Wer lernt hier eigentlich von wem? – vom Einfluss der Kinder auf ihre Eltern

Kinder lernen von ihren Eltern. Wir als Erwachsene sollen Vorbilder sein. Soweit die Theorie. Wie das in der Praxis funktioniert, weiß Christine von Mama arbeitet.

„Mama, hast du meine Tasse schon wieder weggeräumt? Die wollte ich noch benutzen!“, schallt es leicht vorwurfsvoll aus der Küche. Meine Große guckt um die Ecke mit einem Gesichtsausdruck, der zwischen Genervtheit und Amüsement liegt. Ich nicke schuldbewusst. Meine Tochter weiß über meine Macke Bescheid – ich bin eine große Aufräumerin.

Mamas Macke

Es ist mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, alles sofort zu verräumen, was ich (oder andere) benutzt haben, dass ich es oft selbst nicht merke. Und gelegentlich übertreibe ich es damit auch. Etwa wenn ich Zutaten für ein Gericht, das sich eines meiner Kinder zubereiten will, unbewusst zurück in die Schränke stelle, noch bevor der Kochvorgang überhaupt begonnen hat. Die Kinder rollen dann mit den Augen und wir lachen gemeinsam über meine Aufräummeise. Wahrscheinlich gibt es schlimmere Macken, sage ich mir dann und nehme mir vor, mich zu bessern.

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Ein Lastenrad per App mieten?!

Beim Thema Aufräumen gelingen die Verbesserungen nur bedingt, aber in anderen Bereichen bin ich lernfähiger. So habe ich den Hinweis meiner Kinder angenommen, dass man nun wirklich nicht jeden größeren Einkauf mit dem Auto machen muss, sondern auch mal so ein Lastenrad ausprobieren kann, wie sie bei uns in der Stadt an mehreren Mietstationen angeboten werden. Dafür muss man sich eine App herunterladen. Für mich als mittelalter Mensch ist jede neue App eine kleine Herausforderung. Ich habe es lange herausgezögert, mir solch ein umweltfreundliches Transportmittel zu mieten, weil ich Sorge hatte, mich bei der Anmietung zu dusselig anzustellen.

„Quatsch, Mama, ich mach das mal mit dir zusammen und zeig dir das“, bot mir meine älteste Tochter an – so wie ich einst ihr, als es darum ging, sich Bücher in der Stadtbibliothek auszuleihen. Oder erst kürzlich, als ich ihr zeigte, wie man einen Stromvertrag für ihre erste eigene Wohnung abschließt.

Es muss nicht immer Steak sein

Wenn meine große Tochter ausgezogen ist, wird es weiterhin vegetarische Bolognese bei uns geben und auch diverse Sorten Grillkäse statt nur Steaks. „Man muss nicht jeden Tag Fleisch essen, am besten nur zwei Mal die Woche oder gar nicht!“, erinnert sie mich regelmäßig. „Und kauf doch mal Vollkorntoast, der schmeckt auch und ist viel gesünder!“ Recht hat sie und dass selbstgemachte Marmelade mit Erdbeeren vom Feld viel besser schmeckt als gekaufte, habe ich auch durch sie gelernt. Lebensmittel, die noch gut sind, wir aber nicht mehr brauchen, verschenke ich mittlerweile lieber an Fremde, als sie wegzuwerfen. Klopapier gibt es auch in einer umweltfreundlichen Variante und Druckerpapier auch. Eine Menstruationstasse ist nachhaltiger als Tampons oder Binden – die Liste der Dinge, auf die mich meine Kinder gebracht haben, ließe sich endlos fortsetzen.

Nachhilfe beim Erstellen von Instagram-Storys

Kinder, das ist mein Eindruck, können einem sehr gut den Spiegel vorhalten. Denn als Erwachsene bzw. Erwachsener ist man etwas betriebsblind und eingefahren in seinen Gewohnheiten. Zwar gehöre ich zu denjenigen, die gerne mal etwas Neues ausprobieren, aber manchmal bin ich mit dem Neuen auch überfordert. Vor allem, wenn ich bei Instagram eine Story erstellen will und mich all die GIFs und Sticker-Optionen anblinken. Fotos im Drogeriemarkt mit Bluetooth ausdrucken? Wie bitte? Früher hat man doch die Speicherkarte einfach in einen Schlitz gesteckt, wieso muss ich schon wieder etwas Neues lernen?

Einfach machen

Das mit dem Lastenrad hat jedenfalls gut geklappt und war überhaupt nicht schwierig – man muss es nur machen. Ich nutze dieses praktische Gefährt seitdem sporadisch und mit großem Vergnügen. Und Fotos auf die neumodische Art auszudrucken, habe ich mir für die kommenden Tage vorgenommen. Nur bei der Menstruationstasse, da kam der gute Rat etwas zu spät für mich – die brauche ich nämlich nicht mehr. Auch okay.

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Titelbild: © pikselstock/shutterstock.com

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