Infografik: Deutschland im PISA-Vergleich

Wie schneidet Deutschland in der PISA-Studie im Vergleich zu starken Konkurrenten wie Kanada, China und Finnland ab? Wir haben es uns angeschaut.

In der Internationalen Schulleistungsstudie PISA (Programme for International Student Assessment) untersucht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenhänge und Entwicklung) die Leistungen von insgesamt 540.000 Schülerinnen und Schülern aus 72 Ländern und Volkswirtschaften. Sie stehen repräsentativ für alle 15-Jährigen der befragten Regionen, die zum Ende der Schulpflichtzeit wichtige Kenntnisse und Kompetenzen zur Teilhabe an einer modernen Gesellschaft erworben haben sollten. Die angegebene Punkte verweisen auf die erreichte durchschnittliche Punktzahl der getesteten Schülerinnen und Schüler eines Landes. Der OECD-Mittelwert bewegt sich in der Regel um 500 Punkte. Deutschland wurde mit den Ländern bzw. Regionen Kanada, Finnland, USA, Macau (China) und Japan verglichen.



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Aufgabentypen

Die Lernenden beantworten Fragen und Multiple-Choice-Aufgaben aus den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik, Lesekompetenz und einem weiteren, wechselnden Themenfeld. Die Befragung findet seit 2000 alle drei Jahre statt. Deutschland ist in den Naturwissenschaften und Mathematik seit 2006 konstant im oberen Drittel der Skala angesiedelt, in der Lesekompetenz konnte 2015 eine Verbesserung erzielt werden.

Naturwissenschaften

In der Mehrzahl der Länder mit vergleichbaren Daten sind die Schülerleistungen im Bereich Naturwissenschaften seit 2006 weitgehend unverändert geblieben.

Mathematik

Mehr als ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in den untersuchten chinesischen Regionen Peking-Shanghai-Jiangsu-Guangdong, Hongkong, Singapur und Chinesisch Taipeh zählt in Mathematik zu den besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schülern.

Lesekompetenz

Im OECD-Durchschnitt gelingt es einem Fünftel der Schülerinnen und Schüler nicht, mit ihren Leseleistungen das Grundkompetenzniveau zu erreichen. Dieser Anteil hat sich seit 2009 kaum verändert.

Bildungsgerechtigkeit

Zusätzlich füllen die Schülerinnen und Schüler einen Fragebogen über ihr Zuhause und ihre Lernerfahrungen aus. Die Schulleitungen machen Angaben zum Schulsystem und Lernumfeld.

Es wird untersucht, ob Schülerinnen und Schüler mit einer hohen Bildungsgerechtigkeit auch gute Leistungen im PISA-Vergleich erzielen. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang kann nicht hergestellt werden. So erreichen deutsche Schülerinnen und Schüler trotz ungleicher Voraussetzungen überdurchschnittlich hohe Leistungen. In der PISA-Erhebung 2015 zeigt sich jedoch, dass Kanada, Dänemark, Estland, Hongkong (China) und Macau (China) sowohl hohe Leistungen als auch ein hohes Maß an Bildungsgerechtigkeit erzielen. Die größten Verbesserungen im Hinblick auf die Chancengerechtigkeit waren im Zeitraum 2006 bis 2015 in den Vereinigten Staaten zu verzeichnen.

Forderungen der OECD aus der PISA-Studie 2015

In der Befragung der OECD aus dem Jahr 2015 wurde der Kernbereich Naturwissenschaften gesondert betrachtet. Unter den abgefragten Bereichen ist der naturwissenschaftliche Abschnitt derjenige, in dem die durchschnittlichen geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede in PISA am geringsten sind. Im Ländervergleich treten diese Unterschiede jedoch stärker zutage. Dies deutet darauf hin, dass die geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede nicht auf Begabungsunterschiede zurückzuführen sind, sondern auf Faktoren, die von Eltern, Lehrkräften, Politikverantwortlichen und Meinungsführenden beeinflusst werden können. Dabei gelte es, nicht nur die geschlechtsspezifischen Stereotype zu hinterfragen, rät die OECD, sondern auch das Spektrum beruflicher Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich für die Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Wissenschaft und Technologie eröffnen.

Die OECD fordert daher in der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse 2015, dass ein „qualitativ hochwertiger naturwissenschaftlicher Unterricht in den unteren Jahrgangsstufen“ die naheliegende Möglichkeit sei, diese Sensibilisierung zu erreichen. Ein weiteres Ergebnis sei, dass nicht die Qualifikation der Lehrkraft oder die Ausstattung des naturwissenschaftlichen Unterrichts über die Berufsentscheidung der Schülerinnen und Schüler entscheide. Vielmehr sei es die Zeit, die sie mit naturwissenschaftlichem Unterricht verbrachten und wie diese Themen ihnen in Biologie, Chemie, Physik und anderen Fächern vermittelt würden.

Karrierechancen für Lernende aus sozialschwachen Haushalten

Ein weiteres Problemfeld sieht die OECD in der Vermittlung von Karrieremöglichkeiten bei Schülerinnen und Schülern aus sozioökonomisch schwachen Haushalten. Selbst nach Berücksichtigung des Leistungsunterschieds bei den Naturwissenschaften gingen diese Lernenden kaum davon aus, später einen naturwissenschaftlichen Beruf auszuüben. Diese Einschätzung zeigte sich bei 40 der 72 untersuchten Länder und Volkswirtschaften.

Schlussfolgernd fordert die OECD, dass Schülerinnen und Schüler nicht im unteren Sekundarbereich auf unterschiedliche Bildungsgänge oder Schultypen verteilt würden. Nur so können die Unterschiede und Ungleichheiten der Bildungschancen auch für sozioökonomisch schwache Schülerinnen und Schüler und solche mit Migrationshintergrund ausgeglichen werden. Es sei eine der Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts „wie ein Wissenschaftler bzw. eine Wissenschaftlerin“ zu denken, um Beweise bewerten und Schlüsse ziehen zu können. Auch die Einschätzung, dass sich der Wahrheitsbegriff im zeitlichen Verlauf verändern kann, sei eine wichtige Erkenntnis, zu der jeder Schüler und jede Schülerin in der Lage sein sollte.





Titelbild: ©SaMBa/shutterstock.com