Buchtipps: Lehrer in der Hauptrolle

Einst wurden Lehrerinnen und Lehrer in der Literatur hauptsächlich als Klassenzimmertyrannen und Zuchtmeister dargestellt. Nun entdeckten deutsche Autoren Lehrende als tragische Helden.

Becks letzter Sommer von Benedict Wells

Becks letzter Sommer

Becks letzter Sommer © Diogenes

Nachdem sein Traum einer Musikkarriere gescheitert ist, kehrt Beck als Lehrer an das Georg-Büchner-Gymnasium zurück – die Schule, an der sein Vater schon unterrichtet hatte, an dem er selbst sein Abitur gemacht hat. Wie er das Gebäude hasst. Doch ein Schüler weckt sein Interesse – das musikalische Wunderkind Rauli aus Litauen. Zusammen geht es auf eine Reise von München durch Osteuropa nach Istanbul. Es ist ein humorvoller, manchmal trauriger, aber hoch unterhaltsamer Roman über Musik, das Leben und die Liebe.

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Das Buch wird gerade mit Christian Ulmen in der Rolle des Lehrer Becks verfilmt.

Diogenes Verlag; ISBN 978-3-257-24022-1; 10,90 €


Lehrerzimmer von Markus Orths

Lehrerzimmer

Lehrerzimmer © Schöffling

Lehrerzimmer ist ein schwarzhumoriger und satirischer Blick auf die Schule. Studienassessor Kranich lernt bereits an seinem ersten Tag, auf welche vier Säulen sich das gesamte Schulsystem stützt: Angst, Jammer, Schein und Lüge. Überspitzt wird das Direktorium als Stasi dargestellt, für die Kranich spitzeln soll, und seine Kollegen als verbeamtete, verklemmte Bürgerrechtler, mit denen er einen Widerstand anzetteln möchte.

Die Novelle „wird in vielen Lehrerzimmern auf zustimmendes Kopfnicken und verschwörerisches Lächeln stoßen,‟ meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Schöffling & Co.; ISBN: 978-3-89561-095-0; 18,90 €

Der Hals der Giraffe von Judith Schalansky

Der Hals der Giraffe

Der Hals der Giraffe © Suhrkamp

Überleben tut nur, wer sich anpasst. Das weiß niemand besser als Biologielehrerin Inge Lohmark, die am Charles-Darwin-Gymnasium in einer Kleinstadt im hinteren Vorpommern unterrichtet. Doch nicht mehr lange, denn in vier Jahren schließt die Schule – mangels Nachwuchs an Schülerinnen und Schülern. Als sie Gefühle für eine Schülerin entwickelt, die über die übliche Hassliebe für die Jugend hinausgehen, versucht sie entgegen ihres darwinistischen Lebensprinzip zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Autorin Schalansky hat mit Der Hals der Giraffe einen sogenannten Bildungsroman erschaffen, der so viel mehr ist als ein Lehrbuch. Als „Glücksfall für die deutsche Literatur” feiert die ZEIT die junge Schriftstellerin.

Suhrkamp; ISBN: 978-3-518-46388-8; 9,99 €


Große Ferien von Nina Bußmann

Große Ferien

Große Ferien © Suhrkamp

Jätend sitzt Lehrer Schramm in der Auffahrt zur elterlichen Wohnung – und das den ganzen Roman über. Denn Schramm hat Zeit. Seit Monaten war er nicht mehr in der Schule. Etwas ist mit einem Schüler vorgefallen, doch was genau, erfährt der Leser nicht. Von Anfang sieht alles nach Tabubruch und Skandal aus, doch Autorin Bußmann kreiert in ihrem Debütroman eine Geschichte des Miss- und Nichtverstehens, bei dem der Leser am Ende nicht genau weiß, was er eigentlich gelesen hat.

Suhrkamp; ISBN: 978-3-518-42278-6; 17,95 €

Der nächtliche Lehrer von Klaus Böldl

Der nächtliche Lehrer

Der nächtliche Lehrer © Fischer Verlage

Im Böldls Roman geht es mehr um Wahrnehmungen als Handlung. Der Fluss der Sprache ist ruhig, einfach und klar, die Geschichte dagegen dramatisch. Der junge Lehrer Lennart zieht in eine kleine Stadt im hohen Norden von Schweden, wo er die Bibliothekarin Elisabeth kennenlernt und heiratet. Doch kurz darauf stirbt Elisabeth bei einem Unfall und Lennart verwandelt sich in einen Einzelgänger, der seine Zeit auf einem prähistorischen Grabhügel verbringt und bald seinen Job als Lehrer an den Nagel hängt. Nur ab und zu wandelt er nachts wie ein Gespenst durch die Schule.

S. Fischer Verlag; ISBN: 978-3-10-007627-4; 16,95 €




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