8 Wünsche für eine Schule nach Corona – was Eltern und Kindern wirklich hilft

Das neue Schuljahr birgt bei allen Fragezeichen auch Chancen. Mama Christine findet, dass wir gleich richtige Reformen in Gang setzen sollten, wenn wir uns schon umstellen müssen.

Noch sind in ein paar Bundesländern Sommerferien, aber in einigen Tagen geht’s dann für alle wieder los: Das Schuljahr 2020/21, in dem wir alle irgendwie mit den neuen Bedingungen in der Corona-Pandemie klarkommen müssen.

Reformiert die Schulen!

Die Schule, wie wir sie heute kennen, ist ein über die Jahre und Jahrzehnte gewachsenes System, so ähnlich wie die Familienleistungen des Staates. Es gibt ziemlich unübersichtliche Regelungen und Ausprägungen, die nicht mehr dem entsprechen, was Kinder und Familien brauchen.

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Das fängt schon bei der Schulpflicht an, die ursprünglich eingeführt wurde, um Kinder vor der Arbeit zu schützen, die noch ausgebildet werden sollten. Ein hehrer Gedanke – der sich im Laufe der Zeit umgedreht hat: Heute wird Schule von vielen als Institution gesehen, die dem Arbeitsmarkt möglichst gut ausgebildete und auf Funktionieren gepolte junge Menschen zur Verfügung stellt. Die Schule verkommt so zum Lieferanten für die Wirtschaft, dabei sollte die Wirtschaft doch der Gesellschaft dienen.

Es liegt schon länger einiges im Argen – auch ohne Coronakrise

Wir haben ein System geschaffen, in dem Erstklässlerinnen und Erstklässler zwar freudestrahlend mit einer großen Schultüte in die Grundschule ziehen, aber in dem sie auch zuverlässig – teils nach wenigen Tagen, teils nach Wochen oder Monaten –  die Freude am Lernen verlieren.

Gründe dafür gibt es sicher viele. Aber jedes Jahr in den sozialen Medien lesen zu müssen, dass die frisch eingeschulten Kinder bereits nach kurzer Zeit ziemlich demotiviert seien, zerreißt mir immer wieder aufs Neue das Herz.

Die Quote derjenigen, die ohne Abschluss von der Schule abgehen, steigt jährlich und die Zahl der Schulabsentistinnen und -absentisten, jene Kinder, die gar nicht mehr zur Schule gehen, ebenfalls. Obendrein vermelden die Krankenkassen jährlich alarmierend steigende Zahlen von Kindern mit psychischen Problemen. Das kann doch so nicht richtig sein?!

„Was soll Schule leisten?“ – solche Fragen sollten wir uns stellen

Was wollen wir? Ein Schulsystem, in dem Kinder sowohl sozial als auch fachlich wachsen und viel lernen oder eines, in dem Resignation und Konformität gezüchtet werden? Diese Frage sollten wir uns stellen und zwar nicht nur die Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker, sondern auch wir Eltern.

Es ist doch fraglich, ob Kinder und Jugendliche wirklich täglich physisch ab spätestens 8 Uhr morgens im Klassenzimmer anwesend sein müssen. Könnten sie nicht auch gelegentlich oder stundenweise von zu Hause aus lernen? Im Presseclub zum Thema „Schulöffnungen und Corona“ vom 9. August sagte der Lehrer und Bildungsexperte Philippe Wampfler etwas in meinen Augen sehr Kluges, nämlich:

Denken wir also mal zukunftsgewandt und postdigital – vielleicht sogar visionär. Wie sähe ein gelungenes Schulwesen aus, in dem Schülerinnen und Schüler wirklich fürs Leben lernen, das ihrem persönlichen Wachstum dient und von dem am Ende auch die Gesellschaft profitiert?

