … ziehen sich viel besser an als in meiner Generation.
Die Schule von morgen … wird nicht so anders sein als die Schule von heute.
Ich werde nie vergessen als … ich mal Sachen besser wusste als mein Lehrer.

Gibt es denn Veränderungen in der Art, wie Sie bloggen oder wie Sie mit Ihren Nutzern kommunizieren?

Thomas Rau: „Ohja, früher bloggte ich viel mehr über Kleinigkeiten. Mittlerweile findet man diese netten kleinen Kommentare nur noch bei Twitter. Parallel ist es so, dass es damals mehr Lehrerblogs gab, die mich interessierten. Die Personen gibt es zwar heute auch noch, aber sie sind dann stärker auf Twitter aktiv. Ich selbst blogge auch weniger. Es gibt jetzt mehr solche „Anekdoten-Lehrerblogs“, die mich aber weniger interessieren.“

Sie sind unter anderem Informatiklehrer und Fachdidaktiker für Informatik an der LMU. Welche Programme können Sie Schülerinnen und Schüler empfehlen, die das Programmieren erlernen wollen bzw. worauf sollte man bei der Auswahl achten?

Thomas Rau: „Wichtig ist zunächst, ob das Kind selbst Programmieren lernen möchte oder ob es der Lehrer bzw. die Lehrerin oder das Bundesland möchte. Wenn er selbst lernen möchte, hängt es vom Typ ab. Man braucht vor allen Dingen einen guten Umgang mit dem Internet. Einfach eine Programmiersprache wählen, z.B. Python, ein x-beliebiges Tutorial auswählen und einsteigen!“

Und für die Schule?

Thomas Rau: „Für die Schule müssen die Programme zugänglicher sein. Daher würde ich hier Scratch empfehlen. Am Anfang ist es wichtig, dass man etwas sieht. Einfach nur Funktionen zu berechnen, ist nicht so spannend. Minecraft wäre beispielsweise auch ein guter Einstieg. Dabei geht es nicht wirklich ums Programmieren, aber man ist schöpferisch tätig.“

Finden Sie, dass den Schulen und vor allen Dingen den Lernenden ausreichend Zugang zu digitalen Medien zur Verfügung gestellt wird?

Thomas Rau: „Nein, finde ich nicht. Digitale Medien sehe ich dabei im Zusammenhang mit dem Internet. Solange an den Schulen keine schnelle Internetverbindung und kein WLAN zu finden ist, kann man mit den Geräten, die die Schule besitzt, nicht viel anfangen. Jeder Schüler hat an sich die Möglichkeit, Zugang zu digitalen Medien zu erhalten, sobald er ein Handy hat. In einer Schule ohne WLAN kann man es dann aber wenig nutzen.“

Welche Einsatzmöglichkeiten des Internets kennen Sie für den Unterricht? Fernab vom klassischen Gebrauch im Informatikunterricht.

Thomas Rau: „Die Videos auf YouTube lassen sich in jeder Fremdsprache nutzen. Verschiedene Video- und Tonschnittprogramme, die teilweise auch im Browser laufen, lassen sich wunderbar anwenden. Es gibt Programme, um das Bild vom Bildschirm und den Ton der Kopfhörer aufzunehmen, sodass man selbst Tutorials erstellen kann. Diese Möglichkeit gibt es auch webbasiert. In Deutsch oder Englisch kann man mit Textsammlungen arbeiten. In Mathematik gibt es Geogebra.“

Welche Wege konnten Sie bereits ausprobieren, um die gewünschte „Digitalisierung der Schulen“ voranzubringen?

Thomas Rau: „Im Deutschunterricht einer sechsten Klasse habe ich ein Tonschnittprogramm eingesetzt. Die Schüler hatten zuvor Erlebniserzählungen aus unterschiedlichen Perspektiven, teils mit wörtlicher Rede teils mit Erzähler, geschrieben.Im Computerraum haben wir die Geschichten mit dem Tonschnittprogramm und verteilten Rollen vertont. So entstanden ganz tolle Geschichten.

Im Englischunterricht habe ich z.B. Point-and-Click-Adventures mit Hörtextelementen benutzt.
Als Kommunikationssystem bietet Bayern Moodle an. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, auf der man Kurse einrichten kann. Moodle nutze ich eigentlich für alle Fächer. Ich finde es nicht sehr hübsch, aber es wird zentral zur Verfügung gestellt wird. Ein paar Sachen habe ich nur einmal benutzt und danach nicht wieder, beispielsweise Umfragetools. Meistens ist der Aufwand zu groß für den Nutzen.“

Was motiviert Sie heute noch an Ihrem Beruf?

Thomas Rau: „Es macht Spaß. Das Vergnügen liegt darin, Menschen beim Lernen zuzusehen. Mein Unterricht ist recht lehrerzentriert, denn es macht mir auch Spaß, meinen Schülerinnen und Schülern etwas beizubringen. Der Beruf ist abwechslungsreich, wenn man neugierig bleibt. Ich entdecke immer wieder Neues für den Unterricht und die fachlichen Inhalte.“

Hier geht es zu den anderen „Lehrer der Woche“-Interviews!