„Guckt mal, da ist Jesus! Der ist vom Kreuz abgekommen!“ – Die besten Schülersprüche

Pünktlich zu den Ferien packt Frau mit Klasse symbolisch ihren Schulranzen aus. Sie gibt Schülerinnen- und Schüler-Weisheiten der letzten Jahre zum Besten.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen

Das Zitat aus der Überschrift verkündete vor einigen Jahren ein Schüler, als ein langhaariger Mann an uns vorbeilief. Damals habe ich noch als Vertretungslehrerin gearbeitet und wusste: Diese Sprüche musst du sammeln und dir notieren!

Bis heute verfahre ich so. Immer wenn Schülerinnen und Schüler etwas sagen, was es sich aufzuschreiben lohnt, tue ich es. Ich wurde sogar mal gefragt: „Schreiben Sie das auf?“ – „Iiich? Ich schreib doch nichts auf!“, entgegnete ich verschmitzt.

Besonders die Feiertage bieten eine Menge Stoff. So fragte ich kurz vor den Osterferien: „Was feiern wir an Ostern?“ – Die Antwort eines Schülers: „Die Wiederbelebung von Jesus.“ Naja, fast.

Weiter ging’s mit: „Und wo ist die Osterinsel?“ – Hier wurde mir erklärt: „Dort, wo nur Eier liegen!“

Es empfiehlt sich daher, Schülerinnen und Schüler über historische und religiöse Hintergründe aufzuklären. So denken viele auch, dass der 31. Oktober ein Feiertag sei, weil da Halloween gefeiert wird. Reformationstag? Noch nie gehört.

Dass Jesus zu Weihnachten geboren wurde, ist, laut meiner Schätzung, wahrscheinlich nicht allen Jugendlichen bekannt. Auch in der Weihnachtszeit habe ich schon viel Lustiges zu hören bekommen:

Ich: „Weihnachtsmänner werden mit Schokolade übergossen.“ – Schüler: „Ich möchte nicht mit Schokolade übergossen werden.“ – Andere Schülerin: „Doch, dann könnte ich mich abschlabbern.“
Vor allem jüngere Schülerinnen und Schüler betrachten die Thematik Weihnachten mit überraschender Nüchternheit:

Schüler: „Ich habe Angst vor dem Weihnachtsmann!“ – Der Mitschüler antwortete abgeklärt: „Es gibt keinen, das sind die Eltern.“

Oder: Ich fragte einmal einen jungen Schüler: „Na, war der Nikolaus da?“ – Er schaute mich unbeeindruckt an und sagte knapp: „Den gibt‘s nicht, aber okay.“ Denen kann man auch nichts vormachen.

Elternarbeit an der Sonderschule

Meine Schülerklientel nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Die Sprüche, die ich bereits gesammelt habe, könnten ein Buch füllen.

Telefonate mit Eltern sind für mich nahezu alltäglich. Dazu wurde mir mal gesagt: „Eigentlich sind Sie voll die coole Lehrerin. Nur manchmal übertreiben Sie.“ – Ich: „Wenn ich deine Mutter anrufe?“ – Antwort: „Ja.“

Eine Kollegin drohte einmal gar einem Schüler: „Wenn du weiter den Unterricht störst, rufe ich deine Mutter an.“ – Schüler: „Machen Sie doch, dann rufe ich Ihre an.“ – Kollegin: „Mach das mal, sie freut sich über jeden Anruf.“ Danach gab es keine Störung mehr für den Rest der Stunde.

Zum Thema Elternanruf wurde ich auch schon Folgendes gefragt: „Sie fahren übers Wochenende weg? Ich komme mit! Rufen Sie meine Mutter an. Die Nummer ist …“. Und dann folgte die Telefonnummer der Familie. Habe ich natürlich nicht gemacht.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Einmal redete ich mit meinen Schülerinnen und Schülern über meine Jugendzeit. Ich: „Meine Jugend ist auch schon eine Weile her.“ – Als Antwort kam allen Ernstes: „Ja, das sieht man.“

Mein äußeres Erscheinungsbild wird insgesamt gerne von der Schülerschaft analysiert. So meldete sich während des Unterrichts mal ein Schüler, der selten etwas sagt. Ich hoffte auf einen produktiven Beitrag. Es kam anders: „Tragen Sie Größe XS? Ich würde da nicht reinpassen.“ Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ein anderes Mal sprachen wir im Unterricht über Tiere und auch hier fällt den Lernenden immer etwas ein:

