Richtig trennen – was Eltern beachten sollten, damit Kinder nicht zu sehr leiden

Theoretisch weiß ich, wie es gegangen wäre – praktisch hat es leider überhaupt nicht hingehauen, das mit der friedlichen Trennung. Aber deswegen bin ich geradezu prädestiniert, zu erklären, wie man sich trennt, ohne zu viel Porzellan zu zerschlagen.

Die Trennung gemeinsam verkünden. Sich in Ruhe mit dem Kind hinsetzen und möglichst unaufgeregt sagen, was Sache ist. Die genauen Worte sind dabei nicht so wichtig, denn die Botschaft ist sowieso ein Schock fürs Kind. Wichtig ist das Gefühl dabei: Eltern müssen dem Kind glaubhaft vermittelt können, dass sie wissen, was sie tun.

Von Anfang an sagen, dass beide Elternteile bleiben. Kinder sind beiden Elternteilen verbunden, auch wenn einer mehr Zeit mit dem Kind verbringt als der andere. Kinder wollen weiterhin beiden verbunden bleiben. Der Gedanke, ein Elternteil könne verschwinden, setzt Existenzängste frei, die große psychische Probleme mit sich bringen können. Also unbedingt sagen und auch zeigen, dass Mama und Papa weiterhin da sind.

Einen kindgerechten Grund für die Trennung nennen. „Wir haben uns zu oft gestritten und denken, dass zwei Wohnungen für uns besser sind“ wäre die einfachste Variante. Die fällt allerdings weg, wenn es für das Kind gefühlt gar keinen Streit gab. Dann müsste eine andere Erklärung her.

Klarmachen, dass die Trennung nichts mit dem Kind und der Liebe zu ihm zu tun hat. „Das ist eine Sache nur zwischen Mama/Papa und mir, es hat nichts mit dir zu tun“ ist ein Satz, der gar nicht oft genug gesagt werden kann. Denn Kinder beziehen alles auf sich. Viele haben furchtbare Angst, dass Mama bzw. Papa sich nun auch von ihnen trennen könnten.

Die Vorteile der Trennung herausstellen. „Ich verstehe, dass du traurig bist, aber es wird dann zu Hause weniger Streit geben!“ oder „Bei Papa/Mama hast du dann auch ein schönes Kinderzimmer und Spielsachen!“ könnten Sätze sein, die Trost spenden.

Den Kummer des Kindes ertragen und auffangen.
Man sollte nicht den Fehler machen, zu sagen, das sei alles nicht so schlimm. Denn für fast alle Kinder ist eine Trennung der Eltern eine Katastrophe. Kuscheln und Zuhören sind angesagt.

Dafür sorgen, dass das soziale Umfeld des Kindes Bescheid weiß. Kita, Nachbarn, Eltern von Freunden sollten durch die Eltern von der Trennung erfahren. Das nimmt dem Nachwuchs die Last, Dinge zu erklären, die es überfordern. Außerdem hilft es den anderen, behutsam mit dem frisch getrennten Kind umzugehen.

Erklären, dass viele Kinder getrennte Eltern haben. „Alle anderen haben Mama und Papa, nur ihr trennt euch!“ ist ein verständlicher Gedanke, wenn die heile Welt zerbricht. Aber wenn man genau hinsieht, gibt es in jeder Klasse und Nachbarschaft reichlich getrennte Eltern. Zu zeigen, dass Trennung ein Stück weit Normalität ist und das Leben danach gut weitergehen kann, gibt dem Kind eine Perspektive.

Verlässlichkeit und Sicherheit durch Umgangsregeln und Erreichbarkeit bieten. Nach dem Auszug eines Elternteils muss das Kind wissen, wann es Mama bzw. Papa wiedersieht und wie es sie bzw. ihn erreichen kann. Das sind elementare Voraussetzungen für eine gute Beziehung zum Elternteil, bei dem es nicht wohnt. Wenn der Sprössling anruft, sollte also nicht die Mailbox rangehen – zumindest in den ersten Monaten nach der Trennung. Das schafft Sicherheit.

Das neue Zuhause kennenlernen und dem Kind dort Raum bieten. „Wo wohnt Mama/Papa nach dem Auszug?“ ist eine wichtige Frage für das Kind. Das Kind sollte sobald wie möglich das andere Zuhause sehen und dort auch einen gemütlichen Platz mit Bett, Spielsachen und eigenem Rückzugsraum haben.

Trotz Auszugs emotional ansprechbar sein. Der ausgezogene Elternteil sollte weiterhin ein offenes Ohr für das Kind haben. Nur weil ein Elternteil nicht mehr mit dem Kind zusammen wohnt, heißt das nicht, dass er bzw. sie nicht emotional wichtig wäre. Das bleibt er bzw. sie aber nur, wenn sie sich anbietet und auch emotional zuständig fühlt. Eine Sache, die viel Feingefühl und auch eventuell Überwindung kostet, aber sehr wichtig ist.

Loslassen. Entscheidungen des Expartners bzw. der Expartnerin akzeptieren, auch wenn man nicht damit einverstanden ist – sei es die Wahl der Nahrungsmittel, Freizeitgestaltung oder Schlafenszeiten. Wenn das Kind beim anderen ist, dann bestimmt dieser, was gut fürs Kind ist. Solange das fürs Kind okay ist.

Wut auf den Expartner bzw. die Expartnerin nicht vor dem Kind ausleben. Es ist nicht einfach, seine Verletzungen wegzustecken. Im Laufe einer Scheidung bzw. Trennung kommt es oft zu hässlichen Auseinandersetzungen um finanzielle Dinge oder emotionale Enttäuschung. Dies nicht vor dem Kind zu thematisieren, ist schwierig. Wenn’s mal nicht klappt, Schwamm drüber und sich vornehmen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Authentisch bleiben. Es gibt immer gute Gründe für eine Trennung. Also gibt es auch keinen Grund, so zu tun, als sei alles ganz prima. Auch eine frisch getrennte Mutter bzw. ein frisch getrennter Vater darf traurig oder mal gestresst sein. Am schädlichsten für Kinder sind Eltern, die scheinbar nur noch funktionieren.

Das Gute an der gemeinsamen Zeit sehen. Wer „Es war nicht alles schlecht“ sagen kann, hat’s leichter. Wenn der Ärger einen schier zum Platzen bringt, kann es helfen, sich das wunderbare Kind anzusehen, das man gemeinsam in die Welt gesetzt und eine Weile zusammen großgezogen hat, und sich an die schönen Momente zu erinnern. Aber das ist etwas für Fortgeschrittene.

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Über die Autorin

Gastautorin Christine
Christine

Christine zieht drei Kinder (8, 10 und 16 Jahre alt) alleine groß. Sie lebt mit ihnen und zwei Katzen am Bodensee, wo sie Kinderbücher textet. Ihr Blog Mama arbeitet ist ihr viertes Kind. Bild: © Patrick Pfeiffer

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