Schulferien – was war das noch mal?!

Here we go again – Das neue Schuljahr hat begonnen und der Alltag hat sie wieder eingeholt: Frau mit Klasse erzählt vom Start mit ihrer neuen Klasse, den Herausforderungen und anderen Begebenheiten.

„Jetzt beschwer dich noch, nach sechs Wochen Ferien!“

Ja. Das mache ich. Wenn man so lange im Sommer frei hat, ist man erst mal raus. Da bin ich ehrlich. Ich bin eine Person, die in der freien Zeit gut abschalten kann und dem Leben frönt. Gedanken an die Schule rücken da in den Hintergrund. Die kommen früh genug wieder! Doch nach der Hälfte der Ferien kam allmählich dieses Gefühl auf: „Lange ist es nicht mehr hin, du musst dich bald ran setzen.“ Eine Weile konnte ich es noch verdrängen, aber irgendwann ist auch die schönste Zeit vorbei.

Die eigenen Vorbereitungen beginnen und die Präsenzzeit in der Schule holt einen wieder in den Alltag zurück. Braungebrannt treffen sich die Kolleginnen und Kollegen im Lehrerzimmer. Absprachen beginnen, Raumgestaltungen werden thematisiert und Montag kommen schon die Schülerinnen und Schüler wieder. Tschüss, ihr schönen Sommerferien!

Ein Kleeblatt zur Begrüßung

In diesem Schuljahr bin ich im Grundschulbereich eingeteilt und leite dort eine eigene Klasse. Die besteht zwar nicht aus vielen Schülerinnen und Schülern, aber ich sage nur: „Klein, aber oho!“
Am ersten Tag bekam jede und jeder von mir ein Glückskleeblatt, einen Textmarker und Bonbons geschenkt. Diese Kleinigkeiten verteilte ich vor Beginn des Unterrichts auf den Plätzen. Es folgten organisatorische Absprachen und irgendwann fiel mir auf, dass sich niemand bedankt hatte. Ein Kleeblatt wurde zu einer Schleife geformt, ein anderes fand ich ein paar Tage später im Müll. Immerhin, der Textmarker findet Verwendung. Ich weiß nicht ganz, was ich davon halten soll.

Klasse(n)lehrerin?

Nach knapp drei Wochen Schule ist man schon wieder mittendrin. Ferien – was war das noch mal? Die Erholung ist schnell nebensächlich. Neben vielen bürokratischen Aufgaben ist der Aufbau einer Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern das A und O. „Sie sind echt korrekt“, sagte ein Schüler letzte Woche zu mir. Darüber habe ich mich gefreut. Es gab bisher einige gute Tage, aber auch solche, die zum Nachdenken anregen. An denen Stress schon nach den ersten fünf Minuten aufkam.

An einer Sonderschule ist besonders die zwischenmenschliche Arbeit wichtig. Das kann einen vor große Herausforderungen stellen. Oftmals kam ich in den letzten Tagen heiser nach Hause. Ich habe mir im wahrsten Sinne des Wortes den Mund fusselig geredet. Musste auch mal lauter werden. Habe mich geärgert. Eine Tatsache, die mir selber nicht gefällt. Aber wie heißt es so schön? „Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Auch ich muss noch viel lernen und werde versuchen, das Beste für diese Klasse in diesem Schuljahr herauszuholen. Und vielleicht können einige danach wieder zurück an die Regelschule. Das wäre schön.

Multitasking

Die Lehrerinnen und Lehrern unter euch wissen das natürlich, aber dieser Beruf bedeutet nicht nur, zu unterrichten. Es gilt, zu organisieren, zu trösten, zu motivieren, Streit zu schlichten, zuzuhören, Geschichten zu erzählen, Vorbild zu sein, zu managen usw. Neben der Unterrichtsvorbereitung, die sich nach der Schule oft bis in die Abendstunden zieht, füllt man viele Formulare aus, tätigt Anrufe, schreibt E-Mails und vieles mehr. Eltern kommen in die Schule und wollen einen kennenlernen. Manche von ihnen wollen ungern mit dem jeweils anderen in einem Raum sein. Alles diese Woche erlebt. Nebenbei berichten vereinzelte Kolleginnen und Kollegen von persönlichen Problemen, die sie miteinander haben. Dabei geht es doch hier um die Kinder! Das alles kann an den Nerven zehren.

„Wer all seine Ziele erreicht hat, hat sie zu niedrig gewählt.“ – Herbert von Karajan

Irgendwann abends entscheide ich dann, dass es nun genug ist. Ich packe meine Tasche für den nächsten Tag und lösche das Licht.

Als Lehrerin hat man selten Feierabend. Man entscheidet einfach, wann der Arbeitstag für einen zu Ende ist. Das sehen und wissen viele nicht. Aber wie sollen sie auch.

Den letzten Rest des Abends nutze ich für mich für mein Privatleben und meine Freizeit. Es gibt Abende, da gelingt mir das jedoch nicht. „Du hast doch bald wieder Ferien“, heißt es dann. Richtig! Und die werde ich wahrscheinlich auch redlich brauchen.

Möge das neue Schuljahr alle Erfahrungen mit sich bringen, die dies benötigt. Seien sie nun gut oder schlecht. Ich werde an ihnen wachsen und bin gespannt. Aber am Ende ist man auch nur ein Mensch.

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