Psychische Gesundheit von Eltern und Kindern in Zeiten von Corona

Die erste Corona-Welle war eine echte Zerreißprobe für die Nerven von Eltern und Kindern. Welchen Einfluss hatte sie auf die Psyche und können wir Familien uns seelisch für die zweite Welle wappnen, fragt sich Mama Christine besorgt.

Während des ersten Lockdowns zwischen März und Juni waren bei uns im Haus die großen grünen Müllcontainer ständig voll. Wenn ich in den Keller ging, begegnete ich eigentlich immer irgendeinem Nachbarn, der in unserem Elf-Parteien-Haus gerade den Keller entrümpelte. Das war oft die Folge davon, dass zuvor die Wohnung aufgeräumt worden war, wie mir die meisten beim zufälligen Treffen zuriefen. Damals dachte ich: „Oha, hoffentlich kommt die Müllabfuhr weiterhin so zuverlässig wie bisher, denn sonst haben wir hier ein Problem – und wahrscheinlich sind wir nicht das einzige Haus, in dem gerade ganz viel Energie ins Aufräumen geht.“

In Frankreich wird gekocht, die Britinnen und Briten treiben Sport – und wir räumen auf

Dass nicht nur bei uns im Haus aufgeräumt und entrümpelt wurde, kann man nun, einige Monate nachdem Beginn der Pandemie in ersten Studien nachlesen. Die Studien beschäftigen sich damit, wie es um die Psyche der Menschen in der Coronakrise bestellt ist, und was sie tun, um sich zu stabilisieren. Bei uns in Deutschland steht tatsächlich das Aufräumen ganz weit oben auf der To-do-Liste, während in Frankreich Kochen als Ausgleich nennen und sich die Britinnen und Briten mit Sport ablenken. Neben diesen gesunden Bewältigungsmechanismen wurde auch deutlich mehr Alkohol verkauft, wie die Zahlen aus dem Einzelhandel zeigen – und vermutlich auch konsumiert. Allerdings lassen sich die Zahlen zum Teil auch durch ausbleibenden Außer-Haus-Verzehr erklären, weil ja die Restaurants, Bars und Discos lange geschlossen waren und zum Teil noch geschlossen sind.

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Familien stehen besonders unter Spannung

Außerdem wurde, gerade in Familien, wesentlich mehr gestritten als sonst – auch um Kleinigkeiten. Das ist natürlich kein Wunder, wenn alle aufeinander hocken, keine Freundinnen und Freunde mehr treffen, der Vereinssport ausfällt und sich die Eltern Sorgen ums finanzielle Auskommen der Familie machen, verantwortlich fürs Homeschooling sind und eventuell selbst im Homeoffice arbeiten müssen. All das ohne Kinderbetreuung, weil ja alles geschlossen war, versteht sich. Das alles kann einen schon ganz schön kirre machen, und je beengter die Wohnverhältnisse, je kleiner die Kinder, und je klammer die finanzielle Situation, desto explosiver ist dann logischerweise die Stimmung.

Das Gefühl des Kontrollverlustes führt zu Stress

Wir Deutschen, so sagen uns die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sind aufgrund der Coronakrise deutlich gestresster, reagieren häufiger gereizt und sind erschöpfter als sonst – und das, obwohl wir im Vergleich mit den Nachbarländern noch relativ gut davon gekommen sind bisher. Was den Menschen so zu schaffen macht, ist das Gefühl des Kontrollverlustes und natürlich der mangelnde Ausgleich durch die sonst bewährten Bewältigungsstrategien, wie z. B. dass Mitfiebern beim Lieblingsfußballverein oder lautes Mitsingen beim Festivalauftritt der Lieblingsband. Nichts von alledem fand statt, stattdessen hieß es, diszipliniert und quasi rund um die Uhr vernünftig sein.

