Der Lehrer-App-Entwickler: Ein Schüler, der Lehrenden bei der Arbeit hilft

Er wollte eine Alternative zum Papier entwickeln, sagt er uns in einem Interview – ein sehr großes Vorhaben. Jedoch meinte er genauer genommen das Papier, das Lehrende benutzen, um die mündliche Mitarbeit ihrer Schülerinnen und Schüler festzuhalten.
Mit den Plus- und Minuszeichen in kleinen Notizbüchern ist nun Schluss. Der 18-jährige Abiturient und mittlerweile Student aus Olfen (NRW) Martin Lücke hat die Lehrer-App „iseatplan” entwickelt. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten.

Alles begann mit einem Informatikkurs in der Schule. Hier wurde dem Schüler und seinen Klassenkameraden und Klassenkameradinnen das Basiswissen zur Informatik vermittelt. Doch das reichte Martin Lücke nicht. „Ich dachte mir, das kann doch nicht alles sein. Ich wollte wissen, was dahinter steckt.” So brachte er sich die Programmiersprachen interessehalber eben selber bei. Er entwickelte kleine kostenlose Spiel-Apps und begann dann im November letzten Jahres mit seinem ersten großen Projekt, die App „iseatplan” für das Tablet, eine App für Lehrkräfte.

Die digitale Alternative zum Papier

Der Sohn seines damaligen Informatiklehrers, ein Referendar, sprach Martin Lücke an, ob er eine App für Tablets entwickeln könnte. Mit einem Klick auf das Tablet sollte schnell zu vermerken sein, welcher Schüler oder welche Schülerin sich meldet oder stört oder nichts sagt oder zu spät oder schlichtweg gar nicht anwesend ist.

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Also setzte sich Martin Lücke neben den Vorbereitungen für das Abitur und den tatsächlichen Prüfungen hin und entwickelte die App, die das Leben der Lehrenden vereinfachen sollte. Die erste Version kam dann im Juli dieses Jahres auf den Markt.

Keine App für Zuspätkommer und Schweigsame

Mit dieser App ist es den Lehrenden möglich, einen individuellen Sitzplan eines Raums zu erstellen. Martin Lücke erklärt: „Der Sitzplan, den der Lehrer erstellt, ist sehr flexibel. Die Lehrkraft muss sich an kein Raster halten und kann die Schüler in der App genau so verschieben, wie es ihr gefällt und wie sie tatsächlich im Raum sitzen.”

Für jede Schülerin und jeden Schüler wird ein eigenes Profil mit Bild angelegt. Mit einem Klick auf das jeweilige Profil kann die mündliche Mitarbeit während des Unterrichts quantitativ und qualitativ bewertet werden. Auch das Zuspätkommen oder Nicht-anwesend-sein ist schnell vermerkt und auch so schnell nicht wieder vergessen.

In einer alphabetischen Tabellenansicht kann der Lehrende dann die Leistungen der Schülerinnen und Schüler vergleichen. Die App erstellt darüber hinaus ein Kurvendiagramm, das die Entwicklung der Mitarbeit einer oder eines Einzelnen anzeigt. „Da die App an kein Notensystem gebunden ist, sondern lediglich Diagramme errechnet, die der Lehrer selbst interpretieren kann, ist die App in jedem Land anwendbar”, so der Entwickler.

Namen vergessen war gestern

Die App eignet sich auch hervorragend zum Namenlernen. „Zu Hause auf dem Sofa kann das Namenspiel gespielt werden. Es werden Bilder der Schülerinnen und Schüler gezeigt und der Lehrer muss die Namen dieses Schülers oder der Schülerin eintippen.” Ein Test also, mit dem die Lehrenden ihre Namenskenntnisse überprüfen können.

Weltweites Feedback und Weiterentwicklung geplant

Rund 100 Lehrende weltweit benutzen bereits die App und Martin Lücke bekommt immer wieder Feedback unter anderem aus Amerika und Frankreich. Auch viele Weiterentwicklungsvorschläge sind eingegangen. So plant er bereits eine Funktion zum Notizenschreiben und eine, die das Geldeinsammmeln in der Klasse vereinfachen soll. Wie schnell jedoch die Weiterentwicklungen umgesetzt werden, hängt von der Zeit ab, die sein gerade begonnenes Informatikstudium ihm lässt.

Zurzeit ist Martin Lücke in Los Angeles unterwegs, um seine App auf der App Developer Conference vor einer internationalen Jury vorzustellen.

Titelbild: ©Martin Lücke