Hygiene an Schulen: Wasche sich, wer kann

Corona – das Wort, das aktuell wohl die meiste Furcht erzeugt. Doch was bedeutet es für die Schule? Frau mit Klasse ist überzeugt davon, dass Hygiene nicht nur in diesen skurrilen Zeiten betrieben werden sollte. Sie blickt dabei auf die Entwicklungen der letzten Wochen zurück.


Keimzelle Klassenzimmer

Ich begann diesen Artikel einige Tage, bevor das Chaos ausbrach und werde deshalb chronologisch vorgehen. Vorab sei gesagt, dass ich, was Reinlichkeit angeht, ein wenig speziell bin. Das gebe ich gerne offen zu. Dazu gehört häufiges Händewaschen, die Desinfektion meines Handys oder die Vermeidung der Griffe in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das war schon vor der Ausbreitung des Virus so und wurde hin und wieder auch gerne belächelt. Trotzdem habe ich darauf verzichtet, das Zeug jetzt zu Hause zu horten. Lieber einmal mehr Hände waschen. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Schule also der perfekte Arbeitsort für mich ist!

Besonders in den Klassenräumen überkommt mich häufig ein gewisser Ekel. Das beginnt bei der sich türmenden Staubschicht auf Ablagen und Regalen, geht über Türklinken, die von Schülerseite benutzt werden, ohne sich nach der Toilette die Hände zu waschen und endet noch lange nicht bei den uralten ausgestopften Tieren, die im Regal des Lehrerzimmer-Kabuffs vor sich hingammeln.

Generell gilt: Öfter mal durchlüften

Damit die Schüler (aktuell unterrichte ich nur Jungs) sich an ihren Plätzen wohlfühlen, achte ich schon immer darauf, dass sie diese regelmäßig säubern, den Raum fegen und die Tische vor den Ferien auch mal gründlich abwischen. Immerhin verbringen sie schon einen großen Teil ihres Tages in diesem Raum. Gründliches Durchlüften ist natürlich auch eine wichtige Maßnahme, besonders, wenn meine Schüler gerade aus dem Sportunterricht kommen, da sie sich in der Blüte der Pubertät befinden.

Tag 0: Wie alles begann

Das erste Mal habe ich von dem Coronavirus gehört, als ich Mitte Februar gemeinsam mit meiner Klasse die Nachrichten geschaut habe. Wir haben dieses Thema kurz besprochen, ihm aber nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt als anderen Themen – schließlich wirkt ein Ereignis auf einem Lebensmittelmarkt in China für uns erst mal ziemlich weit weg. Doch von Tag zu Tag nahmen die Meldungen zu. Plötzlich hörte ich in meiner Klasse ständig Sprüche, wie „Der hat Corona!“, sobald einer hustete. Das habe ich sofort unterbunden, da sich jemand dadurch schnell angegriffen fühlt. Doch irgendwie kam Tag für Tag etwas Neues hinzu.

Tag 14: Rasante Entwicklungen

Von einem Tag auf den anderen hatten mehrere meiner Schüler Desinfektionsmittel dabei. Einen Desinfektionsmittel-Spender bekam unsere Schule nicht, von anderen Schulen hatte ich aber davon gehört. Es gab auch noch keine Anweisungen von der Schulleitung zu dem Thema. Als es allgemein hieß, dass wir gewisse Vorsichtsmaßnahmen einhalten sollten, habe ich meine Klassen gebeten, sich nach jeder Pause die Hände gründlich zu waschen. „Wieso? Wir haben doch dieses Zeug“, hieß es dann mit Blick auf die Desinfektionsmittel-Fläschchen. „Das ersetzt gründliches Händewaschen nicht“, erklärte ich ihnen mit ernster Miene.

