Flipped Classroom – eine Infografik, die alles erklärt

Flipped Classroom, Umgedrehter Unterricht oder auch Inverted Classroom nennt sich die aus den USA stammende Unterrichtsmethode. Was sich hinter dem Namen verbirgt, wer die Methode erfunden hat und wie sie umgesetzt wird, erfahren Sie in unserer Flipped-Classroom-Infografik.


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Alles rund um „Flipped Classroom”

Die Flipped-Classroom-Methode wird im universitären Kontext in Deutschland meist „Inverted Classroom” genannt. Übersetzt heißt beides soviel wie „Umgedrehter Unterricht” oder „Umgedrehtes Klassenzimmer”.

Traditioneller Unterricht

1. Unterrichtsstunde:

  • Input (häufig) durch Lehrervortrag
  • Wenig Zeit für Interaktion

2. Hausaufgaben:

  • Nachbereitung
  • Übung/ Transfer

Flipped Classroom

1. Hausaufgabe:

  • Vorbereitung
  • Input durch digitale Lernmaterialien

2. Unterrichtsstunde

  • Besprechen/ Klären von Fragen
  • Übung/ Transfer

Wer hat’s erfunden?

Auch wenn LehrerInnen weltweit schon immer versucht haben, ihren Unterricht zu optimieren und neue Wege zu gehen – der Anstoß für den Flipped Classroom kam auf den USA.

J. Bergmann und A. Sams von der Woodland Park High School haben 2007 eine Idee: Sie filmen ihren Unterricht und stellen die Videos für fehlende SchülerInnen online.

Die Flipped-Classroom-Methode verbreitet sich in den USA: Bergmann und Sams beginnen, Vorträge über die Methode für KollegInnen zu halten.

Flipped Classroom kommt nach Deutschland: Die Methode wird zunächst vorrangig an Universitäten angewendet, aber auch an deutschen Schulen wird zunehmend „geflippt”.

Und wie wird’s gemacht?

Planen: Thema finden, Inhalte für die Videos herausarbeiten, Unterrichtsaktivitäten anpassen, Videoaufnahmen organisieren

Videos produzieren: Eigene Videos aufnahmen (Frontalvideo, Videocast) oder Fremdvideos nutzen

Videos bereitstellen: Videos SchülerInnen zukommen lassen

Video ansehen: SchülerInnen schauen Video zu Hause, schreiben mit und notieren sich Fragen – alles im eigene Tempo

Fragen klären: Im Unterricht auf Video-Vorwissen aufbauen und Fragen klären (Quiz, Fragerunde, etc.)

Wissen vertiefen: Vertiefende Unterrichtsaktivitäten (Gruppenarbeit, Übungen, „Lernen durch Lehren”, …) mit Begleitung durch die Lehrkraft

Tipps für den Einstieg

  • Fangen Sie klein an und „flippen” Sie zunächst nur eine Unterrichtsstunde.
  • Nutzen Sie das große Angebot externer Videos für sich.
  • Seien Sie nicht zu perfektionistisch bei der Produktion Ihrer eigenen Videos.
  • Arbeiten Sie im Team und tauschen Sie Materialien mit KollegInnen aus.

Fragen und Antworten

Woher bekomme ich die Videos?
Diese können Sie entweder selbst erstellen oder Sie nutzen Angebote wie Klassenlizenzen bei sofatutor oder Videos von anderen LehrerInnen.

Wie bekommen meine SchülerInnen die Videos?
Stellen Sie die Videos z. B. auf der Schulhomepage, auf Youtube oder auf einer eigenen Website zur Verfügung. Und versenden Sie ggf. den Link per Mail.

Wie stelle ich sicher, dass das Video angeschaut wird?
Lassen Sie sich Notizen zeigen oder eröffnen Sie die Stunde mit einem Quiz. Sie können auch Arbeitsblätter zusammen mit dem Video herausgeben.

Und wenn SchülerInnen kein Internet haben?
Stellen Sie die Videos dann offline (DVD, USB-Stick) bereit. Oder binden Sie sie direkt in den Unterricht (In-Class Flip) ein.

Meine SchülerInnen schauen nur oberflächlich!?
Kombinieren Sie das Video stets mit einem Arbeitsauftrag und führen Sie Ihre SchülerInnen in das Lernen mit einem Video unbedingt ein.

Erfahrungen und Erkenntnisse

In den USA gibt es vielversprechende Beispiele, wie sich durch Flipped Classroom neben der Zufriedenheit und Bereitschaft auch die Leistung der SchülerInnen verbessert hat.

Clintonale High School, Michigan

Erfolgsquote: Englischkurs

  • 2010: 48 %
  • 2011: 81 %

Byron High School, Minnesota

MCA-Erfolgsquote in Mathe

  • 2008: 50,5 %
  • 2011: 73,8 %

UNC Eshelman School of Pharmacy, North Carolina

Abschluss-Test-Score (kumulativ)

  • 2011: 80 %
  • 2013: 85,1 %

Hier einige Stimmen aus Deutschland

Für Deutschland gibt es noch keine vergleichbaren Studien. Aber auch hier verwenden Lehrkräfte an Schulen und Universitäten die Methode des “Umgedrehten Unterrichts”.

Sebastian Schmidt, Lehrer in Bayern: „Mit Flipped Classroom kann ich Unterrichtszeit effizienter nutzen, dass selbstorganisiertes Lernen der Schüler leichter möglich wird und meine Lehrer-Zufriedenheit wächst.”

Prof. Dr. Christian Spannagel, Pädagogische Hochschule Heidelberg: „Vorlesungen sind lehrerzentriert. Ich möchte meine Studierenden aktivieren und mit ihnen gemeinsam arbeiten. Flipped Classroom ist dafür eine sehr gute Methode””

Alexandra Kück, Lehrerin aus Hamburg und Buchautorin („Unterrichten mit dem Flipped Classroom-Konzept”): „Flipped Classroom ist ein hervorragendes Konzept, um eigenverantwortliches Lernen zu fördern – und das ist meines Erachtens die einzige Unterrichtsform, bei der Lernen wirklich funktioniert.”

Felix Fähnrich & Carsten Thein, Lehrer aus Baden-Württemberg: „Jetzt haben wir als Lehrkräfte viel mehr Zeit im Unterricht, um uns individuell und differenziert um die Probleme der Schüler zu kümmern.”

Aktuell arbeiten sofatutor, die Bertelsmann-Stiftung und die Pädagogische Hochschule Heidelberg zusammen mit drei Berliner Schulen an dem Projekt „Flip Your Class!”. Im Projekt werden Unterrichtszenarien zur Methode „Flipped Classroom” erstellt und im Rahmen eines Design-Based-Research-Ansatzes untersucht.
Mehr Informationen unter: www.flipyourclass.de.

Quellen
http://assets.pearsonschool.com/asset_mgr/current/201317/Clintondale_casestudy.pdf
https://echo360.com/flipping-classroom-effective-teaching-method/
https://flippedlearning.org/definition-of-flipped-learning/
http://schoolsofthought.blogs.cnn.com/2012/01/18/my-view-flipped-classrooms-give-every-student-a-chance-to-succeed/
https://www.educause.edu/ir/library/pdf/eli7081.pdf


Was halten Sie vom Flipped Classroom? Oder haben Sie gar schon Erfahrungen mit dem „Umgedrehten Klassenzimmer” gemacht? Wir freuen uns über Kommentare von Ihnen.


Titelbild & Infografik: sofatutor.com