Ich: „Schlangen finde ich irgendwie eklig.“ – Achtklässler: „Was denken Sie, was Schlangen von Ihnen halten?“

Doch nicht nur mir geht es so. Auch meine Kolleginnen und Kollegen geraten gerne ins Fadenkreuz:

Meine Kollegin wurde neulich von einem Schüler informiert: „Ich habe dich auf dem Fahrrad gesehen. Du sahst überhaupt nicht gut aus.“

Schlagfertig sollte man im Lehrjob also wirklich sein.

Große Persönlichkeiten

Doch nicht nur um Sprüche uns Lehrerinnen und Lehrern gegenüber sind die Schülerinnen und Schüler nicht verlegen. Auch große Persönlichkeiten, die sie nicht einmal kennen, werden genau analysiert:

Eine Schülerin urteilte einst: „Beethoven? Ich hasse den!“ Ihr Mitschüler antwortete mahnend: „Du kennst den nicht mal. Du kannst über den Charakter nicht über einen Menschen urteilen.“ Stimmt ja auch.

Sehr amüsant war auch die Reaktion auf eine Zeichenaufgabe im Kunstunterricht:
Eine Schülerin kommentierte gegenüber ihrer Banknachbarin trocken: „Sie (also ich) denkt auch, wir sind Leonardo da Vinci.“

Mit meiner Leidenschaft für Germanistik musste ich beim folgenden Zitat gedanklich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen:

„Wer ist dieser ‚Du-deen‘?“ Der Schüler meinte Konrad Duden. Ich klärte ihn auf. Unbekümmert analysierte der gleiche Schüler im weiteren Verlauf des Gesprächs: „Er (Herr Duden) sah wirklich schön aus, wie ein reicher Mann. Kennen Sie ihn?“ – Ich entgegnete mehr oder weniger fassungslos: „Dann wäre ich über 100. Sehe ich so aus?“ Und damit schloss sich wieder der Kreis zu den überraschenden Einschätzungen meiner Schülerinnen und Schüler zu meiner Person.

Aber ich will nicht behaupten, dass es nur mir so ginge. Auch meine junge Kollegin wurde schon im Geschichtsunterricht gefragt: „Waren Sie beim Zweiten Weltkrieg auch schon da?“ Zeit und Raum sind eben individuelle Größen.

Historisches Grundwissen

Denn auch das Fach Geschichte ist gut geeignet für eine Menge denkwürdiger Schülerzitate.

In der 7. Klasse sprachen wir im ersten Halbjahr des aktuellen Schuljahres über die Reformation. Ich fragte in die Klasse: „Was wurde denn dort erneuert?“ – Als Antwort kam: „Die Kirche. Die bekam neue Stützpfeiler.“ Klar, so eine architektonische Runderneuerung war bestimmt sehr nötig.

Nicht nur die Neuere Geschichte begeistert Kinder und Jugendliche. Auch die Neueste sorgt für viele Kreativität:

So fragte ich einmal im Unterricht: „Berlin wurde damals in vier Sektoren aufgeteilt. Welche waren das?“ Ein Schüler meldete sich zaghaft und versuchte es mit: „Hitler, DDR, WDR und …?“ Was soll ich sagen, ich war wieder einmal baff vor so viel Geschichtswissen.

Ich könnte ewig so fortfahren.

Das Beste zum Schluss

Aber meine Lieblingsunterhaltung mit den Lernenden aus der letzten Zeit ging so: „Frau mit Klasse, wollten Sie schon immer Lehrerin werden?“ – „Ich wollte auch mal bei einer Zeitung arbeiten und Artikel schreiben.“ – „Können Sie doch immer noch machen.“ – „Ich schreibe ja auch ganz gerne mal.“ – „Findet man da was im Internet? Haben Sie einen Künstlernamen?“ Wenn die wüssten. 😉

Ich genieße jetzt erst einmal weiter meine Osterferien und danach geht es dann wieder an die Arbeit. Anders ist es bei der Rente, dabei handelt es sich laut meinen Schülerinnen und Schülern nämlich um Ferien für Erwachsene. Bis dahin habe ich aber noch einiges zu erzählen!

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