Manche haben die Angewohnheit, gerne Dinge anzufassen, die auf meinem Lehrertisch liegen. Das kann ich eh nicht leiden und aufgrund der sich weiter verschlimmernden Lage habe ich es ihnen irgendwann schlichtweg untersagt. Gemeinsam mit einigen Kolleginnen und Kollegen habe ich den Schülern auch schon vorher bereits Körperkontakt untersagt, da er leider oft zu Streit führt und dazu, dass Situationen eskalieren. In der aktuellen Lage halte ich die Vermeidung des Kontakts für noch wichtiger als ohnehin schon. Doch nicht jeder hielt sich daran. Noch letzte Woche habe ich zwei Schüler dann beim Armdrücken erwischt. Teilweise war und bin ich wirklich überrascht, wie wenig manche Schüler mitdenken, auch wenn sie noch jung sind.

Tag 18: Himbeerhandgel zur Desinfektion

Bevor die Lage so ernst wurde, gab es noch etwas zum Schmunzeln. Bevor die Schule schließen musste, erzählte mir unsere Praktikantin, dass sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sei und plötzlich husten musste. Natürlich hat sie niemanden direkt angehustet und dennoch seien die Leute aufgesprungen und hätten sich umgesetzt. Eine Person schmierte sich wohl direkt nach dem „Vorfall“ die Hände mit Himbeerhandgel ein. In diesen Zeiten ist Vorsicht natürlich besser als Nachsicht. Aber ob Himbeerhandgel jetzt das Nonplusultra ist?!

Tag 29: Das vorläufige Ende vom Lied

Vor einer Woche meinte ein Kollege noch zu mir, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die Schule schließen würde – und er sollte recht behalten. Gestern war der letzte offizielle Schultag bei uns. Meine Schüler haben von mir Materialien bekommen, die sie in den kommenden Wochen bearbeiten sollen. Ich wurde sogar noch verbal und körperlich von einem Schüler angegangen, der die Verteilung der Aufgaben ungerecht fand. Aber ich habe sie alle mit besten Wünschen für eine längere Zeit verabschiedet. Es fühlte sich schon komisch für mich an. So eine Situation gab es noch nie.

Als ich aber nach Schulschluss die vielen Kinder auf dem Hof miteinander spielen sah und an die Regel denken musste, dass sich nicht mehr als fünfzig Personen gleichzeitig treffen dürfen, wurde mir bewusst, dass die Schulschließung eine absolute Notwendigkeit ist. Mir ist aber auch klar, dass die kommende Zeit viele Eltern vor große Herausforderungen stellen wird.

Wie es weitergeht

Unsere Schule bietet eine Notbetreuung für Kinder an, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Von anderen Schulen hörte ich von einem Sicherheitsabstand unter Kolleginnen und Kollegen von anderthalb bis zwei Metern auf Dienstberatungen, von Online-Unterricht und der Möglichkeit, Unterrichtsmaterial auf der Schulhomepage hochzuladen. Das finde ich prima.

Heute kamen wir auch unter den Kolleginnen und Kollegen noch mal zusammen. Die kommenden Tage werden für Lehrpläne und Fallbesprechungen genutzt. Außerdem müssen wir während einer bestimmten Zeit erreichbar sein. Ich habe mich aber deutlich positioniert: Um niemanden zu gefährden, werde ich größtenteils von zu Hause arbeiten und vor Ort helfen, wenn Not am Mann ist. Die bevorstehende Klassenfahrt wurde auch abgesagt. Das ist schade, aber jetzt steht unser aller Wohl an erster Stelle. Passt bitte auf euch auf, bleibt zu Hause und vor allem gesund.

Und bitte liebe Schülerinnen und Schüler, bedenkt, dass dies keine verlängerten Ferien sind! Trefft euch jetzt nicht mit anderen in großen Gruppen, sondern bleibt zu Hause, schützt euch und eure Familien und erledigt eure Aufgaben. 😉

Weitere Beiträge von Frau mit Klasse:

Titelbild: © r.classen /shutterstock.com