Berufe: Wie wird man … YouTuber?

Millionen von Jugendlichen schauen jeden Tag Videos auf YouTube. Doch wer sind die Menschen hinter den kurzweiligen Videos im Netz? Und wie wird man ein „YouTuber“?

Robin Blase alias RobBubble ist YouTuber und einer von drei Moderatoren beim Gamingformat NerdScope. Die zweite Staffel startete am 25. Februar 2017.

Robin, wie hast du auf YouTube angefangen und warum?
Robin: „Ich hatte, seit ich 14 Jahre alt war, einen Podcast. Damals kam in der YouTube-Szene die Option auf, Podcasts mit Videos zu verbinden. Das habe ich im Dezember 2006 ausprobiert – und seitdem habe ich den Kanal.“

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Wie würdest du jemandem erklären, was du auf YouTube machst?
Robin: „Ich mache Comedy- und Satire-Videos zu aktuellen Themen aus dem Internet, unter anderem parodiere ich gerne andere YouTuber.“

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man Videos auf YouTube veröffentlichen möchte?
Robin: „Man sollte in der Lage sein, Kritik wegzustecken. Durch die Anonymität ist das Internet ein sehr kritischer Ort mit vielen persönlichen Beleidigungen. Und man muss natürlich extrovertiert genug sein, um sich selbstbewusst vor eine Kamera zu stellen.“

Was würdest du jemandem empfehlen, der YouTuber werden möchte?
Robin: „Einfach machen und anfangen. Man braucht viel Übung und Geduld. Das Tolle an YouTube sind ja die Kommentare, die Statistiken der einzelnen Videos etc. – so kann man direkt optimieren.“

„Viel Geld verdienen und schnell berühmt werden“ – Haben Jugendliche eine falsche Vorstellung vom Leben eines YouTubers? Wie ist es wirklich?
Robin: „Die wenigsten YouTuber verdienen ‚viel Geld‘. Es gibt natürlich in den oberen 100 Kanälen Leute, die auch mal sechsstellig verdienen. Aber das sind die ‚Stars‘ mit Kanälen, die sich leicht vermarkten lassen. YouTube ist ein Job: Videos sind Arbeit. Gerade im kreativen Bereich und in der Produktion gibt es sehr viel zu tun. Ein Zehn-Minuten-Video braucht nicht zehn Minuten, um produziert zu werden, sondern Tage. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, z. B. Kanäle, die sehr simplen Inhalt machen. Aber um damit berühmt zu werden, braucht es extrem viel Glück und Geduld.“

Wie viel Zeit verbringst du mit dem Erstellen und Bearbeiten deiner Videos?
Robin: „Das ist abhängig vom Video. Aber meistens verbringe ich ein bis zwei Tage am Skript, einen Tag beim Dreh, zwei Tage im Schnitt, einen weiteren Tag mit dem Hochladen und der Pflege des Kanals. Dazu kommt die typische Arbeit eines Selbstständigen: E-Mails, Networking, Steuern etc. Bei unserem Format NerdScope arbeiten sieben Leute jeweils drei bis fünf Tage pro Folge an einem 15-Minuten-Video.“

Gibt es Apps oder Programme, die du dafür benötigst?
Robin: „Ich nutze, wie die meisten YouTuber, Adobe Premiere, After Effects und Photoshop für die Bearbeitung.“

YouTube gilt als Fernsehersatz für die Jugend von heute. Wie hat sich dein eigenes Konsumverhalten durch YouTube verändert?
Robin: „Ich sehe YouTube nicht als Fernsehersatz. Mein Konsumverhalten hat sich auch nicht durch YouTube verändert, sondern generell durch das Internet. Heute gucke ich immer noch viele Fernsehserien – aber on-Demand, also im Internet, auf Netflix, Amazon Prime etc. und nicht mehr um 20:15 Uhr vor dem Fernseher. YouTube füllt da auch einen Teil der Unterhaltung, aber ein Fernsehersatz ist es nicht.“

YouTube gerät durch Änderungen immer wieder in die Kritik der Nutzerinnen und Nutzer. Hast du davon etwas mitbekommen?
Robin: „YouTube ist ein Unternehmen – und demnach auf seinen Profit aus. Das ist an sich nicht problematisch – allerdings schreibt sich YouTube die enge Zusammenarbeit mit den Partnern auf die Fahne und ist sich bewusst, dass ein Großteil des heutigen Erfolgs durch YouTuber kommt und nicht durch einzelne, virale Videos. Darüber hinaus hat YouTube meiner Meinung nach eine moralische Verantwortung, solche Änderungen anzukündigen.Tausende Menschen leben von YouTube. Wenn YouTube ohne Warnung den Algorithmus ändert, der potenziell das Einkommen vieler Partner gefährdet, gehört das zu Recht kritisiert.“

Wie beurteilst du die Entwicklung v. a. deutscher YouTube-Formate?
Robin: „In Deutschland ist YouTube in den letzten Jahren Mainstream geworden. Demnach sind die erfolgreichsten Formate immer mehr in eine Richtung abgedriftet, die wir auch bei den erfolgreichen Fernsehsendungen beobachten: Ein großer Teil der Zuschauer wünscht sich anscheinend ‚Trash-Content‘. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Menge qualitativ hochwertigen Content, der immer mehr wird. Gerade der Einstieg der Öffentlich-Rechtlichen mit funk bringt momentan die Finanzierung für Inhalte, die unterschiedliche Nischen abdecken.“

Welche 5 YouTube-Kanäle würdest du jedem empfehlen?
Robin: „Philip DeFranco, Last Week Tonight, CaseyNeistat, Kurzgesagt, Every Frame a Painting.“

Vielen Dank für das Interview!

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Titelbild: © svensonpictures.com

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