Wenn die Kinder groß sind: Auf zu neuen Ufern!

Das erste Kind zieht aus. Die Geschwister werden in absehbarer Zeit folgen – was lange unvorstellbar schien, ist bei Mama Christine nun Realität. Grund zur Angst und Sorge besteht nicht, wohl aber ein Anlass, zu überlegen, wo man steht. Und vor allem, wo man hinwill.

Ein bisschen fühlt es sich an, wie damals, als ich selbst 18 wurde – huch, auf einmal so viele Freiheiten, was mache ich denn jetzt damit? Trotzdem ist alles neu, denn während man als junger Mensch halbwegs weiß, was von einem erwartet wird – Ausbildung, selbstständig werden, das Leben genießen –, stehe ich als Mutter von flügge werdenden Kindern da wie eine Anfängerin.

Wer war ich nochmal, bevor ich Kinder bekam?

Plötzlich tauchen neue Fragen auf: Will ich wieder die Frau sein, die ich einst war? Geht das überhaupt noch? Und was möchte ich mit dem Rest meines Lebens machen? Das Bild, das ich als junger Mensch von Müttern hatte, deren Kinder groß genug für eine eigene Wohnung und ein eigenes Leben sind, passt jedenfalls nicht für mich: Weder möchte ich Yoga machen noch Töpferkurse besuchen.

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Wenn ich’s recht bedenke, verwandelten sich auch damals schon beileibe nicht alle Mütter von erwachsenen Kindern in schrullige Alte mit bunten Klamotten oder in Globetrotterinnen, die nach Indien reisen. Die Freundinnen meiner Mutter lebten im Grunde einfach so weiter wie bisher, nur mit weniger Terminen, die durch die Kinder bestimmt waren. Auf Selbstfindungstrips gingen die wenigsten, aber das war auch eine andere Zeit.

Bindungsorientierte Erziehung ist kein Ballast – Selbstzweifel hingegen schon

Das ist nämlich in meinen Augen ganz klar ein neues Phänomen: Sich ständig zu überprüfen, ob man als Mutter auch gut genug ist bzw. alles richtig macht, wäre der Generation meiner Eltern überhaupt nicht in den Sinn gekommen. „Wir geben unser Bestes“, hätten sie gesagt, „Und selbstverständlich reicht das.“ Selbstzweifel, Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf, pädagogische Konzepte und Attachment Parenting waren für die Elterngeneration vor uns kein Thema.

Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich diesen Ballast mit dem Auszug aller meiner Kinder loswerde. Auch wenn eine gute Bindung zwischen uns natürlich ein wichtiges Ziel meiner Erziehung war und ist.

Ein Leben ohne Familiengetrappel kann auch Freiheit statt Leere bedeuten

Ob ich das gut hinbekommen habe mit den Kindern, wird sich zeigen. Auch Eltern der Gegenwart können leider immer noch nicht in die Zukunft schauen und sehen, ob sich ihre Kinder gut zurechtfinden werden. Daran hat sich also im Vergleich zu früher nix geändert. Anders als die Müttergenerationen vor uns haben aber viele Frauen spät Kinder bekommen, nämlich erst in ihren Dreißigern. Das macht einen großen Unterschied, denn wir hatten bereits ein Leben vor den Kindern. Und das ist gut. So können wir uns vorstellen, wie ein Leben ohne Familiengetrappel und volle Waschmaschinen sein kann, und dass es viele schöne Dinge gibt, die eine Frau allein oder mit ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin unternehmen kann, denn dazu bleibt im Familienalltag oft viel zu wenig Zeit.

Ich habe jedenfalls keinen Zweifel daran, dass es mir ohne meine Kinder gut gehen wird. Ich schmiede manchmal in meinen Tagträumen Pläne, in denen die Toskana, lange Zugreisen mit Büchern und interessante Begegnungen vorkommen.

Als reife Frau mit dem Zug durch Europa reisen und andere Tagträume

Das sind nämlich Dinge, die ich momentan nur machen könnte, wenn meine Kinder ohne mich gut klarkämen – was speziell bei meiner autistischen Tochter derzeit noch nicht der Fall ist. Ohnehin sind Eltern von Kindern mit Behinderung ja möglicherweise ein Leben lang in der Verantwortung, nicht nur finanziell. Da sich meine jüngste Tochter besonders spät und überraschend auf Erden eingefunden hat, werde ich unglaubliche 60 Jahre alt sein, wenn sie volljährig wird. Eine einschüchternde Zahl, die mich an silberhaarige Omas mit Dauerwelle denken lässt, was aber im Grunde auch nur ein Klischee ist.

Ich werde dann nämlich die unbeschwerte Alte in den bunten Klamotten sein, die mit oder ohne Kind macht, was sie will. Bunte Klamotten liebe ich jetzt schon, und meine Haare haben schon lange nicht mehr ihre natürliche Haarfarbe. Und ich habe vor, das Leben zu feiern. Es gibt so viele Sachen, die ich noch erleben will, oder noch einmal tun will – zum Beispiel als Interrail-Seniorin mit dem Zug durch Europa touren und hemmungslos Kunst und Kultur aufsaugen. In diesem Punkt mache ich einfach da weiter, wo ich damals aufgehört habe. Nur ohne meine jugendlichen Sorgen und Hemmungen. Geil!

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Titelbild: © Val Shevchenko /shutterstock.com

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