Schüler motivieren – mit Vertrauen und Kuchen

Jochen Herkert ist Mathematik- und Physiklehrer am Nicolaus-Kistner-Gymnasium in Mosbach – und Preisträger des Deutschen Lehrerpreis 2014. In einem Interview erklärt er, was Dosenöffner und Kuchen mit der Begeisterung für Mathematik zu tun haben.

Sie haben 2014 den Deutschen Lehrerpreis gewonnen. Warum, glauben Sie, haben Ihre Schülerinnen und Schüler Sie vorgeschlagen?

Jochen Herkert: „Das können Ihnen wahrscheinlich meine Schülerinnen und Schüler besser beantworten. (Er lacht.) Mir wurde gesagt, dass sie sich von mir unheimlich motiviert gefühlt haben. Ich habe offenbar bei vielen Schülerinnen und Schülern den ,Dosenöffner’ gefunden, sodass diese sich für die Mathematik und die Physik begeistern konnten.”

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Steckbrief


Name: Jochen Herkert

Schule: Nicolaus-Kistner-Gymnasium in Mosbach

Die Schülerinnen und Schüler von heute … haben das Recht, eine hochwertige gymnasiale Förderung zu erhalten!

Die Schule von morgen … ist hoffentlich die Schule von gestern.

Ich werde nie vergessen, … wie viele Schüler durch originelle Kuchen meinen Unterricht bereicherten.

Der Schulleiter Ihrer Schule sagte in einem Interview, dass Sie die Kunst beherrschen, Schülerinnen und Schüler für die Mathematik zu begeistern, die erst einmal keine Affinität zu dieser aufweisen. Was ist Ihr Geheimrezept?

Jochen Herkert: „Ich unterrichte größtenteils Schülerinnen und Schüler, die kurz vor dem Abitur stehen. Viele von ihnen haben im Laufe ihrer Schulzeit schon negative Erfahrungen mit der Mathematik gemacht, obwohl sie in dem Bereich gar nicht so ungeschickt sind.

Diese Aversion gegen die Mathematik bedeutet für mich als Lehrer, dass ich ein Verfahren entwickeln muss, um einen Zugang zu diesen Schülerinnen und Schüler zu bekommen. Ein Ausflug auf den Flugplatz, ein persönliches Gespräch in der Pause, ein Kuchen oder drei coole Sprüche im Unterricht, die nichts mit dem Fach zu tun haben, können ein Vertrauensverhältnis aufbauen.”

Das heißt, Sie nehmen den Schülerinnen und Schülern ihre Angst vor dem Fach?

Jochen Herkert: „Genau darin sehe ich meine Aufgabe als Lehrer. Ich finde den ,Dosenöffner’, wie ich es vorhin genannt habe. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich motiviert, setzen sich auch außerhalb der Schule mit den Themen auseinandern, sehen eine Besserung in den Noten und entwickeln dadurch eine Freude an der Mathematik.”

Sie haben den Deutschen Lehrerpreis u. a. wegen Ihres originellen Unterrichts erhalten. Wie gestalten Sie Ihren Unterricht?

Deutscher Lehrerpreisträger Jochen Herkert

Klasse und Kuchen © Jochen Herkert

Jochen Herkert: „Ich verlange von meinen Schülerinnen und Schülern Eigeninitiative. Das äußert sich z. B. darin, dass es fast jede Woche im Unterricht einen Kuchen gibt. Jeder backt mal einen – zum Namenstag oder weil er oder sie die beste Arbeit geschrieben hat. Dadurch entwickelt sich ein Gemeinschaftsgefühl. Das wirkt sich positiv auf den Unterricht und damit auch auf den Lernstoff aus.

Wichtig ist mir aber auch der Frontalunterricht. Die Schülerinnen und Schüler geben mir immer wieder in einem Feedback zum Ausdruck, dass sie durch diese Unterrichtsform in Mathematik am meisten profitieren.”

Sie sind nicht nur Lehrer, sondern aktiv als Ortsvorsteher Ihres Orts und erster Vorsitzender im Musikverein. Was treibt Sie selbst an? Was motiviert Sie, Schülerinnen und Schüler so für die Mathematik zu begeistern?

Jochen Herkert: „Die Mathematik ist so eine schöne Wissenschaft. Mir tut es einfach in der Seele weh, dass es so viele Menschen gibt, die schlecht über die Mathematik, über die Königin der Wissenschaften denken. Ich möchte jedem die Schönheit der Mathematik zeigen. Und wenn ich sehe, dass ein Schüler oder eine Schülerin, der oder die jahrelang nichts mit der Mathematik anfangen konnte, plötzlich eine Drei in der Arbeit schreibt und sich darüber freut und motiviert fühlt, dann bin ich es auch.”


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Titelbild: © Jochen Herkert/sofatutor.com