Tablet-Projekt: Die eigene Olympiahymne komponieren

Mit Tablets und einer achten Klasse eine Olympiahymne komponieren. Einen Musikclip dazu drehen und beim Wettbewerb gewinnen. Wie das geht, erzählt der Sport- und Musiklehrer des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin Johannes Püschel.

Digitale Bildung neu denken

Sie haben mit einer achten Klasse fächerübergreifendes Tablet-Projekt durchgeführt. Das Ergebnis: ein selbstgedrehter Musikclip mit eigener Olympiahymne. Wie sind Sie auf die Idee eines so umfangreichen Projekts gekommen?

Johannes Püschel: „Der Schulleiter fragte mich, ob wir etwas Musikalisches und Medienwirksames für die Berliner Olympiabewerbung machen könnten. Da unsere Schule angeblich die erfolgreichste Sportschule Europas ist, sollten wir dazu beitragen, die Grundstimmung für Olympia in Berlin zu verbessern. Gleichzeitig wollte ich am Wettbewerb IDEEN BEWEGEN der Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN teilnehmen. Projektarbeit für Wettbewerbe ist etwas Frisches und Lebendiges abseits vom normalen Unterricht. Das passte alles sehr gut: Ich bin Musik- und Sportlehrer und mache mit potenziellen Leistungssportlerinnen und -sportlern etwas Musikalisches im Sportkontext: Eine Olympiahymne für Berlin.“

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Aus der Hymne für Berlin ist dann aber eine Hymne für Olympia in Hamburg geworden.

Johannes Püschel: „Ja, uns war klar, dass wir flexibel reagieren müssen. Am Anfang hieß unser Projekt ‚LET THE GAMES berlin‘. Als klar war, dass Berlin aus dem Rennen für Olympia ist, haben wir es umbenannt in ‚LET THE GAMES ber/in Hamburg‘ und Kontakt nach Hamburg aufgenommen und dort einen Tag gedreht.“

[Kooperationspartner Ideen bewegen]

Die Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN ruft seit 2013 regelmäßig zum bundesweiten Schulwettbewerb IDEEN BEWEGEN auf.
Weiterführende Schulen können sich mit ihren Projektideen für den digitalen Unterricht bewerben. Den Projekten sind inhaltlich und thematisch keine Grenzen gesetzt.
Teilnehmende Schulen erhalten für den Projektzeitraum von bis zu sechs Wochen das digitale Klassenzimmer mit 30 Tablets und weiterem Zubehör aus der SAMSUNG SCHOOL SOLUTION kostenlos zur Verfügung gestellt. Dazu gibt es vorbereitende Workshops sowie pädagogische und organisatorische Handreichungen.

Mehr über die Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN erfahren Sie auch vom 16. bis 20. Februar 2016 auf der didacta in Köln in der Halle 6.1 Schule/Hochschule, Stand D50/E51.

Sie haben sich dann beim Wettbewerb IDEEN BEWEGEN der Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN beworben, bei dem das Projekt später den zweiten Platz belegt hat. Wie sieht eine solche Bewerbung aus?

Johannes Püschel: „Wir haben circa drei Monate vor dem Projektzeitraum einen Projektantrag eingereicht. Der Antrag konnte ganz frei formuliert werden. Es gab keine Vorgaben. Zusammen mit Mark Godau, Mitbegründer der Forschungstelle Appmusik der UDK Berlin, habe ich das Projektkonzept entwickelt. Für den Antrag haben wir uns selbst Fragen zum Projekt gestellt und beantwortet. Plötzlich haben wir ganze 27 Antragsseiten für den Wettbewerb eingereicht.“

Wie ging es dann weiter?

Johannes Püschel: „Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass unser Projekt ausgewählt wurde. Nachdem ich bei Samsung einen Einführungsworkshop besucht habe, bekamen wir von der Initiative DIGITALE BILDUNG NEU DENKEN für das Projekt einen Klassensatz Tablets inklusive WLAN, Drucker und einem großen Screen.“

So konnte es losgehen. Wie sind Sie in die Projektphase gegangen?

Johannes Püschel: „Unsere Projektaufgabe lautete: ‚Komponiert eine eigene Olympiahymne in zwei Monaten mit einem eigenen Musikclip. Verbreitet diesen in den Social-Media-Kanälen und bekommt 2024 Likes.‘ Diese wurde in die Klasse gegeben und Teilaufgaben formuliert. Im Plenum mit der Klassenlehrerin wurde die Klasse in Kleingruppen zu den jeweiligen Aufgaben eingeteilt.“

Das Projekt hat die Fächer Musik, Englisch, Sport, Deutsch, Ethik und Kunst verbunden.

