Berufe: Wie wird man … Architekt?

Wer will nicht seit der Serie How I met your mother Architekt werden und ein Gebäude entwerfen? Barbara Ettinger-Brinckmann ist Architektin und gewährt einen Blick hinter die Fassade.

Frau Ettinger-Brinckmann, Sie sind Architektin mit den Schwerpunkten Städtebau sowie Hochbau. Was kann man sich darunter vorstellen?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Grund und Boden können wir nicht vermehren. Aber die Häuser, in denen wir wohnen, arbeiten und einkaufen, brauchen ein Stück Boden. Ebenso Straßen und Wege, um zu ihnen zu kommen. Wenn wir alles zubauen würden, könnten wir und die Tiere nicht leben: Bäume, Äcker, Gärten und Spielplätze brauchen wir auch. Beim Städtebau versuchen wir, all dies in eine Ordnung zu bringen. So entstehen Orte, die schön sind und in denen wir uns wohl und sicher fühlen. Wir fassen unter Städtebau und Stadtplanung das zusammen, was in der Kleinstadt, Großstadt und im Dorf zueinander geordnet werden muss: Das kann ein neues Baugebiet sein, die Verbesserung eines bebauten Gebietes oder die Umwandlung eines Gebietes für einen neuen Zweck.“

Und wie ist das beim Hochbau?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Mit Hochbau bezeichnen wir alles, was sich oberhalb der Erdoberfläche erhebt, also Gebäude und Häuser. Der Keller der Häuser zählt auch zum Hochbau. Architekten und Architektinnen planen die Hochbauten. Sie werden dabei von Ingenieuren und Ingenieurinnen unterstützt, die spezielle Aufgaben übernehmen. Es wird z. B. ein Statiker/eine Statikerin gebraucht, der/die ausrechnet, wie dick die Stützen sein müssen, damit das Haus nicht zusammenbricht.“

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Welche anderen Bereiche gibt es in der Architektur?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Es gibt noch die Innenarchitektur und die Landschaftsarchitektur. Die Innenarchitektur befasst sich mit der Gestaltung des Hausinneren. Also mit allem, was hinter der Eingangstür liegt. Das können z. B. Arztpraxen oder Anwaltskanzleien sein. Oder man plant die Einrichtung eines großen Unternehmens mit Eingangshalle, vielen Büros, Besprechungsräumen und Kantine. Meist sind die Grenzen der Aufgaben zwischen dem Architekten bzw. der Architektin, der bzw. die ja strenggenommen ‚Hochbauarchitekt/in‘ heißen muss, und dem Innenarchitekten/der Innenarchitektin fließend. Der Landschaftsarchitekt oder die Landschaftsarchitektin nimmt sich die Freiräume vor: die Gärten und Plätze und Parks und befasst sich mit der Landschaft.“

Wie wird man Architekt/in?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Als Voraussetzung braucht man zunächst einen ordentlichen Schulabschluss, damit man an einer Universität oder Hochschule studieren kann. Das Studium dauert mindestens vier Jahre. Daran schließt sich eine zweijährige praktische Tätigkeit an, in der man alle Aufgabenfelder kennenlernt. Nach Studium und Berufspraxis stellt man einen Antrag zur Eintragung in die Architektenliste bei einer Architektenkammer. Sie kontrolliert, dass diejenigen, die als Architekt oder Architektin arbeiten wollen, ausreichend qualifiziert sind. Wir haben in Deutschland in jedem Bundesland eine Architektenkammer. Erst wenn die Kammer der Eintragung in die Architektenliste zustimmt, darf man sich Architekt oder Architektin nennen. Das ist so kompliziert, weil Architekten und Architektinnen eine verantwortungsvolle Tätigkeit haben. Wir müssen viele verschiedene Aufgabenfelder beherrschen. Daher ist ein Bachelorstudium nicht ausreichend. Der Abschluss des Studiums, der zum Beruf Architekt führt, muss ein Master sein.“

Welche Möglichkeiten hat man, sich vor der Aufnahme eines Studiums in dem Berufsfeld einzufühlen?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Das Beste ist z. B., in den Ferien ein Praktikum zu machen.“

Welche Eigenschaften sollte man als Architekt/Architektin unbedingt mitbringen?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Die Architektentätigkeit ist vielfältig: Man muss kreativ sein, um eine Vorstellung im Kopf über ein Gebäude oder einen Garten entwickeln zu können. Anschließend wird diese Vorstellung auf einen Plan übertragen. Das nennen wir Entwerfen. Meist wird der Plan zunächst mit der Hand skizziert und am Computer ausgefeilt. Man muss also sehr genau arbeiten können. Neben diesen kreativen Aufgaben gibt es viel Brotarbeit: Man muss die Baugesetze kennen, damit man später von der Behörde eine Baugenehmigung bekommt. Kosten und Flächen müssen berechnet werden, Materialien ausgesucht, Angebote ausgewertet und verglichen werden. Dafür sollte man sorgfältig und akribisch arbeiten können: Es geht meistens um viel Geld. Schließlich gibt es die Bauleitung, die auf der Baustelle kontrolliert, dass Bauunternehmer/innen und Handwerker/innen so bauen, wie es geplant wurde. Hier braucht man Teamfähigkeit und eine gewisse Führungsstärke. Meist beherrscht ein Architekt oder eine Architektin nicht alle Aufgabenfelder gleichermaßen, was bedeutet, dass man entsprechend seiner Neigung auch Schwerpunkte setzen kann.“

In welchen Schulfächern sollte man gut sein?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „In allen Schulfächern, bei denen es auf Kreativität ankommt – z. B. Kunst oder Deutsch – und auf Genauigkeit. Spaß an Technik sollte man haben, denn die Digitalisierung des Planens und Bauens schreitet mit großen Schritten voran.“

Womit haben Sie selbst zu Beginn ihrer Karriere nicht unbedingt gerechnet?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Mit dieser raschen Digitalisierung. Als ich angefangen habe, brauchte man eine Reißschiene, ein Geodreieck, einen Maßstab, einen weichen und einen harten Bleistift, einen Satz Tuschefüller und Transparentpapier. Heute braucht man einen Computer mit speziellen Zeichenprogrammen, mit denen man sein Projekt auch dreidimensional darstellen kann. “

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Die Vielseitigkeit.“

Welches Traumprojekt würden Sie gerne einmal umsetzen?
Barbara Ettinger-Brinckmann: „Die Kinderklinik, für die unser Büro in einem Wettbewerb den ersten Preis bekommen hat, die aber leider nicht gebaut wurde.“

Dipl.-Ing. Barbara Ettinger-Brinckmann

© Till Budde

Dipl.-Ing. Barbara Ettinger-Brinckmann ist seit 1980 als freischaffende Architektin tätig. Dabei hat sie sich auf die Gebiete Hochbau, Städte­bau / Stadtplanung und Verfahrensmanagement spezialisiert. Sie ist seit 2013 Präsidentin der Bundesarchitektenkammer.

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Titelbild: © Kaspars Grinvalds/shutterstock.com

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