8 Wünsche für eine Schule nach Corona

  1. Nicht jede und jeder muss alles lernen und schon gar nicht alle zum selben Zeitpunkt. Grundkenntnisse in Mathe, Deutsch und Englisch sind die Basis für eine gute Bildung, aber ansonsten ergibt es überhaupt keinen Sinn, durch reines Auswendiglernen kurzfristig Inhalte in junge Köpfe zu zwingen. Neue Lehrpläne müssen her, nämlich solche mit größtmöglicher Flexibilität, um auf die Interessen der jeweiligen Schülerinnen und Schüler eingehen zu können. Was einen interessiert, lernt man gerne. Und wer gerne lernt, geht auch lieber in die Schule.
  2. Schulpflicht, Bildungspflicht und Präsenzunterricht müssen neu gedacht werden, nämlich bedürfnisorientiert. Schule darf keine Lernfabrik sein. Sie sollte ein Ort der Inspiration werden und das auch jenseits des Gebäudes. Warum sollten manche Kinder nicht den Stoff für einzelne Fächer in Ruhe zu Hause lernen können, wenn sie dazu Lust haben und das auch hinbekommen?
  3. Kinderfreundliche Regelungen bei Krankheit: Lasst Kinder wieder krank sein. Schickt ihnen nicht schon an Tag eins die Hausaufgaben über Klassenkameradinnen bzw. Klassenkameraden nach Hause! Diese Unsitte hat so zugenommen in den letzten Jahren, dass es schon fast normal ist, kranke Kinder mit Lernstoff zu versorgen. Als ich Kind war, war ich krank, fertig. Und am ersten Schultag schaute man dann, was verpasst wurde. Ohne Druck.
  4. Wir brauchen mehr Kinderkranktage für Eltern, wie es vereinzelt schon in der Politik gefordert wird und für das Ausnahmejahr 2020 auch gerade beschlossen wurde. Wenn die Kinder zukünftig bei Erkältungssymptomen sofort nach Hause geschickt werden, dann müssen sie, zumindest bis zum Alter von 12 Jahren, von einem Erwachsenen betreut werden. Wer soll das leisten, ohne seinen Job zu verlieren? (Die vom Gesetzgeber vorgesehene Alternative, nämlich unbezahlt freigestellt zu sein, kann sich nicht jede Familie leisten.)
  5. Klare Grenzen zwischen Kinderbetreuung und Bildung – Betreuung sollte vorwiegend Spaß machen, zwanglos und frei sein und der Erholung vom Lernen dienen. Lange Schultage bis 16 Uhr oder später, die mit Lernstoff vollgestopft sind, sollten höchstens etwas für Oberstufenschülerinnen und -schüler sein. Dass bei der Ganztagsschule, deren Ziel Chancengleichheit sein sollte, oft Kinder angemeldet werden, damit sie zuverlässig betreut sind, entlarvt die Bredouille der Eltern – kostenlose Betreuung gibt’s halt nur in der Schule.
  6. Wir brauchen Lehrkräfte, die nicht gleich zusammenzucken, wenn sie das Schlagwort „digitale Medien“ hören und die in der Lage sind, einen Mix aus digitalem Unterricht, Präsenzunterricht mit digitalen Medien und anderen Unterrichtsformen zu gestalten. Lehrkräfte, die dazulernen wollen und offen für neue Methoden sind. Die bekommt man natürlich am ehesten, wenn man, wie in Finnland, die Besten eines Jahrgangs für das Lehramtsstudium zulässt, sie vor dem Studium ein Praktikum in der Schule absolvieren lässt und dann auch gut bezahlt.
  7. Kostenloses, qualitativ hochwertiges Essen für alle Kinder in Schule und Kita wäre eine echte Zeitenwende. So hat es gerade ein Gremium gefordert, das das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft berät. Damit würde dann auch der Wertschätzung gegenüber dem Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler Ausdruck verliehen, was vielen in der Coronakrise zu kurz kam.
  8. Am wichtigsten aber: Auf die Kinder zugeschnittene Unterrichtsformen, Schulen und Inhalte. Und zwar wirklich. So, dass deren Bedürfnisse im Vordergrund stehen – und nicht die der Schule als System, die der Wirtschaft oder der Lehrkräfte. Ich träume von einer Schule, in der die Kinder im Zentrum stehen. Dazu gehört auch, den Unterrichtsbeginn auf frühestens 9 Uhr zu verlegen, wie es Fachleute schon lange empfehlen. Ein zu früher Schulbeginn wirkt dem Biorhythmus der Kinder total entgegen. Für Kinder, deren Eltern früh aus dem Haus müssen, könnten Betreuungskräfte nach Hause kommen, falls nötig. Das wäre wirklich kindgerecht.

Vielleicht ist die Coronakrise wirklich dafür gut, dass wir unser Schulsystem einmal von Grund auf neu denken. Wenn alte Strukturen bröckeln und sich als lähmend erweisen, dann ist es Zeit, sich grundsätzliche Fragen zu stellen – im übertragenen Sinne: Ist es klug, das metaphorische „Schulgebäude“ zu renovieren oder sollten wir es nicht abreißen und komplett neu aufbauen? Eine Chance dazu hätten wir jetzt.

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Titelbild: © MNStudio/shutterstock.com

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