Erschreckende Zahlen über den Anstieg von seelischen Problemen bei Kindern

Kein Wunder, dass die Forschung feststellt, gerade Kinder hätten mehr Zeit mit digitalen Medien verbracht (und zwar nicht zum Lernen!) und der Süßigkeitenkonsum hätte zugenommen. Bedenklich dabei ist, wie deutlich die Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise bei den Kindern im Vergleich zu Erhebungen aus vorigen Zeiträumen ausfällt. Die Kinder fühlten sich vor allen Dingen dann seelisch belastet, wenn die Eltern auch belastet waren und viel Stress empfanden, resümiert die Leiterin der jüngst erschienenen COPSY-Studie des UKE Hamburg, für die über 2.500 Eltern und Kinder befragt wurden.

Laut der Studie hat sich das Risiko für psychische Auffälligkeiten fast verdoppelt. Mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen erklären, sie seien durch die Coronakrise seelisch belastet. Stress, Angst sowie Depressionen haben zugenommen. Dabei waren vorher auch schon erschreckend viele Kinder und Jugendliche psychisch belastet oder gar krank – diese Zahl steigt seit Jahren unaufhaltsam. Woran das liegt, ist umstritten. Sicherlich liegt es zum Teil daran, dass mehr diagnostiziert wird – aber sicher nicht nur daran.

20 Prozent mehr psychische Krankmeldungen

Wie stark die Belastung durch die Coronakrise war und ist, kann man an der Zahl der Krankmeldungen wegen psychischer Erkrankung bei Erwachsenen ablesen: 20 Prozent mehr als üblich waren es im ersten Halbjahr 2020. Was sich dahinter verbirgt sind auch etliche Eltern, die in den sozialen Netzwerken über Burn-Out-Symptome klagten oder über die Angst, bald zusammenzubrechen. Besonders stark belastet waren Mütter. Am stärksten unter Einsamkeit litten laut SOEP-Panel Alleinerziehende, die schon im normalen Alltag oft an der Belastungsgrenze funktionieren, und deren Kinder dann darunter leiden, dass ihre Mütter oft gestresst und voller Sorgen sind. Paare mit Kindern klagten über einen Verlust an Wohlbefinden und Zufriedenheit – während interessanterweise für Paare ohne Kinder und Alleinerziehende sich in diesen beiden Punkten wenig änderte.

Bei den Alleinerziehenden mutmaße ich anhand der mir bekannten Statistiken, liegt es daran, dass deren Wohlbefinden sowieso auf keinem hohen Niveau angesiedelt ist.

Der Druck muss raus – eine Stellschraube sind die Eltern

Wir haben also Zahlen und Forschung zum ersten Lockdown. Und es sieht ganz so aus, als bliebe uns ein zweiter Lockdown oder zumindest starke Einschränkungen in fast allen Lebensbereichen nicht erspart. Was lernen wir aus den Studien und wie können wir die kommenden Monate möglichst gut überstehen? Auch darauf hat die Wissenschaft eine Antwort: Am besten sei es, das Gefühl des Kontrollverlustes aktiv zu bekämpfen, indem man sich informiert und so weniger hilflos fühlt. Für Kinder kann man das sicher nicht eins zu eins übertragen, aber weniger gestresste Eltern helfen auch den Kindern, sich wohler zu fühlen. Das ist unbestritten und keine neue Erkenntnis – das wusste man schon vor dem Ausbruch der Pandemie. Dass hierfür neben der Haltung der Eltern auch politische Weichenstellungen und kluge Schritte in der Schulpolitik nötig sind, sei an dieser Stelle ausdrücklich betont.

Die Situation annehmen und das Beste daraus machen

Das ist das banal klingende Fazit, das ich sowohl aus den Studien als auch aus meiner persönlichen Erfahrung aus den ersten Monaten der Pandemie ziehen würde. Gekocht und aufgeräumt habe ich schon vorher gerne, es bleibt mir also noch der Sport als probates Mittel, die psychische Gesundheit stabil zu halten. Da zählt im weitesten Sinne auch Spazierengehen dazu, das mache ich dann im Winter mit meinen Kindern gemeinsam. Und danach trinken wir einen heißen Kakao, Pandemie hin oder her.

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Titelbild: ©Sam Wordley/shutterstock

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