Programmieren lernen für Kinder im Unterricht

Eine App, eine Webseite oder ein Spiel: Zeigen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, wie man diese Dinge nicht nur benutzt, sondern selbst programmieren kann.

Was muss man dafür können?

Dazu muss man eine der gängigen Programmiersprachen wie beispielsweise C++, Java oder Python beherrschen. Um Schülerinnen und Schüler spielerisch heranzuführen, bedarf es oft etwas mehr Kreativität, denn nicht jede Person möchte sofort freiwillig das Programmieren erlernen.

Warum ist das Programmieren lernen wichtig?

Dabei sind zwei Aspekte zu beachten, der bildungspolitische sowie der persönliche Aspekt. Bildungspolitisch gesehen hat Deutschland einen großen Nachholbedarf bei der Entwicklung der Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Im März 2015 wurde dazu ein gemeinsamer Antrag von CDU/CSU und SPD eingereicht:„Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“. Infolge eines Fachgesprächs stellten Bildungsexperten fest, dass nicht nur Schülerinnen und Schüler den sicheren Umgang mit PC und Internet erlernen müssen, sondern auch ihre Lehrkräfte. Auch die ICILS-Studie bescheinigte deutschen Achtklässlerinnen und Achtklässlern nur mittelmäßige computer- und informationsbezogene Kompetenzen im internationalen Vergleich. Viele Lehrer wissen auch, warum die Schülerinnen und Schüler nur im Mittelfeld glänzten.

Natürlich geht es auch um die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler: Sie sollten die Möglichkeit erhalten, digitale Bildungsmaterialien und -programme anzuwenden und den Umgang mit ihnen zu erlernen. Dazu benötigt es neben feststehenden Bildungsplänen der Länder auch die richtige Motivation der Lernenden.

Wie kann man Kinder für das Programmieren begeistern?

Dafür haben wir uns Rat bei einem Lehrer geholt, der unter anderem digitale Lehrmaterialien unter Creative Commons-Lizenz veröffentlicht. Der Deutsch- und Religionslehrer und Medienistik-Blogger Tobias Hübner kennt sich in der Welt der Digitalen Bildung aus. Er engagiert sich seit Jahren für die „Digitale Alphabetisierung“ von Schülerinnen und Schülern und hat dafür bereits viele Auszeichnungen, wie den Dieter Baacke Preis 2014, erhalten. Hübner empfiehlt, „Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, das Programmieren spielerisch in den Unterricht zu integrieren. Das geht z. B. mit der Programmiersprache ‚Scratch‘ sehr gut. In einem Unterrichtsvorhaben zur Narration in verschiedenen Medien sollten Schülerinnen und Schüler beispielsweise die erste Seite ihres Lieblingsbuchs in ein Computerspiel umwandeln. Zuerst haben sie ein Bild gemalt und dann mit Scratch versucht, einfache Animationen zu erstellen. Einige Schüler waren davon richtig begeistert und haben dann zu Hause noch weiter programmiert und die anderen Funktionen der Programmiersprache ausprobiert. Wenn man dieses ‚Aha-Erlebnis‘ vermitteln kann, ist schon sehr viel erreicht.“ Man kann die Programmier-Tools und das Programmieren lernen also auch über den Informatikunterricht hinaus in den Lernalltag der Schülerinnen und Schüler integrieren und fächerübergreifend arbeiten.

Aber reicht es nicht, wenn die Schülerinnen und Schüler WhatsApp bedienen können?

Deutsch-Lehrer Tobias Hübner sieht das anders. Er sagt: „Das kommt darauf an, ob man Kinder zu Konsumenten oder Produzenten erziehen möchte. Zum Konsumieren reichen Kenntnisse in der Bedienung völlig aus. Wenn man allerdings möchte, dass Kinder in der Lage sein sollen, ihre mediale Umwelt selbst zu gestalten, ist etwas mehr Aufwand nötig. Ich denke, dass kein Schüler das Abitur machen sollte, ohne nicht in Grundzügen zu verstehen, wie ein Computer und das Internet funktionieren. Nicht jeder muss Programmierer werden, aber jeder sollte wissen, dass hinter einer Software Programmierer und viele Zeilen Code stecken. Und das geht am besten, wenn man zumindest ein kleines Programm selbst geschrieben hat. Wir bringen Kindern in der Schule ja auch mit gutem Grund nicht nur das Lesen, sondern auch das Schreiben bei.“

Beispiele für Programmier-Tools im Unterricht

Das sehen wir genauso, also haben wir nachfolgend ein paar kostenlose Einsteiger-Programme zusammengestellt, mit denen Kindern das Programmieren lernen spielerisch nähergebracht werden kann.

  • Scratch: Diese Anwendung ist wohl am bekanntesten. Hier kann man Videos, Spiele und Bilder mit einheitlichen Programmierblöcken programmieren. Diese sind nach Aktionsmuster sortiert. Die Übungen sind auf Deutsch, aber die Beispielergebnisse und die Community-Funktion funktionieren nur auf Englisch.
  • Blockly Games: Bei Blockly wird das gleiche Prinzip wie bei Scratch oder Turtle Art angewendet, nur dass man den Lernerfolg durch unterschiedliche Spiele erzielt: Der Lernende muss eine Figur entlang einer Google Map bewegen oder eine gegnerische Figur in einem Teich abschießen.
  • Open Roberta Lab: Mit der Betaversion des Open Roberta Lab des Fraunhofer-Instituts kann man EV3 Roboter in der Cloud programmieren. Es unterstützt bei ersten Programmierschritten bis hin zur Programmierung intelligenter Roboter mit Sensoren und Fähigkeiten. Die Seite ist auf Deutsch, man programmiert in der eigenen Programmiersprache des Fraunhofer-Instituts NEPO. Wie bei Scratch arbeitet man mit einer grafischen Programmierumgebung und ordnet per Drag and Drop die Befehle an.
  • Greenfoot: Hierbei lernt man objektorientiert die Programmiersprache Java kennen. Greenfoot erstellt für den Benutzer anpassbare Umgebungen, die Mikrowelten genannt werden. Dabei können Geschlecht, Alter oder andere Faktoren individualisiert werden. Neben der kostenlosen Software muss noch das Java Development Kit installiert werden.
  • Alice: Wie bei Greenfoot liegt bei Alice eine objektorientierte Programmiersprache zugrunde. Man erstellt mittels Drag and Drop Computeranimationen aus 3D-Modellen. Diese können mit etwas Übung zu komplexen Programmen erweitert werden. Alice hängt mit keiner bestimmten Entwicklungsumgebung zusammen, sodass es nicht notwendig ist, sich mit einer bestimmten Syntax vertraut zu machen.
  • Code.org: Code.org gehört als drittes Beispiel in diese Reihe des visuellen Programmierens. Es ist teilweise ins Deutsche übersetzt und hat bekannte, animierte kleine Helfer, wie die Angry Birds oder die Prinzessinnen aus „Frozen“.

Weitere Informationen zu Programmier-Tools erhalten Sie außerdem auf der Informatik-Tools Webseite. Eine Seite, bei der man ohne weitere Software zu installieren u.a. Java, SQL oder Pascal lernen kann, ist das Programming Wiki.

Haben Sie bereits Programmier-Tools im Unterricht eingesetzt, um Ihre Schülerinnen und Schüler mit dem Programmieren vertraut zu machen? Was sind Ihre Erfahrungen?

Titelbild: Pressmaster/shutterstock