Beitrag zur Blogparade: Mit digitalen Medien besser lernen?

Christian Ebel von der Bertelsmann Stiftung stellt in seinem Aufruf zur Blogparade die Fragen: Kann man mit digitalen Medien besser lernen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wir sind der Meinung, dass digitale Medien unbedingt für den Unterricht genutzt werden sollten.

Ob zu Hause oder im Schulunterricht – wir von sofatutor sind natürlich große Fans von mediengestütztem Lernen. Denn Videos und interaktive Übungen bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, in ihrem eigenen Tempo Fragen zu klären, Wissen zu sichern und Neues zu entdecken. Digitale Medien machen eine ganz individuelle Lernförderung möglich.

Digitale Medien in unterschiedlichen Unterrichtsphasen einsetzen

Es gibt verschiedene pädagogische Ansätze, die eine Einbindung von digitalen Medien in den Unterricht anstreben. Diese machen deutlich, dass der Medieneinsatz im Unterricht einer besonderen Planung und die Formulierung eines Ziels bedarf. Denn das wahllose Zeigen „irgendwelcher“ Videos ist kontraproduktiv, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht die Möglichkeit haben, ihr dadurch neu gewonnenes Wissen anzuwenden und zu vertiefen.

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So existieren verschiedene Methoden, wie z. B. Lernvideos in die unterschiedlichen Unterrichtsphasen effektiv integriert werden können. Wir wollen hier ein paar Anwendungsmöglichkeiten und ihre Vorteile vorstellen:

  • Das Video veranschaulicht während des Unterrichts den zuvor besprochenen Sachverhalt und dient als Grundlage einer anschließenden Diskussion.
  • Auch der Einstieg in ein neues Thema kann durch das Zeigen eines leicht verständlichen Videos geschehen.
  • Das Lernvideo wird zur Wiederholung der letzten Unterrichtsstunde gezeigt und dient als Grundlage für den weiteren Unterrichtsverlauf. Hierzu können auch interaktive Übungen zur Anwendung eingesetzt werden.
  • In der Gruppenarbeitsphase fördert ein Lernvideo die selbstständige Aneignung von Wissen, das dann in einer Gruppenaufgabe zur Anwendung kommt.
  • In der eigenständigen Lernphase (Stillarbeit) während des Unterrichts bekommt jede Schülerin und jeder Schüler durch das Videos die Möglichkeit, im eigenen Tempo zu lernen.
  • Das Zeigen eines Lernvideos am Ende einer Unterrichtsstunde sichert das erworbene Wissen besser durch den Medienmix.
  • Die Schülerinnen und Schüler schauen sich ein Videos als Hausaufgabe an. Im Unterricht wird es dann besprochen: Fragen werden geklärt und das Wissen in Aufgaben angewandt – das klassische Flipped-Classroom-Konzept.

Flipped_Classroom_Konferenz_in_Berlin

©sofatutor.com

Zu unseren Erfahrungen mit dem Flipped-Classroom-Konzept

Das oben angesprochene Flipped-Classroom-Konzept begleitet und beschäftigt uns schon eine Weile. Wir durften bereits viele spannende Menschen kennenlernen, die sich wie wir mit der aus den USA stammende Methode bzw. mit dem Medieneinsatz im Unterricht auseinandersetzen. So begleiten wir von sofatutor gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung und Prof. Dr. Christian Spannagel seit über einem Jahr drei Berliner Schulen beim Einsatz des Flipped-Classroom-Konzepts.

Das Flipped-Classroom-Konzept – kurz und knapp

Wie der Name des Konzeptes schon vermuten lässt, geht es bei der Methode darum, den Unterricht umzudrehen. Die Schülerinnen und Schüler eignen sich den Lehrstoff per Video zu Hause an. Im Unterricht werden dann Fragen geklärt und das erworbene Wissen kommt in Aufgaben zur Anwendung. Die Lehrenden gewinnen in den Gruppenarbeit- bzw. Übungsphasen in der Unterrichtsstunde Zeit, um sich den individuelle Fragen der Schülerinnen und Schüler zu widmen und fungieren als Lerncoaches. So kann die Lehrerin oder der Lehrer den Wissensstand eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin leichter einschätzen.

Was wir durch das Flipped-Classroom-Konzept über das Lernen mit digitalen Medien gelernt haben

  • Das Lernen mit Videos bietet viele Vorteile. Z. B. ist die Wissensaneignung im eigenen Tempo durch das Einlegen von Pausen und Zurückspulen möglich. Sie ist ortsunabhängig und eine detaillierte Darstellung von z. B. physikalischen Prozessen ist garantiert.
  • Das Videoschauen kann als Hausaufgabe aufgegeben werden. Damit gewährleistet ist, dass das Video zu Hause auch intensiv geschaut wird, sollten zusätzlich kleine Aufgabenstellungen aufgegeben werden.
  • Der Einsatz des Flipped-Classroom-Konzept erleichtert einen besseren Umgang mit sehr heterogenen Klassen.
    • Differenzierung: Lehrkräfte ermöglichen den Lernenden durch einen Medienmix aus analogen und digitalen Materialien verschiedene Zugänge zu einem Thema.
    • Individuelles Lernen: Gleichzeitig kann jeder Schüler und jede Schülerin im eignen Tempo lernen.
    • Zusammenarbeit bzw. kollaboratives Arbeiten: Im Unterricht bearbeiten Schülerinnen und Schüler gemeinsam die Aufgaben und präsentieren ihre Ergebnisse anschließend. Hausaufgaben werden in einem eigenen Lehrerblog oder auf Online-Plattformen wie moodle eingestellt und von den Mitschülern kommentiert.
  • Die Arbeit mit Videos wirkt sich positiv auf die Motivation vieler Schülerinnen und Schüler aus. Viele nutzen das Videoangebot von sofatutor auch freiwillig zur Wiederholung bzw. Vorbereitung anderer Fächer.

Was bei der Umsetzung des Flipped-Classroom-Konzepts noch Probleme bereitet

Den Rückmeldung der Lehrerinnen und Lehrern des Flipped-Classroom-Projekts konnten wir entnehmen, dass der Output an digitalen Medien noch viel höher sein könnte. Hier liegt das Problem in den technischen Voraussetzungen der Schulen begründet. Technische Hürden wie die Funktionsunfähigkeit von Smartboards und fehlende technische Infrastruktur machen es Lehrerinnen und Lehrern unmöglich, digitale Medien konstant im Unterricht zu nutzen. Gleichzeitig wünschen sich Lehrerinnen und Lehrer mehr Anleitung und persönliche Einführung rund um den Unterricht mit digitalen Medien.

Fazit:

Grundsätzlich berichten die Lehrerinnen und Lehrer von einem großen Mehrwert, den die Videos und interaktiven Übungen für den Unterricht mitbringen. Wir bleiben kontinuierlich dran, Lernende und Lehrende ein besseres Lernen mit digitalen Medien zu ermöglichen!

Titelbild: racorn/Shutterstock.com