Wie ein Lehrer seine Schüler für Mathe begeistert

Im Gastbeitrag auf edutopia erklärt ein Mathe-Lehrer, wie er Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe für seinen Unterricht gewinnt. Eine Inspiration.

Mathe – das ungeliebte Übel

Mathe ist eher nicht das Lieblingsfach der meisten Schülerinnen und Schülern. Das hat den US-amerikanischen Mathe-Lehrer und edutopia-Gastautor Dr. Matthew Beyranevand dazu inspiriert, Techniken auszuprobieren, die sowohl den Bildungsstandards entsprechen als auch die Lernfreude bei den Jugendlichen der Mittelstufe steigerten. Hier eine Übersicht in fünf Punkten.

1. Fragen stellen lassen

Klassischerweise gehen Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht so vor, dass sie Kindern einen mathematischen Lösungsweg aufzeigen, die Schritte durchgehen und ihnen so vermitteln, wie sie die richtige Antwort produzieren können.

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Um aber die Beteiligung am Unterricht und das mathematische Denken zu fördern, sollen die Schülerinnen und Schüler diejenigen sein, die die Fragen stellen – nicht die Mathebücher oder der Lehrer bzw. die Lehrerin. Beyranevand schlägt vor, ein Problem in die Klasse zu geben, zu der die Lernenden mögliche Aufgabenstellungen formulieren. Als Beispiel malt er einen Quader an die Tafel, ohne einen beschreibenden Text oder die Angabe von Dimensionen vorzugeben. Dann fordert er die Klasse auf, Fragen zu stellen, die mithilfe dieser Figur beantwortet werden können.

So wird das mathematische Denken geschult, das später im Studium oder in der Forschung benötigt wird. Man stellt Fragen, experimentiert und spezifiziert aufgrund der Erkenntnisse seine Aussage. Die Schülerinnen und Schüler hätten so die Chance, wie Mathematikerinnen und Mathematiker zu denken und nicht nur wie Computer, meint der Mathe-Lehrer.

2. Musikvideos mit Mathe

Um die Begeisterung für das Fach Mathe zu steigern, empfiehlt Beyranevand, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Musikvideos zu drehen, die sich mit mathematischen Themen auseinandersetzen. Dazu nimmt er aktuelle Popsongs und lässt die Texte derart abwandeln, dass sie Pi, trigonometrische Funktionen oder das Thema „Mathe und Mädchen“ thematisieren. Ein Beispiel gefällig?

3. Positive Einstellung

Lehrerinnen und Lehrer sollten den Lernenden vermitteln, dass Fehler und ein eigenes Lerntempo nichts Negatives sind. Denn die negative Einstelllung hindere nach Aussage des Mathe-Lehrers viele Kinder daran, Mathe als spannendes Unterrichtsfach zu empfinden. Doch mit einer positiven Einstellung und einer guten Lernkultur sei dies aus seiner Erfahrung möglich. Auch Studien konnten nachweisen, dass Stress und negative Erfahrungen mit dem Fach Mathe oft lebenslange Konsequenzen nach sich ziehen.

4. Verschiedene Lösungswege

Meistens bekommen Schülerinnen und Schüler im Mathe-Unterricht nur einen einzigen Lösungsweg für ein mathematisches Problem beigebracht. Das helfe jedoch nicht dabei, Mathe wirklich zu begreifen, findet Beyranevand. Stattdessen sollten Kinder anhand ihrer Präferenzen und Vorerfahrungen verschiedene Lösungswege aufgezeigt bekommen oder auch selbst finden dürfen. Dabei gehöre es außerdem dazu, Gegenbeispiele oder Situationen zu finden, in denen dieser Lösungsweg vielleicht nicht funktioniert. Das fördere Kreativität und die Fähigkeit zur Problemlösung bei Kindern.

Auch hier gibt Mathe-Lehrer Beyranevand ein Beispiel:

5. Ein Netzwerk aufbauen

Um sich über verschiedene Methoden und Unterrichtsbeispiel auszutauschen, kann es hilfreich sein, sich mit anderen Mathe-Lehrerinnen und -Lehrern zu vernetzen. OER-Netzwerke, der Lehrer-Account auf sofatutor.com oder der EdChat auf Twitter sind außerdem gute Möglichkeiten, neue Materialien und Ideen für den Unterricht zu bekommen.



Ein letzter Hinweis, der vielleicht am wichtigsten ist: Erinnern Sie sich daran, warum Sie Mathe-Lehrerin oder Mathe-Lehrer geworden sind. War es die Liebe für die Mathematik oder für das Unterrichten? Wenn Sie mit Ihrer Leidenschaft für das Thema als gutes Beispiel vorangehen, werden Schülerinnen und Schüler folgen und die Faszination für das Fach erkennen.

Titelbild: © Diego Cervo/shuttterstock.com