Johannes Püschel: „Ja, in jedem Fach wurde für diese Projekt gearbeitet. Im Kunstunterricht wurde das Logo entworfen, das im Video zu sehen ist. Im Deutschunterricht die Lyrics für den Song geschrieben. In Ethik haben sich die Schülerinnen und Schüler überlegt, was bei Olympia passiert ist und wie sie es inhaltlich einbringen können. Die Grundidee der Reifenweitergabe haben wir im Sportunterricht entwickelt. Außerdem haben wir dort ausprobiert, wie Bewegungsszenen mit der Kamera aufgezeichnet werden können. In Englisch wurden weltweit Schulen angeschrieben, die bei unser filmischen Reifenübergabe mitwirken sollten. Und in Musik haben wir die Corporate Identity für das Video entwickelt und natürlich die Musik gemacht.“

Die Hymne wurde nur mithilfe von Tablets komponiert. Wie kann man sich das vorstellen?

Johannes Püschel: „Es gibt Apps, z. B. Yellofier, mit denen man eine komplette Hintergrundmusik erstellen kann. Es wird nicht mit Noten, sondern mit dem Ohr gearbeitet – ganz nach dem Prinzip ‚Trial and Error‘. Man kann den gewünschten Klang vorprogrammieren und bekommt bei richtigen Klicks zum richtigen Zeitpunkt den Sound, den man sich vorgestellt hat. Mit einer anderen App werden die Stimmen aufgezeichnet.“

Haben Sie Ihrer Klasse zuvor eine Einführung zu den Apps gegeben?

Johannes Püschel: „Die Schülerinnern und Schüler durften jede App verwenden, die sie für eine bestimmte Aufgabe benutzen wollten. Sie mussten aber selbst herausfinden, wie diese funktioniert. Wir haben uns die Apps gegenseitig mithilfe von YouTube-Tutorials erklärt. Ein bisschen wie bei der Flipped-Classroom-Methode.“

Wie sah es mit der Medienkompetenz bei Ihren Schülerinnen und Schüler aus?

Johannes Püschel: „Interessant für mich war, dass die Schülerinnen und Schüler sich zwar viel aber gleichzeitig sehr einseitig mit digitalen Medien beschäftigen. Sie sind in Chatforen unterwegs und kennen sich da auch bestens aus. Ich kann mich erinnern, wie ein Schüler zu mir sagte: ‚Ich wusste gar nicht, dass man so viel mit Tablets machen kann, z. B. Internetseiten erstellen.‘ Ich dachte vorher, dass sie mehr Erfahrungen mitbringen und in dem Bereich schon selbstständiger sind.“

Wie sah Ihr pädagogisches bzw. Ihr persönliches Ziel aus?

Johannes Püschel: „Mein großes pädagogisches Ziel war es, dass die Schülerinnen und Schüler Eigenmotivation und Eigenantrieb in der Schule entwickeln. An unserer Schule haben die Schülerinnen und Schüler einen straffen Zeitplan: Morgens haben sie Sportunterricht. Dann absolvieren sie das gleiche Pensum Schule wie ‚normale‘ Schülerinnen und Schüler. Abends trainieren sie nochmal und am Wochenende haben sie Wettkämpfe. Irgendwo dazwischen machen sie Hausaufgaben. Deswegen war es mir wichtig, ein offenes Projekt zu machen, dass sie in der Schulzeit vollenden können.“

Haben die Schülerinnen und Schüler Eigenmotivation entwickelt?

Johannes Püschel: „Ja! Nach drei Wochen habe ich die erste Mail um sieben Uhr morgens von einem Schüler mit Vorschlägen zum Projekt bekommen. Plötzlich stellten sie Fragen, knieten sich richtig rein und waren stolz, wenn etwas so geklappt hat, wie sie es sich vorgestellt hatten.“

Gibt es ein Medienkonzept an Ihrer Schule?

Johannes Püschel: „Es gibt kein umgesetztes Medienkonzept. Im Bereich Informatik wird Moodle an der Schule eingesetzt und wir haben auch Laptopwagen. Aber wenn das Konzept beinhaltet, dass jeder Fachbereich diese Dinge nutzt, dann ist das Medienkonzept noch nicht ausgereift.“

Hat sich das im Nachgang verändert bzw. hat das Projekt etwas angestoßen?

Johannes Püschel: „Ich hatte das Gefühl, unser Projekt hat am Winterschlaf gerüttelt. Das Thema unseres nächsten schulinternen Weiterbildungstags wird die digitale Welt sein. Wir wollen gucken, was an unserer Schule möglich ist. Ich glaube, der größte Erfolg des Projekts ist, dass in diesem Bereich etwas passiert.“

Tipps von Herrn Püschel an Lehrerinnen und Lehrer

  • „Sie sollten eine eigene Idee in einem Projekt umsetzen, damit sie motiviert bleiben.“
  • „Suchen sie sich eine gute und engagierten Klasse, um ein großes Projekt durchzuführen.”
  • „Nicht alle Lehrer sind scharf darauf, Neues zu entdecken und viel Mehrarbeit auf sich zu nehmen. Überlegen Sie also vorher, mit wem Sie das Projekt umsetzen möchten.“
  • „Fragen Sie die Schulleitung, ob sie hinter dem Projekt steht. Ohne die Unterstützung unserer Schulleitung wäre unser Projekt nicht möglich gewesen.“

Bilder: © Johannes Püschel / sofatutor.com