„Frau mit Klasse, kannst du mal noch …?“ – über unsichtbare Aufgaben

Manche glauben, das Lehrerdasein beschränke sich darauf, ein bisschen Unterricht vorzubereiten, ab und an einen Film zu zeigen und viel Freizeit am Nachmittag zu haben. Dass die Realität anders aussieht und auch unliebsame Aufgaben mit sich bringt, verrät Frau mit Klasse. Vielleicht könnte eine persönliche Assistenz ihr ja aushelfen?!

Callcenter oder Schule?

Während des Studiums arbeitete ich in einem Callcenter. Und irgendwie konnte ich an meiner letzter Schule Parallelen zu meinem Studentenjob finden. Denn auch hier habe ich vor allem eins getan: Telefonate geführt. Mit Eltern, mit Psychologinnen und Psychologen oder mit Wohngruppen, um nur einige zu nennen. Täglich und vielfach. Es kam auch vor, dass ich gerade mit allen durch war, als eine Anweisung von oben kam, bitte noch weitere Infos zu erfragen. Also wieder von vorn. Wenn ich jemanden nicht erreicht habe, musste ich es später natürlich erneut versuchen. So telefonierte ich noch auf dem Heimweg oder von zu Hause aus weiter. Es geschah auch häufig, dass ich während des Unterrichts angerufen wurde oder telefonieren musste. Dies war eine Aufgabe, die eine Menge Zeit gekostet hat und da wäre ich nicht traurig gewesen, das eine oder andere Telefonat abgeben zu können. So malte ich mir aus, wie es wohl wäre, eine persönliche Assistenz zu haben, die solche Aufgaben für mich übernehmen könnte? Vermutlich gar nicht schlecht!

Förderplan ohne Plan?

Da es sich bei meiner alten Schule um eine Förderschule handelte, sollten die Klassenlehrerinnen und -lehrer individuelle Förderpläne erstellen. Diese Thematik war kein Bestandteil meines Studiums und so musste ich mich da erst einmal reinfuchsen. Also habe ich die Entwürfe meiner Förderpläne nach Schulschluss noch ausführlich mit einer erfahrenen Kollegin durchgesprochen und in Ruhe am heimatlichen Schreibtisch ins Reine geschrieben. Das war ebenfalls sehr zeitintensiv, denn man möchte den Kindern und Jugendlichen ja gerecht werden und sich für jede und jeden genau überlegen, was man schriftlich festhält. Diese Aufgabe hat zwar am Ende gut geklappt, gehörte aber nicht unbedingt zu meinen Favoriten.

Biologie oder Bürokratie?

Kurzum: Schule bedeutet einfach unglaublich viel Bürokratie. Das sollte für Lehrerinnen und Lehrer ein eigenes Fach als Teil des Arbeitsauftrages werden. Stets im Blick zu haben, wer wann wie gefehlt hat, alles im Klassen- oder Kursbuch nachzuweisen, zu prüfen, ob eine Entschuldigung vorliegt, oder ob rechtzeitig angerufen wurde, um dann gegebenenfalls nachzuhaken – all dies geschieht nebenbei, während des Unterrichts oder in den Pausen. Ich sollte mir das mit der persönlichen Assistenz definitiv mal näher durch den Kopf gehen lassen.

Ebenso wie die Bitten von den Kolleginnen und Kollegen, noch dies und jenes zu tun: „Frau mit Klasse, kannst du mal noch […]?“ Das macht man teilweise gern. Man sollte aber trotzdem aufpassen, dass man nicht immer ja sagt – was ich definitiv noch üben muss – sonst wird man nämlich auch immer wieder gefragt.

Doch nach Schulschluss passiert noch so viel mehr, hier könnte sich meine Assistenz also wirklich nicht über mangelnde Arbeit beschweren. Ich würde sie einführen in die Organisation von Schulveranstaltungen, die Vorbereitung auf Prüfungen, die Planung des Unterrichts, die Kommunikation mit wichtigen Anlaufstellen, die Durchführung von Konferenzen usw. Ich saß auch schon auf über zweistündigen Sitzungen nach Schulschluss mit Hummeln im Hintern, weil ich noch etwas für den nächsten Tag vorbereiten oder korrigieren musste. Womit wir beim nächsten Thema wären:

Den Wald vor lauter Bäumen noch sehen

Korrekturen. Das ist eine Aufgabe, die ich tatsächlich gerne abgeben würde, da ich ziemlich penibel bin. Ich überdenke die Antworten der Schülerinnen und Schüler häufig, vergleiche, blättere zurück, ob ich an einer anderen Stelle ebenso bewertet habe. Fazit: Das dauert und man sieht manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Zudem unterrichte ich Fächer, die sehr aufwendig in der Korrektur sind – da hätte ich im Vorhinein etwas besser drüber nachdenken können. 😉

Und wenn man einen Kurs dann über viele Stunden auf die Klausur vorbereitet hat und in der Analyse dann liest, dass „Der Spinnerin Nachtlied“ (Clemens Brentano) von einer Spinne handelt, kann man auch schon einmal verzweifeln. Denn um solche Texte zu lesen und zu korrigieren, geht gerne mal das ganze Wochenende drauf.

Mitarbeitsnoten verteilen

Mitarbeitsnoten – auch so eine Aufgabe, die mich nicht unbedingt mit purer Freude erfüllt. Ich nehme mir häufig vor, mir direkt nach oder während der Stunde zu den einzelnen Schülerinnen und Schülern Notizen zu machen. Um dann anschließend festzustellen, dass ich es wieder vergessen habe, weil ich während des Unterrichts an so viele andere Dinge denken musste. Je größer eine Klasse ist, umso anspruchsvoller ist die Aufgabe, die Mitarbeitsnoten gerecht zu verteilen. Hier wäre Unterstützung ebenso schön wie bei der Korrektur oder der Übernahme des einen oder anderen Telefonats.

Mit den Schülerinnen und Schülern komme ich dagegen allein klar. Wenn ich aber noch Hilfe benötige, dann besonders bei meinem Hauptproblem: dem Papier.

„Ich muss noch Papier sortieren …“

Das ist eine meiner Aussagen, die einige Menschen meines Freundeskreises und meiner Familie sicher nicht mehr hören können. In der Schule wird man regelmäßig mit so viel Papier konfrontiert, dass man sich damit bedecken könnte. Ich habe eigentlich immer einen Berg Papier auf meinem Schreibtisch zu liegen. Nur jetzt gerade nicht, da Sommerferien sind und ich alles abgeheftet habe. Darauf bin ich ein bisschen stolz! Aber das wird nicht lange anhalten. Ich nehme mir zumeist vor, am Freitag alles abzuheften und habe schon so viele farblich ansprechende Ordner und Mappen … aber ich kenne mich. Vielleicht würde da ein wenig mehr persönliche Digitalisierung Abhilfe schaffen. Ich sollte die Assistenz gleich mal anrufen, was man da machen könnte.

Das Lehrerdasein beinhaltet also eine Menge Aufgaben neben dem Unterrichten – und einige sind eher unliebsam, wenn ich ehrlich bin. Aber am Ende gehören sie dazu und das ist in Ordnung, das schaffe ich auch ohne Assistenz. 😉 Deshalb möchte ich mich nicht beschweren und bin gespannt, wie es nach den Sommerferien in meinem Multitasking-Job weitergeht. Wichtig ist und bleibt vor allem eins: neben all der Bürokratie ein offenes Ohr für die Schülerinnen und Schüler zu haben, denn um die geht es.

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