Döner und fliegende Erbsensuppe – Essen und Trinken im Unterricht

Essen und Trinken sind im Unterricht verboten. Offiziell zumindest. Lehrer Maximilian Lämpel hat zum Thema Essen im Unterricht ein paar dubiose bis kuriose Erfahrungen gemacht.

Trinken verboten, streng verboten!

Das erste Mal wurde ich ausgerechnet in meinen Examensstunden mit diesem Thema konfrontiert. Beziehungsweise danach. Im Analysegespräch wurde mir vorgeworfen, getrunken zu haben. Und zwar mehrmals. Ja, mein Gott, dachte ich, ich war halt aufgeregt und meine Aussprache drohte, komisch zu klingen. So ein Analysegespräch nach den beiden wichtigsten Stunden meiner bisherigen Laufbahn, zweites Staatsexamen eben, hatte ich mir anders vorgestellt. Schnell dämmerte mir aber, dass die Stunden ganz okay gewesen sein mussten, wenn jetzt, mit Verlaub, über so einen Quatsch lamentiert wurde. Ich trinke trotzdem. Jede Stunde. Das führt allerdings dazu, dass Schülerinnen und Schüler auch trinken wollen. Manche wollen sogar im Unterricht essen. Beides lasse ich nicht zu, das lenkt mich ab und es gibt genug Pausen, in denen man das erledigen kann. Außerdem ist die Hausordnung auf meiner Seite.

Hausordnung hin oder her …

Auch wenn in der Hausordnung steht, dass weder Essen noch Trinken gestattet ist, so macht das in der Praxis doch augenscheinlich jede Kollegin und jeder Kollege anders. Bei uns gilt: umso jünger die Lehrkraft, desto toleranter. Es gibt gar einen Referendar, der die Schülerinnen und Schüler eine Zeit lang zum Essen aufforderte. Für die Konzentration! Nach ein paar Wochen hat er damit aufgehört. Kein Wunder, mit ständig raschelnden und kauenden Schülerinnen und Schülern ist kein Unterricht zu machen. Wegen der Konzentration!
Es gibt auch zwei Kolleginnen, die das Essen im Unterricht gestatten. Von beiden denke ich seit etwa drei Jahren, dieses müsste nun echt ihr letztes Jahr bei uns sein. Sie backen ständig für die Fünftklässler. Meist sind es Muffins, die wirklich gut sind. Irgendwann habe ich verstanden, dass das ihre Taktik ist, um sich die Kinder gewogen zu halten. Einerseits ist das nicht so gut, denn in so einem Kollegium gilt, dass man an einem Strang zieht. Die konterkarieren aber mit ihrer ewigen Backerei alle Bemühungen der anderen Kolleginnen und Kollegen. Ständig heißt es aus der Schülerschaft: „Aber bei Frau K. dürfen wir doch auch …!“ Na super! Andererseits finde ich es ganz gut, dass die übrig geblieben Muffins dann regelmäßig im Lehrerzimmer verteilt werden. So hat eben alles zwei Seiten im Lehrerleben.

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Erbsensuppenschlacht

Die meisten Schülerinnen und Schüler essen selbstverständlich in den Pausen. Meistens ganz einfach die gute alte Stulle. Wenn ich diese Brote sehe – fast immer sind es Graubrote, die nach Supermarkt riechen und aussehen – dann muss ich irgendwie an früher denken. Das fühlt sich fast heimelig an. Wobei ich mich ehrlich gesagt freue, dass ich diese (Mahl-)Zeit hinter mir gelassen habe. Nicht alle Kinder essen Stullen, manchmal sieht man auch Außergewöhnliches: Tom aus der 9b bringt fast täglich Sushi mit und in der 10a ist es gerade Mode, gläschenweise Babybrei zu löffeln.
Kurioser noch waren die Gewohnheiten von Max aus der 10b, der vor Jahren nicht nur durch sein Verhalten auffiel, sondern auch durch seine Pausenmahlzeiten. Und einmal durch beides gleichzeitig: Irgendwann im Winter, draußen war es bitterkalt, hatte der besagte Max, damals in der 5b, Erbsensuppe in einer Thermoskanne dabei. Wissen nur die Götter, wie man auf so eine Idee kommen kann. Jedenfalls hat er die Suppe weder gegessen noch getrunken, sondern während eines Wutanfalls als Wurfsuppe genutzt und so rumgeschleudert, dass der Klassenraum aussah, als sei die halbe 5b einer plötzlichen Lebensmittelvergiftung erlegen. Fand die Klasse nicht so gut und es gab dann prompt eine Klassenkonferenz. Fortan war auch Max ein Stullentyp.

Der geliehene Döner

Ähnlich ungewöhnlich lief es letzte Woche bei den Großen in meinem 11er Grundkurs ab: Ben kam zu spät und an einem Döner kauend in den Unterricht. Den habe ich ihm dann gleich aus der Hand genommen, womit er verständlicherweise nicht gerechnet hatte und deshalb so verdutzt war, dass er mich gewähren ließ. Ich tat dann unter dem Gejohle des Kurses so, als würde ich reinbeißen und legte ihn anschließend aufs Lehrerpult. Weiß auch nicht genau, was ich da machte, aber irgendwie fand ich das nicht nur albern, sondern vor allem unterhaltsam. Die Stimmung war gut. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass David, der in der ersten Reihe direkt vorm Pult sitzt, sich prompt den Döner schnappt, und genüsslich reinbeißt und ihn einfach weiterisst. Der Kurs tobte nun, die Stunde entglitt mir und Ben wechselte von Verdutztheit in eine Art Schockstarre. Aber macht ja nichts, man könnte sagen, dass das eine lehrreiche Improvisation war: Der wird nie wieder mit einen Döner in die Schule kommen.

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Titelbild: © Jan H Andersen/shutterstock.com